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Aus: Ausgabe vom 24.11.2025, Seite 10 / Feuilleton
Wertschätzung

Preiswert oder nicht

Von Marc Hieronimus
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Der Preis der Sanktionen heißt: Tote Kinder

Alles hat seinen Preis. Die Frage ist, wer ihn zahlt. Als Madeleine Albright 1996 gefragt wurde, ob die US-Sanktionen gegen den Irak den Preis von über 500.000 toten Kindern wert seien, sagte sie ja, der Preis sei es wert. Dafür entschuldigte sie sich später. Nicht für die Sanktionen oder die toten Kinder, versteht sich, sondern für die dumme, unmissverständliche Äußerung. »Auch ich stehe heute auf ihren Schultern«, xte die hiesige Bundeswerteministerin anlässlich ihres (d. h. Albrights) Hinscheidens.

Nun gibt es im Deutschen Preise, die zu zahlen sind – wie hoch und von wem auch immer –, und solche, die man bekommen kann. Der erste (engl. price) ist heute, da wir alle zu Rechenmenschen (homines oeconomici) degradiert sind, der häufigere. Überall fragen wir nach dem Preisleistungsverhältnis, außer beim mit Abstand größten, dem Kriegsgeschäft. Der andere zu gewinnende Preis (engl. prize) bedeutet Belohnung und ist heute doch auch eng mit Gemetzel verbunden, denn welcher ist größer und edler als der nach einem Kriegsgewinnler benannte Nobelpreis? Alfred N. stiftete ihn keineswegs aus schlechtem Gewissen, wie er Bertha von Suttner schrieb: »Vielleicht werden meine Fabriken die Kriege schneller beenden als deine Friedenskongresse, denn wenn sich zwei gleich starke Armeen gegenseitig in einer Sekunde vernichten können, werden alle zivilisierten Nationen davor zurückschrecken und ihre Truppen auflösen.« Genau, »vielleicht«.

Henry Kissinger bekam den Nobelpreis nach Vietnam, Laos, Kambodscha und Chile. An diesem Tag wurde politische Satire überflüssig, sagte der amerikanische Satiriker Tom Lehrer und verstummte. Und weil es keine Gerechtigkeit gibt oder sie göttlich und damit »unerfindlich« ist, durfte Kissinger nach einem langen friedvollen Leben friedlich in seinem Bett entschlafen, statt zumindest von Gewissensbissen geplagt und an eine Gefängnispritsche gekettet. Gepriesen sei, wer dereinst Krieg und Kommerz ein Ende setzt – denn der Friede ist mit Geld nicht aufzuwiegen.

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