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Aus: Ausgabe vom 08.12.2025, Seite 10 / Feuilleton
Blues

Wir nennen ihn Godfather

Abi Wallenstein zum 80. Geburtstag
Von Eileen Heerdegen
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Der Hut steht ihm gut: Der unermüdliche Abi Wallenstein

Blues – Dauergefühl einer 15jährigen. Blues – Soundtrack der Partys, die damals Feten hießen. Unendliche philosophische Diskussionen, billiger Alkohol und die Hoffnung, dass jemand, der älter ist, mich mit Mofa oder Moped (!) nachts nach Hause bringen kann.

Aus meinem Wiener Schlafzimmerfenster sehe ich auf ein kleines Lokal, in dem hin und wieder Musiker auftreten, manchmal »geschlossene Gesellschaften« vor der Tür rauchen und gelegentlich auch ohne Anlass Gäste erwartet werden. Doch meist ist es dunkel, und so hat es sich bisher nie ergeben, auf ein Achterl hineinzugehen. Ein Fingerzeig, dass mir doch einmal der unscheinbare Aushang auffällt? Aber zu spät, genau am Abend zuvor hatte Abi Wallenstein dort aufgespielt.

Abraham Wallenstein, als Kind deutscher Juden am 8. Dezember 1945 in Jerusalem geboren, seit den 60er Jahren in Hamburg, »Vater der Hamburger Blues-Szene« und »God­father des Blues in Deutschland«, die Rezensenten überschlagen sich mit Superlativen. Der Meister des Country-Blues, berühmt für Picking-Style und seine achtsaitige Delta-Blues-Slidegitarre, hat nicht nur mit der hanseatischen Blues-, Boogie- und Rock-Elite, wie Inga Rumpf, Vince Weber, Axel Zwingenberger und Joja Wendt gespielt, sondern auch als Supporting Act für Joe Cocker und Eric Burdon. Viele Preise und Auszeichnungen, Gewinner des German Blues Awards in den Jahren 2011 bis 2014, 2017 bis 2021 in den Kategorien Blues-Solist/-Vocalist bzw. Solo/Duo und 2022 für »Spirit of the Blues« als bestes Album.

Irgendwann zwischen Blues-Feten und Erwachsenwerden habe ich Abi kennengelernt, wie, wo, wann, weiß ich nicht mehr. Es gab gemeinsame politische Interessen und Freunde, ein liebenswerter Mensch, große Freude, ihm bei seinen öffentlichen Gratis­auftritten (Straßenmusik macht und liebt er bis heute) zuzuhören und zuzuwinken. Am 8. Dezember 2025 wird Abi 80 Jahre alt. Die üppigen Locken, die er sich mit Art Garfunkel und Bob Dylan geteilt hat (für einen allein wären’s zu viele gewesen), haben Platz gemacht für Kappen und Hüte. Das immer fröhliche Lächeln ist geblieben, die unnachahmliche Stimme anders, aber vielleicht noch authentischer geworden, Energie und Spielfreude sind ungebrochen. Zwischen Hamburg, Wien und Klein Kleckersdorf fast jeden zweiten Tag ein Auftritt. Also viel Gelegenheit, mal wieder feinsten Blues zu hören.

Herzlichen Glückwunsch und Mazeltov, lieber Abi!

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