Klima rascher im Wandel
Von Wolfgang Pomrehn
Die Klimakrise nimmt ihren Lauf und nimmt dieser Tage in Süd- und Südostasien dramatische Ausmaße an. In den vergangenen zwei Wochen sind bei Extremwetterereignissen mehr als 1.800 Menschen, vermutlich sogar deutlich mehr, ums Leben gekommen. Das EU-Erdbeobachtungsprogramm Copernicus meldet, dass 2025 auf dem besten Weg ist, neben 2023 zum zweitwärmsten Jahr seit Beginn der Messungen und damit vermutlich auch seit mehreren tausend Jahren zu werden. Das bisher wärmste Jahr war 2024. 2025 lag die Durchschnittstemperatur von Januar bis Dezember 1,48 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau und damit weiter gefährlich nah an der 1,5-Grad-Celsius-Grenze.
Von dieser heißt es in den internationalen Klimaverträgen, die alle Staaten außer den USA anerkennen, dass sie möglichst nicht längerfristig überschritten werden soll. Der Weltklimarat IPCC hatte bereits 2017 in einem Sonderbericht zusammengefasst, weshalb diese Schwelle nach Erkenntnissen aus der Klimawissenschaft so wichtig ist:
Sollte das globale Klima nämlich längere Zeit über diesen Wert hinaus erwärmt werden, drohen diverse Teilsysteme umzukippen. Ein Absterben der tropischen Korallenriffe gilt als sicher, der Golfstrom könnte sich unwiederbringlich mehr und mehr abschwächen und die großen Eisschilde auf Grönland und in der Antarktis ebenso unumkehrbar destabilisieren.
Und dennoch sieht es ganz so aus, als ob diese Schwelle bald überschritten wird. 2023 war, wie erwähnt, ebenso warm wie dieses Jahr, und 2024 lag sogar bereits deutlich über der 1,5-Grad-Celsius-Schwelle. Es hat ganz den Anschein, als würde sich der Klimawandel sogar beschleunigen: »Im November lagen die globalen Temperaturen 1,54 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau, und der Dreijahresdurchschnitt für 2023 bis 2025 wird voraussichtlich erstmals 1,5 Grad Celsius überschreiten«, so Samantha Burgess, die bei Copernicus das Klimaressort leitet. Burgess weiter: »Diese Meilensteine sind nicht abstrakt, sondern sie spiegeln das beschleunigte Tempo des Klimawandels wider. Die einzige Möglichkeit, den künftigen Temperaturanstieg abzuschwächen, besteht darin, die Treibhausgasemissionen rasch zu reduzieren.«
Doch davon ist man in Deutschland und Europa weit entfernt. Die Berliner Koalition müht sich derzeit in der EU, die Gnadenfrist für Benziner und Dieselfahrzeuge noch weiter rauszuschieben, statt endlich Bahn und Bus stark auszubauen. Außerdem ist die EU-Kommission auf dem besten Wege, Handelsverträge mit den USA abzuschließen, die die Gemeinschaft auf Jahrzehnte zur Abnahme großer Mengen an Frackinggas und Erdöl verpflichten würden.
Derweil gehen rund 91 Prozent der Sonnenenergie, die das Erdsystem aufgrund der steigenden Treibhausgaskonzentrationen zusätzlich abspeichert, in die Ozeane. Nur etwa ein Prozent nehmen wir als Erwärmung der Luft wahr. Entsprechend sind die Oberflächen der Meere so warm wie selten zuvor, besonders im westlichen Pazifik rund um die indonesischen Inseln. Wärmere Meere bedeuten, dass mehr Wasser verdunstet, was nicht nur die Niederschläge erhöht, sondern auch die tropischen Wirbelstürme intensiver werden lässt, die ihre Energie aus dem kondensierenden Wasserdampf beziehen.
Was das im einzelnen bedeuten kann, müssen dieser Tage Menschen in Indonesien, Sri Lanka und anderen Ländern der Region erleben. Allein im Norden Indonesiens starben in den zurückliegenden Tagen fast tausend Menschen durch Überschwemmungen und Erdrutsche. In Sri Lanka, wo ein Zehntel der Bevölkerung direkt von den Unwettern betroffen war, ging die Regierung davon aus, dass der Wiederaufbau sieben Milliarden US-Dollar (sechs Milliarden Euro) kosten wird. Das wären immerhin rund sieben Prozent des Bruttoinlandsprodukts des Landes. Zum Vergleich: Das wäre, als wenn hierzulande Unwetter binnen weniger Tage einen Schaden in Höhe von rund 260 Milliarden Euro anrichten würden.
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