Thürk, Meyer, Teege, Anderson
Von Jegor Jublimov
Bleibende körperliche Schäden zog sich Harry Thürk nicht zu, als der Schlesier mit 17 Jahren zur deutschen Wehrmacht einberufen wurde und bei den Fallschirmjägern kämpfen musste. Auch nicht, als er am Kriegsende vor sowjetischen Truppen floh. Sondern als Kriegsberichterstatter in Vietnam, wo er dem gefährlichen Herbizid »Agent Orange« ausgesetzt wurde, das die US-Amerikaner einsetzten. Die Folgen fesselten Thürk Jahre später ans Bett. Am Montag vor 20 Jahren starb er 78jährig in seiner Wahlheimat Weimar. Er war einer der produktivsten Autoren auf dem Gebiet des Politkrimis mit einer Auflage von über drei Millionen Büchern. Da er ab 1952 viele Reisen nach Südostasien unternehmen konnte, den Korea- wie den Vietnamkrieg miterlebte und in China als Korrespondent arbeitete, siedelte er seine Romane oft dort an. Aber auch die Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg arbeitete er auf. Viele seiner Stoffe wurden verfilmt. Der Kundschafterfilm »For Eyes Only (Streng geheim)« von 1964 mit Alfred Müller wurde ein Klassiker. Auch nach 1990 publizierte Thürk weiter und analysierte die oft als Fortschritt getarnten Veränderungen, die der Kapitalismus den bisherigen DDR-Bürgern brachte.
Am Montag standen Squaw Tschapajews, eine Hexe, ein Riese, das Rumpelstilzchen, Kai aus der Kiste, Familie Trotzki, Sherlock Holmes und sogar die Brüder Skladanowsky Schlange, um Günter Meyer zum 85. Geburtstag zu gratulieren. Zumindest, wenn man etwas kindliche Phantasie besitzt. Der in der Nähe der erzgebirgischen Greifensteine aufgewachsene Regisseur verschrieb sich zuerst dem Dokumentarfilm, für den er Alltagsthemen kindgemäß aufarbeitete. Daneben inszenierte er aber vor allem in der Reihe der »Spuk«-Geschichten (beginnend 1979 mit »Spuk unterm Riesenrad«) für Fernsehen und Kino phantasievolle Filme, die bis heute Kinder und Erwachsene gleichermaßen ansprechen.
In zwei ironisch-phantastischen Filmen trat Joachim Teege 1967 auf. In der britischen Produktion »Tolldreiste Kerle in rasselnden Raketen« wurde er auf den Mond geschossen, und in »Herrliche Zeiten im Spessart« ersetzte er Curt Bois (aus dem »Spukschloß«) als Gespenst Hugo, das, aus dem All kommend, Vergangenheit und Zukunft erkundet. Teege wurde am Sonntag vor 100 Jahren in Spremberg geboren und starb schon 1969 wenige Tage vor seinem 44. Geburtstag. Das Germanistikstudium hatte er abgebrochen, in der Kriegsgefangenschaft fand er zum Radio. Teege ging zu Westberliner Sendern, nahm Schauspielunterricht. Wolfgang Staudte holte ihn zur Defa. Hier war seine schönste Rolle die des Junkers Spärlich in »Die lustigen Weiber von Windsor« (1950). Für zwei Jahre spielte Teege bei Brecht am Berliner Ensemble, danach nur noch im Westen, wo er zu den Gründern des Kabaretts »Die Stachelschweine« gehörte. Der schmächtige, aber hochaufgeschossene Schauspieler übernahm oft Rollen liebenswerter Sonderlinge, u. a. in Stücken von Shakespeare und Gogol, beim Film in Adaptionen von Thomas Mann, Curt Goetz oder Edgar Wallace.
In der New Yorker Bronx wurde dem jüdischen Ehepaar Handelsmann am 30. November 1915 eine kleine Edith geboren, die sich später Anderson nannte. Als Lehrerin trat sie in die CPUSA ein, schrieb für die linke Zeitung Daily Worker und lernte den deutschen Antifaschisten Max Schröder kennen, mit dem sie nach dem Krieg nach Berlin zog, wo er Cheflektor des Aufbau-Verlages war. Edith Anderson, die 1999 in Berlin starb, schrieb zahlreiche Bücher, auch für Kinder. Der Aufbau-Verlag hat sie im vergangenen Jahr wiederentdeckt und zwei ihrer Bücher in der Reihe »Die Andere Bibliothek« herausgegeben.
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