Doppelter Rückschlag für Vermittlungen
Von Thomas Berger
Falls Donald Trump gedacht hatte, ein Einlenken seinerseits werde schon alles richten, so hat er sich getäuscht. Viele hatten auf die Telefonate gehofft, die der US-Präsident am Freitag abend südostasiatischer Zeit erst mit Thailands Interimspremier Anutin Charnvirakul und anschließend mit dessen kambodschanischem Amtskollegen Hun Manet führte, um die aktuellen Kämpfe im erneut eskalierten Grenzkonflikt beizulegen. Während Trump auf seinem Kanal »Truth Social« mitteilte, die beiden Regierungschefs hätten sich zu einer neuen Waffenruhe bereitgefunden, und es könne nun »Frieden geben«, kam von den Gesprächspartnern dazu keinerlei Bestätigung. Vielmehr ließ Anutin wissen, es sei nur um »aktuellen Informationsaustausch« gegangen. Hun Manet zeigte sich in seinem Statement allgemein friedensbereit, nahm aber ebenfalls auf keine etwaige Einigung Bezug.
Die Darstellung der drei geht deutlich auseinander. Anutin widersprach Trump auch noch direkt, der Vorfälle mit Landminen als »Unfälle am Straßenrand« abgetan hatte. Laut der Regierung in Bangkok wurden bereits 18 thailändische Soldaten durch die Sprengfallen verletzt, sieben davon verloren Gliedmaßen. Thailand wirft Kambodscha vor, noch nach dem von Trump und Malaysias Premierminister Anwar Ibrahim als Vorsitzendem des südostasiatischen Staatenbundes ASEAN vermittelten Abkommen vom 26. Oktober neue Minen verlegt zu haben. Ein kürzlich von thailändischen Soldaten auf einem eingenommenen Hügel gefundenes kambodschanisches Notizheft soll dies belegen.
Tatsächlich sind die am 7. Dezember erneut ausgebrochenen Kämpfe im Grenzgebiet auch am Wochenende fortgeführt worden. Immer rücksichtsloser gehen beide Seiten dabei zu Werke, immer mehr droht die Bevölkerung auch jenseits eines schmalen Streifens entlang der Grenzlinie ins Visier zu geraten – absichtlich oder als in Kauf genommener »Kollateralschaden«. Sechs Dorfbewohner wurden in einem Dorf der thailändischen Provinz Si Sa Ket verletzt, im benachbarten Ubon Ratchathani wurden vier Soldaten getötet. Offenbar durch Beschuss mit kambodschanischen »B-21«-Raketenwerfern gab es Einschläge sogar in der Nähe eines Krankenhauses, hieß es. Das Regionalkommando der thailändischen Armee hatte bereits vorigen Mittwoch in zehn Kliniken nahe der Grenze entsprechende Notfallpläne aktiviert.
»Thailand muss seiner Pflicht nachkommen, seine Souveränität zu verteidigen und seine Bürger zu schützen«, wurde Anutin am Sonntag von der Bangkok Post zitiert. Sein Verteidigungsminister Natthapol Nakpanich bekräftigte den Standpunkt, als erstes müsse Kambodscha seine Feindseligkeiten einstellen. Mit einem klaren Rückschlag bei den Vermittlungsbemühungen muss nun nicht nur Trump klarkommen, sondern auch Premier Ibrahim. Am Sonnabend war gemeldet worden, ihm sei es gelungen, einen Waffenstillstand unter Aufsicht der ASEAN zu vermitteln. Das nahm er allerdings später selbst zurück, wie das Bangkoker Wirtschaftsblatt The Nation am Sonntag berichtete. Statt dessen habe er vorgeschlagen, dass beide Parteien ihre »Provokationen« ab Sonnabend abend einstellen. Nicht einmal das hatte die geringsten Folgen.
Vielmehr hat Kambodschas Innenministerium laut Khmer Times am Sonnabend alle Grenzübergänge nach Thailand bis auf weiteres schließen lassen. Damit sind vorerst insbesondere die Rückkehrhoffnungen von 7.000 Thais geplatzt, die zuletzt in der kambodschanischen Grenzstadt Poipet festsaßen. Zuvor hatte es geheißen, sie könnten am Sonnabend eventuell in einem dreistündigen Zeitfenster nachmittags die Grenze passieren. Wie The Nation meldete, bereite das eigene Militär zudem Präventivschläge vor, sollte Kambodscha erstmals Mehrfachraketenwerfer vom Typ »PHL-03« in Grenznähe verlegen. Das auf einem sowjetischen Vorläufer basierende chinesische Produkt, von dem das Land sechs Stück haben soll, hat eine höhere Reichweite als die bisher verwendeten 48 »B-21«-Anlagen. Das kambodschanische Verteidigungsministerium hat bestritten, »PHL-03« auf thailändische Ziele zu richten.
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