Federleichte Siege
Von André Dahlmeyer
Einen wunderschönen guten Morgen! Österreich ist im Fußballhimmel. Nachdem das ÖFB-Team von Ralf Rangnick sich vergangene Woche im Wiener Ernst-Happel-Stadion durch ein 1:1 gegen Bosnien-Herzegowina erstmals seit 1998 wieder für eine WM-Endrunde qualifiziert hat, stürmte am Montag der Nachwuchs der Ösis bei der zwanzigsten U17-WM in Katar durch ein 2:0 im Halbfinale beim Nachbarschaftsduell gegen Italien (beide Treffer erzielte Johannes Moser nach dem Wechsel) in das am 27. November stattfindende Finale. Dort warten auf die Elf von Teamchef Hermann Stadler im Khalifa International Stadium die Portugiesen, die in einem lusophonen Duell Brasilien nach Elfmetertreten eliminierten. Noch nie hatte es eine österreichische Nachwuchsauswahl in ein WM-Finale geschafft. Beste Performance war bis dato das Halbfinale der U20 bei der WM 2007 in Kanada (die an Argentinien ging). Damals scheiterten die Ösi-Boyz mit 0:2 an Tschechien. Die letzte Endspielteilnahme bei einem Großturnier für den ÖFB war 1997 die U16-EM. Das Finale gewann Spanien nach Elfmetertreten.
Mittelfeldspieler Johannes Moser ist beim FC Liefering (zweite Liga Österreichs) angestellt. Gegen Italien gelangen ihm schon die Turniertore sieben und acht, er führt die WM-Schützenliste nun alleine an, vor Anísio Cabral (Portugal, 6).
Während Brasilien also ungeschlagen das Finale verpasste, hat der ÖFB-Nachwuchs als einziges Team alle Spiele des Wettbewerbs gewonnen. In der Gruppenphase besiegten Moser und Co. Saudi-Arabien (1:0), Mali (3:0) und Neuseeland (4:1) kassierten nur einen Gegentreffer. Seitdem steht hinten wieder die Null: Tunesien (2:0), England (4:0), Japan (1:0) und nun Italien. Bemerkenswert: Alle Matches wurden federleicht in der regulären Spielzeit gewonnen. Einzige Strategie Portugals kann morgen sein, ein 0:0 zu ermauern und sich in die Lotterie vom Punkt zu retten. Unwahrscheinlich, dass sich Österreich nicht krönen wird. Titelverteidiger Deutschland war bereits im Sechzehntelfinale sang- und klanglos durch ein 0:1 gegen Fußballschwergewicht Burkina Faso ausgeschieden.
In Argentinien geht die Meisterschaft in die heiße Phase. San Martín de San Juan und Godoy Cruz (Mendoza) stiegen in die Primera Nacional, die zweite Liga der Silberländer, ab. Beide aus der Region Cuyo vom Fuße der Anden. Kaum war die Gruppenphase (zwei 15er Zonen, ohne Rückspiele) beendet, eskalierte mal wieder die AFA, der Balltretverband der Gauchesken, mit einem neuen Skandal. Die Achtelfinals hatten noch nicht begonnen, da erklärten diese Wirrköpfe kurzerhand Rosario Central zum neuen argentinischen Meister. Wie das? Weil sie die Jahreswertung anführen! Ein Titel, sozusagen außer der Reihe, nicht auf dem Platz oder nach dem Regelwerk gewonnen, sondern auf dem mürben Mobiliar der AFA-Funktionäre. Ein vollwertiger Stern für die neuen Leibchen, Merchandising für Arme.
Am Sonntag empfing Central Estudiantes La Plata zum Achtelfinale im Stadion »Gigant des Bächleins«. Die Gästekicker sollten mit fremden Kindern an der Hand Spalier stehen für den »neuen Meister«, der sich vom eigenen Publikum abfeiern ließ. Doch als Ángel Di María und seine Freunde auf den Rasen liefen, da drehten sich die Kicker des »Pincha« alle um (die Kinder nicht, sie glotzten wie Autos). Central verlor das Spiel dann gegen das ersatzgeschwächte Estudiantes mit 0:1. Wer nicht vom Weg abkommt, bleibt auf der Strecke. Die AFA ließ verlautbaren, dass Estudiantes LP nun die Disziplinarkommission des Fastverbands droht. Böööse.
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