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Aus: Ausgabe vom 03.12.2025, Seite 1 / Ansichten

Kurvenschutz für Fans

Konferenz der Innenminister
Von Oliver Rast
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Stadionprotest: Kollektives Statement der aktiven Anhängerschaft der Werkself (Leverkusen, 29.11.2025)

Sie ist die größte Jugendbewegung hierzulande: die aktive Fanszene. Und sie hat Hochsaison. Zehntausende demonstrieren in den Kurven für ihren Klub – mit Leib und Seele. Spieltag für Spieltag. Ein dynamisches Massenphänomen in den Stadien. Mehr noch: Ultras sind längst ein politischer Faktor. Organisiert, konfliktinteressiert – und widerstandsbereit. Vereint aktiv über Vereinsgrenzen hinweg. Anlassbezogen, jedenfalls.

Und den aktuellen Anlass liefert die dreitägige Innenministerkonferenz (IMK) in Bremen ab diesem Mittwoch. Das Thema »Fußballfans und Stadionsicherheit« steht ganz oben auf der Agenda. Eigens dafür haben die Ressortchefs eine »Bund-Länder-offene-Arbeitsgruppe (BLoAG)« installiert. Kein ständiges Gremium, sondern ein »flexibles Instrument« der IMK hinter den Kulissen. Bestens geeignet für Planspiele – etwa für die Einführung personalisierter Tickets, KI-gesteuerter Gesichtserkennung, zentral verhängter Stadionverbote. Alles auf Verdacht, alles für den Generalverdacht. Und alles Verschlusssache, kritisiert der Dachverband der Fanhilfen.

Richtig – und richtigerweise kritisieren Fanhelfer die Gefahr einer Überwachungsgesellschaft im weiten Rund, die pauschale Kriminalisierung engagierter Anhänger des unmodernen Fußballsports – sprich: Sie kritisieren die Einschränkung der lebendigen Fankultur.

Und wie vital die ist, zeigt der jüngste Aktivismus: Straßendemos, Stimmungsboykotte, Banneraktionen samt pyronaler Choreographien. Kollektive Statements sind das. Die Botschaft: Wir sind unkontrollierbar, und wir bleiben es. Eine Mobilisierungskraft, die wirkt. Denn offenbar will laut Bild online die IMK von besagten Planspielen (vorerst) ablassen.

Eine Entwarnung ist das nicht – denn: Arenen sind Experimentierfeld, Probebühne und Aufmarschort für krawallige Verbandsfunktionäre, innenpolitische Hardliner und Gefährder in Uniform. Ein Trio infernale, das Stadionbesuche unsicher macht.

Sicher hingegen ist: Wir, die junge Welt, sind der publizistische Flankenschutz für die rebellischen Kurven. Für das Aktiv am Spielfeldrand.

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  • Leserbrief von Mitter Albert aus Gmunden (2. Dezember 2025 um 20:54 Uhr)
    Ihr ignoriert die Gewaltbereitschaft und vielfach Ausübung von Gewalt vieler dieser Fans, die die populärste Sportart der Welt, die die Massen begeistert wie kein anderer Sport, als Bühne genau dafür missbrauchen. Das beginnt damit, dass sie mit der Pyrotechnik immer wieder wirkliche Fußballfans verletzen, mitunter auch Spieler und Schiedsrichter, zumindest aber damit den anderen Zuschauern für längere Zeit die Sicht auf das Spielfeld verstellen. Das setzt sich in immer wieder vorkommenden Platzstürmen dieser Fans fort, wenn ihnen das Resultat des Spieles nicht passt. Dabei werden Spieler und/oder die Schiedsrichter regelrecht über das Feld gejagt, eine menschenverachtende Hatz, die Kabinen belagert. Sie bombardieren mit Gegenständen die »anderen«, das ist alles andere als eine linke Einstellung. Nicht zufällig sind die Fangruppen vieler Vereine in vielen Ländern rechtsextrem. Mit Hitlergrüßen, grölenden Drohgesängen gegen den »Gegner«, faschistischen, rassistischen Sprüchen gegen die Vereine und Verbände scheinbar machtlost sind. Und wisst ihr nicht, dass in der Ukraine die Fanszene zu den aktivsten Anhängern des faschistoiden Regimes in Kiew zählen? Es waren »Fußballfans«, die den ungesühnten Massenmord an den Antifaschisten in Odessa verübten? Einig sind dies Fangruppen nur gegen alles, was ihrer straflosen Gewaltausübung im Weg stehen könnte. Mit Recht wendet ihr euch gegen pauschale Verurteilungen. Aber genau um die zu verhindern, ist es notwendig, Gewalttäter zu identifizieren. Was passt euch nicht an einer Gesichtserkennung? Wieso soll jemand, der andere Zuschauer oder Spieler, Schiedsrichter verletzt, nicht dafür zur Rechenschaft gezogen werden können? Sollen die Stadien ein rechtsfreier Raum werden, in dem man ungestraft Gewalt gegen Menschen ausüben kann? Warum sollen Gewalttäter wirklichen Fußballfans die Unterhaltung im Stadion verderben, sie daraus gar vertreiben können? Habe selbst Gewalt im Stadion erlebt.

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