Wir nennen ihn Godfather
Von Eileen Heerdegen
Blues – Dauergefühl einer 15jährigen. Blues – Soundtrack der Partys, die damals Feten hießen. Unendliche philosophische Diskussionen, billiger Alkohol und die Hoffnung, dass jemand, der älter ist, mich mit Mofa oder Moped (!) nachts nach Hause bringen kann.
Aus meinem Wiener Schlafzimmerfenster sehe ich auf ein kleines Lokal, in dem hin und wieder Musiker auftreten, manchmal »geschlossene Gesellschaften« vor der Tür rauchen und gelegentlich auch ohne Anlass Gäste erwartet werden. Doch meist ist es dunkel, und so hat es sich bisher nie ergeben, auf ein Achterl hineinzugehen. Ein Fingerzeig, dass mir doch einmal der unscheinbare Aushang auffällt? Aber zu spät, genau am Abend zuvor hatte Abi Wallenstein dort aufgespielt.
Abraham Wallenstein, als Kind deutscher Juden am 8. Dezember 1945 in Jerusalem geboren, seit den 60er Jahren in Hamburg, »Vater der Hamburger Blues-Szene« und »Godfather des Blues in Deutschland«, die Rezensenten überschlagen sich mit Superlativen. Der Meister des Country-Blues, berühmt für Picking-Style und seine achtsaitige Delta-Blues-Slidegitarre, hat nicht nur mit der hanseatischen Blues-, Boogie- und Rock-Elite, wie Inga Rumpf, Vince Weber, Axel Zwingenberger und Joja Wendt gespielt, sondern auch als Supporting Act für Joe Cocker und Eric Burdon. Viele Preise und Auszeichnungen, Gewinner des German Blues Awards in den Jahren 2011 bis 2014, 2017 bis 2021 in den Kategorien Blues-Solist/-Vocalist bzw. Solo/Duo und 2022 für »Spirit of the Blues« als bestes Album.
Irgendwann zwischen Blues-Feten und Erwachsenwerden habe ich Abi kennengelernt, wie, wo, wann, weiß ich nicht mehr. Es gab gemeinsame politische Interessen und Freunde, ein liebenswerter Mensch, große Freude, ihm bei seinen öffentlichen Gratisauftritten (Straßenmusik macht und liebt er bis heute) zuzuhören und zuzuwinken. Am 8. Dezember 2025 wird Abi 80 Jahre alt. Die üppigen Locken, die er sich mit Art Garfunkel und Bob Dylan geteilt hat (für einen allein wären’s zu viele gewesen), haben Platz gemacht für Kappen und Hüte. Das immer fröhliche Lächeln ist geblieben, die unnachahmliche Stimme anders, aber vielleicht noch authentischer geworden, Energie und Spielfreude sind ungebrochen. Zwischen Hamburg, Wien und Klein Kleckersdorf fast jeden zweiten Tag ein Auftritt. Also viel Gelegenheit, mal wieder feinsten Blues zu hören.
Herzlichen Glückwunsch und Mazeltov, lieber Abi!
Friedenspropaganda statt Kriegsspielzeug
Mit dem Winteraktionsabo bieten wir denen ein Einstiegsangebot, die genug haben von der Kriegspropaganda der Mainstreammedien und auf der Suche nach anderen Analysen und Hintergründen sind. Es eignet sich, um sich mit unserer marxistisch-orientierten Blattlinie vertraut zu machen und sich von der Qualität unserer journalistischen Arbeit zu überzeugen. Und mit einem Preis von 25 Euro ist es das ideale Präsent, um liebe Menschen im Umfeld mit 30 Tagen Friedenspropaganda zu beschenken.
links & bündig gegen rechte Bünde
Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.
Ähnliche:
wikimedia.org/Commons/public domain30.07.2016Hansi, dreh die Lampe aus
Regio:
Mehr aus: Feuilleton
-
Im Schlaraffenland
vom 08.12.2025 -
Bunker werden nicht helfen: Kriegführen mit Hannibal
vom 08.12.2025 -
Nachschlag: Alte Größe
vom 08.12.2025 -
Vorschlag
vom 08.12.2025 -
Veranstaltungen
vom 08.12.2025 -
Ein seltsames Paar
vom 08.12.2025 -
Einfach schön
vom 08.12.2025