Auf zu neuen Abenteuern
Von Hagen Bonn
Das Jubiläumsjahr der traditionsreichen Comiczeitschrift Mosaik – 70 Jahre Heft, 50 Jahre Abrafaxe – erreicht aktuell mit der Nr. 600, »Die Stadt der Geheimnisse«, seinen Höhepunkt und eröffnet gleichzeitig einen weiteren Abenteuerzyklus der drei Freunde Abrax, Brabax und Califax.
Die Helden hatten Jahrzehnte Zeit, sich durch die spannendsten Epochen der Weltgeschichte zu bewegen. Gleich, wo sie sich einfanden, im antiken Rom, bei der »Entdeckung« Amerikas, im legendären Goldland Eldorado oder beim Sonnenkönig Louis XIV – das Abenteuer wartete bereits ungeduldig auf die Ankunft unserer koboldähnlichen Entdecker.
Autoren und Zeichnern gelang es, ein Level zu halten, das einerseits um historische Stimmigkeit bemüht war, andererseits den Spaßfaktor souverän im Auge behielt. Was die Leserschaft anbelangt, war und ist die Zeitschrift demographisch breit aufgestellt: Von Spielplatzbanden bis zu Seniorenkameradschaften findet sich alles fröhlich vereint. Die Comicreihe sollte unbedingt Teil des immateriellen Kulturerbes werden. Abwarten.
Als Gegenprobe drei nahezu beliebig ausgewählte Helden: Superman, Batman, Spiderman. Alle sind bereits mehrfach gestorben. Zweifelhafte Figuren sind sie auch in anderer Hinsicht: Alien, Milliardär, Opfer der Gentechnik. Da lesen wir doch lieber ein Mosaik-Heftchen. Und stellen uns spontan ein neues Abenteuer der Abrafaxe vor: »Wir schreiben das Jahr 1600. Seit einigen Jahren ist die böhmische Hauptstadt Prag Residenzstadt des Kaisers Rudolph II. Hoch über der Moldau lebt er …« Dazu denken wir uns eine beeindruckende Kulisse allerlei live zu erlebender historischer Persönlichkeiten.
Erraten, so startet der jüngste Abenteuerzyklus unserer Helden. Aber oh! und weh! Wer glotzt mich da aus dem Panel an? Ist das Goethes Mephisto? Nein, ein anderer Teufel, Don Ferrando sein Name. Der treibt sich also auch in der »Stadt der Geheimnisse« herum. Da wir schon dabei sind, sollten wir die Geheimnisse auch gleich lüften? Lieber nicht. Sind ja Geheimnisse. Nur soviel: Superman und Co. spielen nicht mit. Superman wurde als Drohne verhaftet, Batman sitzt als Bruce Wayne betrunken an der Bar des Waldorf-Astoria (NY), Spiderman muss Pizza ausfahren. Ist schon hart, so ein Superheldenleben.
Dann lieber nach Prag, wo »sich Diplomaten, Glücksritter, Wissenschaftler und Künstler« auf den Straßen drängen, wo im jüdischen Viertel der legendäre Rabbi Löw »an unaussprechlichen Geheimnissen« forscht und wo ein gewisser Johannes Kepler … ach, da ist ja auch der Herr Wallenstein, also der Albrecht. War der nicht Generalissimus bei Schiller in Weimar?
Mosaik 600: »Die Stadt der Geheimnisse«. Verlag Steinchen für Steinchen, Berlin 2025, 52 Seiten, 3,65 Euro
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