Für ein »siegfähiges« Heer
Von Max Ongsiek
Der Förderkreis Deutsches Heer (FKH) hatte zum sogenannten Parlamentarischen Abend geladen, im hochherrschaftlichen Kaisersaal des ehemaligen Reichstagspräsidentenpalais in Berlin. Vor dem ausgesuchten Publikum sprach am Dienstag abend Heeresinspekteur Christian Freuding. Der Generalleutnant erklärte, wie er die Teilstreitkraft in Anbetracht des Kriegs in der Ukraine »siegfähig« aufzustellen gedenke. Dazu formulierte Freuding sechs »Leitprinzipien der Heeresbeschaffung« und sprach von Plänen der Bundeswehr, in den kommenden Jahren sechs Einheiten mit Angriffsdrohnen aufzustellen, wie dpa und das zum militärnahen CPM-Verlag gehörende Portal Defence Network am Mittwoch berichteten.
Demnach laufen in der Bundeswehr derzeit Erprobungen von Drohnensystemen, die als »Loitering Munition« – etwa »herumlungernde Munition« – bezeichnet werden. Freuding kündigte zudem an, bis 2029 solle eine Batterie – in der Größe einer Kompanie aus 60 bis 150 Soldaten entsprechend – mit neuen, weitreichenden Waffensystemen (»Ground Based Deep Precision Strike«) aufgestellt werden. »Wir haben Testungen begonnen, im fairen Wettbewerb, und wollen bis 2027 die erste Batterie mittlerer Reichweite einsatzbereit machen; bis 2029 fünf weitere«, sagte Freuding laut dpa.
Wie Defence Network berichtete, ist das erste Leitprinzip die »essentiell« bleibende »Hochtechnologie«, die aber nur »kriegstauglich« sei, wenn »robust, in großer Stückzahl verfügbar« und »schnell ersetzbar«. Waffensysteme sollen mit den Soldaten gemeinsam entwickelt werden, um aus »Nutzersicht zuverlässige und intuitive Systeme« schaffen zu können, lautet Freudings zweites Leitprinzip. Außerdem wolle der Generalleutnant eine »offene, standardisierte Architektur« alter wie neuer Waffensysteme umgesetzt wissen – bei bereits vorhandenem Gerät müsse stärker auf »Schnittstellenoffenheit« geachtet werden.
Viertens verlangte Freuding von der Rüstungsindustrie offenbar »absolute Verlässlichkeit bei Zeit- und Qualitätszusagen«, da Verzögerungen wie zum Beispiel bei der Auslieferung von Software für die Bundeswehr keine »marktübliche Projektstörung« darstellten, sondern verminderte Einsatzfähigkeit. Fünftes Leitprinzip sei die »schnelle Schließung« von »Fähigkeitslücken«, »notfalls« durch den Kauf bewährter ausländischer Systeme – auch aus der Ukraine. »Wir haben keine Zeit«, wird Freuding zitiert. »Der Feind wartet nicht auf unsere Fertigmeldung.« Seine sechste Forderung: ein neues ökonomisches Denken in Masse, Skalierbarkeit und belastbaren Lieferketten als Kern zukünftiger Beschaffungen.
Der Förderkreis, der den General eingeladen hatte, will laut Eigendarstellung die militärfreundlichen relevanten Kräfte der BRD »aus Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Bundeswehr zusammenführen«. Der derzeitige Präsident ist Generalmajor a. D. Wolfgang Köpke, zu den Vizepräsidenten gehören der SPD-Politiker Joe Weingarten sowie Ralf Ketzel, Deutschland-Chef des Rüstungskonzerns KNDS, früher Krauss-Maffei Wegmann.
Freuding gab sich während seiner Ausführungen als echter Feldherr. Schließlich habe er mit Blick auf die Einsatzbereitschaft und Bedrohungen durch Russland den Auftrag erteilt zu untersuchen, was die Bundeswehr im Zeitraum bis 2029 könne und was der Feind könne. Daraus sollten weitere Schlüsse für die Verteidigungsplanung gezogen werden. »Ich erwarte Ergebnisse nach dem Jahreswechsel«, sagte Freuding laut dpa.
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