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Von Reinhard Lauterbach
Das öffentliche Gerede über den Anschlag auf die Ostseepipeline Nord Stream im September 2022 hat eine Konstante: Es dürfen keine der offiziellen BRD nahestehenden Staaten belastet werden. Nicht die Ukraine, geschweige denn gar die USA oder andere »NATO-Verbündete«. Am Wochenende zog dafür die Sonntags-FAZ (FAS) den ältesten Hut hervor, der schon im Herbst 2022 kurz gelüftet wurde, dann aber doch wieder in die Requisite zurückkam: Russland habe seine milliardenbringende Pipeline selbst in die Luft gesprengt.
Die Zeugenliste der FAS ist beeindruckend: lauter übliche Verdächtige wie der CDU-Scharfmacher Roderich Kiesewetter und der Grüne Konstantin von Notz. Außerdem ein dänischer Exgeheimdienstler, also jemand aus einem Land, das die Ermittlungen mit beeindruckender Schnelligkeit bereits nach wenigen Monaten beendete, sich aber weigerte, der Bundesanwaltschaft Ermittlungsergebnisse zur Verfügung zu stellen. Teilweise wurden sogar ernsthafte Einwände aufgegriffen, die auch in dieser Zeitung seinerzeit gegen die These von der ukrainischen Urheberschaft vorgebracht worden sind: Was sind das für Attentäter, die im Tatfahrzeug Sprengstoffspuren hinterlassen?
Stimmt ja sogar, aber es dient nur dazu, die immerselbe Sau durchs Dorf zu treiben: Russland, wen sonst. Das habe sich, so suggeriert der Aufmacher der FAS, milliardenschweren Schadenersatzforderungen deutscher Abnehmer russischen Gases ausgesetzt gesehen und habe diesen mit Hilfe von »höherer Gewalt« einen Riegel vorschieben wollen. Nur, dass sich diese Schadenersatzforderungen auf Lieferausfälle vor der Zerstörung der Pipelines bezogen und daher auch durch ein später eingetretenes Ereignis wie deren Sprengung nicht vom Tisch geschafft werden können. War es im übrigen nicht die FAZ selbst, die, sogar in einem Beitrag desselben Autors Konrad Schuller, erst im November 2024 durch ein Exklusivinterview mit einem in Hausarrest sitzenden ukrainischen Geheimdienstler namens Roman Tscherwinskij, die These von der ukrainischen Urheberschaft untermauert hatte? Nach Lage der Dinge vermutlich, um von der Hypothese des US-Journalisten Seymour Hersh von der amerikanischen Urheberschaft des Anschlags abzulenken. Selten wurde deutlicher, dass Schuller höchstwahrscheinlich Auftragsarbeiten abliefert.
Genau an die Hersh-These knüpfen jetzt laut Welt übrigens amüsanterweise die Verteidigerinnen des in Italien inhaftierten und inzwischen in Deutschland einsitzenden Sergij K. an: Die Ukrainer hätten auf Anweisung der CIA und mit deren logistischer Vorbereitung gehandelt und seien daher von den USA vorgeschoben worden. Polen hielt die ukrainische Spur dagegen offenbar für hinreichend plausibel, um einen bei Warschau ausgemachten weiteren mutmaßlichen ukrainischen Attentäter im Oktober nicht an die BRD auszuliefern. Und denen soll man noch ein Wort glauben?
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