Alte Bekannte
Von André Dahlmeyer
Einen wunderschönen guten Morgen! Der Club Cerro Porteño aus dem Barrio Obrero von Asunción hat am letzten Spieltag des Torneo Clausura mit einem 2:0-Auswärtssieg im Stadion »Verteidiger des Chaco« gegen Atlético Tembetary zum fünfunddreißigsten Mal die Meisterschaft Paraguays gewonnen. Die Gastgeber aus dem Barrio Villa Elisa der Hauptstadt waren als Tabellenletzter bereits vor dem Spiel abgestiegen. Es war deren erste Saison in der Primera División seit 27 Jahren. Zwischenzeitlich waren die Rot-Grünen bis in die Viertklassigkeit abgerutscht, aus der sie sich erst 2018 befreien konnten.
Der letzte Spieltag war ein Fernduell zwischen Cerro Porteño und Club Guaraní. Der Gastgeber aus dem Barrio Pinozá Asunción empfing in Capiatá Sportivo Luqueño (trainiert vom Ex-Dortmunder Lucas Barrios) und gewann das Match in der fünften Minute der Nachspielzeit durch einen Handpenal von Diego Fernández (flach und mittig) mit 2:1.
Cerro Porteño hatte sein Match noch in der ersten Halbzeit entschieden. Der eingebürgerte Argentinier Juan Iturbe sowie Jorge Morel hatten für den Ciclón getroffen, der vier der letzten fünf Spiele gewann und seit Mitte September nicht mehr verloren hat. Im Clausura verlor Cerro lediglich zweimal und hatte am Ende einen mickrigen Punkt mehr auf dem Konto als Guaraní (elf Titel). Beide Spiele fanden in subtropischem Monsunregen statt. Für den Ciclón endete eine Titeldürre von vier Jahren. Die letzten sieben Meisterschaften hatten Libertad (fünf; insgesamt 26) und Erzrivale Olimpia (zwei) eingetütet. Trainer von Cerro Porteño ist seit zwei Monaten der Uruguayo Jorge Bava, der Diego Martínez (Ex-Boca-Juniors) ablöste. Unter der Fuchtel von Bava gewann der Ciclón fünfmal bei drei Remis, schied jedoch auch bereits in den Viertelfinals der Copa Paraguay nach Elferballern gegen General Caballero JLM aus, für die Fans ein Skandal. Für Bava ist das nun der zweite Titel dieses Jahres, nachdem er im ersten Semester mit Independiente Santa Fe aus Bogotá das Torneo Apertura des kolumbianischen Balltretens gewonnen hatte.
Ein Balltretaxiom ist, dass es in diesem Ambiente immer eine Revanche gibt. Am Sonnabend kickt Cerro Porteño also um die Supercopa Paraguays gegen General Caballero, erst seit 2022 Erstligist. Das Team aus Dr. Juan León Mallorquín (Alto Paraná) hat vor zwei Wochen den paraguayischen Pokal gewonnen, der erste Titel überhaupt in der noch jungen 63jährigen Vereinsgeschichte. Da war es jedoch schon wieder abgestiegen. Damit fällt die Qualifikation für die kommende Libertadores aufgrund des Pokalgewinns weg (der Vizecampeón 2 de Mayo rückt nach). Als Almosen dürfen die Kicker noch um die Supercopa kicken. Kenner dieser formidablen Kolumne wissen, dass ich seit zwanzig Jahren Fanatiker von Cerro Porteño bin, aber am Sonnabend halte ich für ein Spiel für den Gegner. Wir brauchen den Titel nicht, für die anderen Jungs des »Generals des Ostens« ist er fundamental. Hugh.
Bei den Uruguayanern krönte sich der Tricolor, Nacional Montevideo, der Intellektuellenklub, nach zwei Finals gegen den Erzrivalen Peñarol zum fünfzigsten Mal als Meister der Charrúas. Im Hinkampf hatte Peñarol einen 0:2-Rückstand noch ausgeglichen (und in Unterzahl über die Zeit gebracht), am Sonntag, auswärts im Gran Parque Central, gelang dem Nigerianer Christian Ebere in Minute 114 der einzige Treffer an den kurzen Innenpfosten. Der Wahnsinn war etwas gesitteter als in Asunción, aber in Europa sieht man so etwas niemals (außer vielleicht in Zagreb). Schreiende Herzen auf den Tribünen.
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vom 03.12.2025