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Aus: Ausgabe vom 05.12.2025, Seite 11 / Feuilleton
Stand der Dinge

Friedensangst

Geraune
Von Stefan Heidenreich
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Von der Schulbank auf das Straßenland: Jugendliche Mobilisierung für einen organisierten Antimilitarismus

Endlich unternimmt jemand etwas, um die jungen Menschen aus ihrer politischen Apathie wachzurütteln. Wenn sie erst auf einem Fragebogen Angaben zur Tauglichkeit machen müssen, dürfte auch den Letzten dämmern, dass sie bald ihre Haut zur Front tragen sollen. »Skin in the Game«, wie der Risikoforscher Nassim Taleb schreibt, die ultimative Motivation.

Fast könnte man meinen, ein »Ruck« ginge durch das Land. Für die wahrhaft heroische Initiative sei der hierzulande beliebteste Politiker und Amtskollege des US-Kriegsministers für den nächsten zu vergebenden großen Friedenspreis ganz offiziell vorgeschlagen. Sein umfassendes Re-Politisierungsprogramm trägt schon die ersten Früchte. Auf den Schulhöfen der Republik kommt das gute alte THC wieder in Mode. Denn kaum etwas mindert die Tauglichkeit so gut wie Möhrchen. Auch die einst der Klimakatastrophe wegen begonnenen Schulstreiks werden wieder aufgenommen. Sie richten sich nun gegen die Wehrpflicht. Im Gegensatz zu den damals allseits begrüßten Aktionen hört nun der Spaß auf. Mit aller Härte wird man gegen die Jugend vorgehen. Wie bereits bei den Protesten gegen den Völkermord eingeübt. Vor knapp 100 Jahren war man wesentlich schlauer. Damals wurde die Jugend noch mit lustigen Fackelumzügen und Sonnwendbesäufnissen kriegstrunken gemacht.

In Zeiten sozialer Medien wird ein ordentlicher Knüppeleinsatz mit Tränengas sehr wirkungsvoll ankommen. Haltet durch! Zieht euch warm an! Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt ist scharfe Brise aus dem Wertewesten angesagt.

Themenverwandt bietet der zum Schutz mündiger Bürger hierzulande verbotene Feindsender eine sehenswerte Zusammenstellung aktueller Hassreden an. Es geht dabei um nichts weniger als um die Verteidigung der Demokratie, wofür bekanntermaßen Parteiverbote oder das Verhindern akkurater Nachzählungen dringend gebotene Mittel sind. Schon krass, was auf dem letzten Grünen-Parteitag in puncto Hate Speech geboten wurde. Wer den Hofreiter-Nachwuchspreis letztlich gewonnen hat, wurde nicht verkündet, aber Kandidat:innen gab es reichlich.

Unterdessen haben in Moskau die Gespräche zwischen einem Trump-Kumpel der lokalen Immobilienszene, seinem Schwiegersohn und offiziellen Vertretern Russlands begonnen. Die Mafia des Westens schickt ihre Unterhändler, um Claims abzustecken und Deals zu machen. Vertreter der permanenten Verwaltung oder des tiefen Staates saßen nicht mit am Tisch. Das ist recht bemerkenswert. Denn es wirft die Frage auf, wer denn nun in Washington noch mit wem und für wen spricht. Und wer ist mit der Aufgabe betraut, die nach wie vor nahezu 100 Prozent kriegsbesoffenen Eurokraten zu »handeln«? Wo ist ihr Führungsoffizier? Hat er schon rübergemacht? Wo liegt es, das neue »Rüber«-Land?

Auf die voreilige Frage: »Glauben Sie, dass wir nach den Gesprächen näher beieinander oder weiter voneinander entfernt sind?« meinte Juri Uschakow laut Kremlin.ru: »Weiter voneinander entfernt sind wir jedenfalls nicht, das steht fest.« In den Eurasien westlich abschließenden Tälern der Ahnungslosen verfolgt man diese Gespräche mit Sorge. Schließlich stehen die hiesigen Eliten vor der heiklen Aufgabe, mit ihrem heruntergerockten Schrottkahn eine Kehrtwende hinzulegen, ohne den Eisberg zu rammen und ohne dass es die Gäste an Deck mitbekommen.

Aus dem dichten Nebel über der von Bullenscheiße gefluteten Informationsniederung ragen nur noch wenige Inseln hervor, auf denen einsam Lichter der Wahrheit leuchten. Eine davon ist die Börse. Selbst wenn es nur das Flackerlicht der in Horden umherirrenden Marktteilnehmer ist – immerhin haben sie für ihr Handeln geradezustehen. Bis auf die ganz großen, die am Ende dank des Genius-Acts gerettet werden. Auf dieser Insel ging am Montag noch die »Friedensangst« um, wie das örtliche Amtsblatt von Börse-Go absolut wortgewandt und treffend titelte. Wie die Erholung der einschlägigen Kurse zeigt, haben sich seitdem die Befürchtungen, es könnte zeitnah zum Ende der Kampfhandlungen kommen, wieder etwas gelegt.

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