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Aus: Ausgabe vom 12.12.2025, Seite 11 / Feuilleton
Stand der Dinge

Der Pate spricht

Geraune
Von Stefan Heidenreich
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Weiß, was er will: Der Donald

Letzte Woche hat Donald II. seine neue »Nationale Sicherheitsstrategie« veröffentlicht. Seitdem geht unter Lakaien, Hofnarren und Schranzen aller Art das große Zittern und Rätseln um. Die einen fürchten den Einbruch einer neuen Weltordnung, den Verlust aller Gewissheiten, Zeitenwende zwei, Wolfswelt. Die anderen behaupten, all dem Tamtam zum Trotz hätte sich gar nichts geändert. Mit neuem Lippenstift wird die alte Sau durch die Manege geführt.

Vermutlich haben beide recht, und das nicht einmal dialektisch. Denn was auch immer aus dem Hause Trump getrötet wird, es zielt stets auf Wirkung, egal wie widersprüchlich es daherkommt. Um derart konfuse Botschaften richtig zu verstehen, helfen einige lang bewährte Methoden. Über Tausende von Jahren haben sich die Kirchen darum bemüht, aus einem zusammenkopierten Konvolut in sich widersprüchlicher Textbausteine eine halbwegs brauchbare frohe Botschaft abzuleiten. Das geht so:

Littera gesta docet (Der Buchstabe lehrt die Ereignisse);

quid credas, allegoria (was du zu glauben hast, die Allegorie);

moralis, quid agas (die Moral, was du zu tun hast);

quo tendas, anagogia (wohin zu streben ist, die Anagogie).

Kurz gesagt: Was Wort für Wort im Text geschrieben steht, ist ebenso inkohärent wie göttlich. Im vorliegenden Fall Copy-Paste-Bullshit aus bekannten MAGA- und neukonservativen Textbruchstücken. Jedem steht es frei, sich aus der Brühe die Stückchen herauszulöffeln, die ihn besonders triggern. Womit wir bei der Frage des Glaubens wären. Was hält man für wirkmächtig? Woraus will man seine Folgerungen ziehen, um zu handeln? Was tun?

Wer sich bei der Lösung dieser Aufgaben nicht verheddert hat, sollte sich immer daran erinnern, worum es am Ende und im Ganzen geht: Religion, also Geld.

Man kann versuchen, den Text tatsächlich als »Strategiepapier« zu lesen. Das aber schränkt den Blick erheblich ein. Der Bedeutungshorizont erweitert sich, wenn man das Papier nicht als staatliche Verlautbarung liest, sondern als den Erpressungsbrief eines Mafiapaten an seine Schutzbefohlenen und Handlanger. Ein Beispiel: Die Aussage »Das ist aber ein schönes Restaurant« lässt den Empfänger a) fürchten, sein Restaurant könnte abgefackelt werden, und b) der höheren Schutzgeldforderung zustimmen. So mit großem Erfolg geschehen bei der Erhöhung der Rüstungsausgaben auf fünf Prozent des BIP.

So also erschließt sich die Botschaft der Nationalen Sicherheitsstrategie kurz und bündig. Die Zentrale steckt in Schwierigkeiten (»remains the world’s richest, strongest, most powerful and most successful country …«). Ihr müsst mehr Schutzgeld abliefern, egal wie ihr das hinbekommt (»the Western hemisphere remains reasonably stable«). Keine Abweichler (»… will unapologetically protect our own sovereignty«). Es bleibt dabei: Alle Tribute gehen in die Zentrale (»to ensure that our markets continue to be the most dynamic, liquid, and secure and remain the envy of the world«).

Es folgen die Befehle an die einzelnen Sektionen. China sollte sich auf einen Krieg im Westpazifik einstellen (»deterrence to prevent war in the Indo-Pacific«). Die politische Klasse in Europa hat versagt und wird ausgetauscht (»Promoting European Greatness«). Besonders die letztere verdeckte Drohung hat in den besseren Kreisen Europas für erhebliche Verstörung gesorgt. Bis es gelingt, den Boss zu beseitigen und durch einen freundlicher gesonnenen Schwager zu ersetzen, sollte niemand darauf zählen, zu überleben.

Was sonst noch geschah: Einer der hoch angesehenen Ökonomen aus der Schule der Modern Monetary Theory schlägt Alarm. Steve Keen wurde bekannt, weil er den Crash des Jahres 2008 nicht nur richtig vorhergesagt, sondern auch noch ein akkurates Rechenmodell für die Prognose vorgelegt hatte. Die Argumentation geht ungefähr so: Da die neoklassischen und monetaristischen Theorien Kreditgeldschöpfung in ihren Modellen nicht berücksichtigen, können sie Kreditkrisen weder beschreiben noch vorhersagen. Dazu taugt das Modell von Hyman Minsky, einem, wenn man so will, marxistischen Undercoverökonomen. Die Warnlichter leuchten tiefrot.

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