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Aus: Ausgabe vom 06.12.2025, Seite 10 / Feuilleton
Eurovision Song Contest

ESC mit Israel

Spanien und drei andere Länder boykottieren den Gesangswettbewerb
Von Peter Merg
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Sie boykottiert doch schon: Proteste vor der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt RTÉ in Dublin (1.11.2025)

Es war die zu erwartende Eskalation: Weil Israel am Eurovision Song Contest 2026 (ESC) teilnehmen darf, haben mehrere Länder um Spanien und Irland erklärt, die Austragung zu boykottieren. Das berichtete die dpa am Donnerstag. Am selben Tag hatte die den Wettbewerb veranstaltende Europäische Rundfunkunion (EBU) auf ihrer Generalversammlung eine Regeländerung beschlossen, die allen Mitgliedern anzutreten erlaubt, die es wünschen. Das teilte die Union am Donnerstag abend mit. Zu einer weiteren Abstimmung über die Teilnahme kam es nicht. Der spanische Sender RTVE, die irische RTÉ, die niederländische Avrotros und das slowenische RTV erklärten daraufhin, keine Vertreter nach Wien zur 70. Austragung des Schlagerwettbewerbs (12. bis 16. Mai 2026) zu entsenden. Bereits zuvor hatten sie mit dem Schritt gedroht. Auch Belgien, Island, Schweden und Finnland erwägen, aus Protest nicht anzutreten. Bei der geheimen Abstimmung setzten sich jedoch die Unterstützer des israelischen Senders Kan durch, zu deren einflussreichsten die deutsche ARD zählt, bei welcher der SWR für den ESC federführend ist.

RTVE-Präsident José Pablo López sagte, die Entscheidung bestätige, dass der ESC kein Musikwettbewerb mehr sei, sondern ein von geopolitischen Interessen dominiertes Festival. Auch die irische RTÉ erklärte, anzutreten sei »angesichts des entsetzlichen Verlusts von Menschenleben in Gaza und der humanitären Krise dort« unzumutbar. Der niederländische Sender Avrotros teilte mit, dass »eine Teilnahme unter den gegenwärtigen Umständen mit den für uns wesentlichen öffentlichen Werten unvereinbar ist«.

Der Streit hatte die EBU seit Beginn des Gazakrieges beschäftigt. Bereits 2024 in Malmö kam es zu Protesten. Nachdem im Mai in Basel die israelische Sängerin Yuval Raphael, eine Überlebende des Massakers auf dem Nova-Festival am 7. Oktober 2023, beim 69. ESC aufgrund des Zuschauervotums den zweiten Platz geholt hatte, drangen die Mitgliedssender aus Spanien, Irland und anderen Ländern auf den Ausschluss. Sie verwiesen dabei auf die Präzedenzfälle Russland und Belarus, deren Anstalten von der EBU wegen des Ukraine-Krieges suspendiert wurden. Gerade das spanische Votum hatte Gewicht, da das Land zu den fünf größten Beitragszahlern der Rundfunkunion zählt. Der ESC ist nach Angaben der Rundfunkunion das weltweit größte Livemusikevent und entsprechend teuer.

Um mögliche Verzerrungen zu vermeiden, haben die Mitglieder am Donnerstag zugleich die Abstimmungs- und Werberichtlinien geändert. Die Publikumswertung via kostenpflichtiger Anrufe wird nun geringer gewichtet, dafür das Votum der Fachjury in den Halbfinals und im Finale gestärkt. Nach dem überraschend starken Abschneiden Raphaels waren Manipulationsvorwürfe erhoben worden, die die EBU zurückwies. Zudem werden regierungsnahe Werbekampagnen für ESC-Teilnehmer beschränkt, wie sie israelischerseits durchgeführt worden waren. Die vollständige Teilnehmerliste für den kommenden Wettbewerb soll vor Weihnachten bekanntgegeben werden.

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