Trauer um den Schauspieler und Gewerkschafter Rolf Becker
Ulrike Eifler, Bundessprecherin der BAG Betrieb und Gewerkschaft in der Partei Die Linke, würdigt den am Freitag in Hamburg im Alter von 90 Jahren verstorbenen Schauspieler und Gewerkschafter Rolf Becker:
(…) Geschehenes Unrecht nicht einfach hinnehmen zu wollen, nicht hinnehmen zu können, das war es, was Rolf dazu veranlasste, bis zum Schluss auf der Bühne zu stehen und mit großer politischer Klarheit auf diese Entwicklungen hinzuweisen – wie zuletzt bei der Verleihung des Rosa-Luxemburg-Preises in Berlin, wo er unterstrich, dass uns die Erinnerung an die 27 Millionen von Deutschland ermordeten Bürger der Sowjetunion dazu verpflichtet, den Frieden zu bewahren. (…) Rolf hat ebenso wie die Namensgeberin dieses Preises, Rosa Luxemburg, stets mit wachen Augen auf die von Krise, Krieg und Ungerechtigkeit gebeutelte Gesellschaft geschaut. Zu sagen, was ist, bleibt die revolutionärste Tat. Das als wahr Erkannte auszusprechen ohne Rücksicht auf mögliche persönliche Konsequenzen. All das erfordert sehr viel Kraft. Eine Kraft, die man vielleicht nur schöpfen kann aus der Erkenntnis, dass das Grundübel von Faschismus und Krieg eine Gesellschaftsordnung ist, die die Profite der wenigen höherstellt als ein Leben in Würde für die Mehrheit. Zuversicht und Stärke lassen sich vielleicht nur gewinnen aus der Vision, nach der wir alle frei und gleich miteinander leben können. Dies hat Rolf sein Leben lang getan. (…)
Die Gewerkschaft Verdi in Hamburg gedenkt ihres verstorbenen Mitglieds:
(…) Rolf Becker war nicht nur einer der bedeutendsten deutschen Schauspieler seiner Generation – er war auch ein überzeugter Gewerkschafter und ein Mensch, der sein künstlerisches Schaffen untrennbar mit seinem politischen Engagement verband. Seit 1958 war er Gewerkschaftsmitglied, seit 1990 in der IG Medien, zuletzt aktiv als Sprecher der Synchronsprecher*innen in Verdi in Hamburg. (…)
Er erhob seine Stimme für diejenigen, die keine hatten – sei es für politische Gefangene, für Flüchtlinge oder gegen Krieg und Ungerechtigkeit. Rolf verstand Kunst nie nur als Kunst allein, sondern immer als gesellschaftliches Eingreifen, als Verpflichtung gegenüber der Gemeinschaft. (…)
Rolf Becker hat uns gezeigt, was alles möglich ist, wenn jemand die eigene Bekanntheit als Verantwortung statt als Privileg empfindet und sie dazu nutzt, um auf Missstände aufmerksam zu machen und für eine gerechtere Gesellschaft einzutreten. (…)
Auch Marie Kleinert, kulturpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linken in der Hamburgischen Bürgerschaft, erinnert an Becker:
Rolf Becker mischte sich ein in eine Gesellschaft, die ihm zu eng und zu kalt war – er gab Widerworte gegen den Zeitgeist, er hat nie seinen Frieden gemacht mit der deutschen Wirklichkeit, all diesem In-die-Tasche-lügen. Rolf Becker hat auf der Bühne vom Widerstand gesprochen und gesungen, er stand auf der Straße an der Seite von Gewerkschaften, Friedensaktivist*innen und all denjenigen, die von Sparpolitik, Privatisierungen und Verarmung getroffen sind – ob in Griechenland oder direkt vor seiner Haustür in St. Georg. Mit Rolf Becker verliert Hamburg nicht nur einen großartigen Schauspieler, sondern auch eine unverzichtbare Stimme gegen Spekulantengier oder in den Kämpfen um ein solidarisches Quartier.
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