Geopolitik mit Kampfflugzeugen
Von Lars Lange
Erhält Indien die Su-57, den modernsten Kampfflieger, den Russland je gebaut hat? Kurz vor dem Besuch des russischen Präsidenten Wladimir Putin in Neu-Delhi im Dezember verdichten sich die Hinweise auf ein Angebot, das für das weltweite Rüstungsgeschäft außergewöhnlich wäre. Moskau signalisiert, Indien nicht nur die Exportversion zu liefern, sondern tiefen Einblick in zentrale Technologien zu gewähren – vom Triebwerk über Sensorik bis zu Tarnmaterialien.
Parallel treibt Indien sein eigenes Tarnkappenprojekt voran. Das AMCA-Programm, um das derzeit sieben Industriekonsortien konkurrieren, soll bis 2035 einen ersten vollständig in Indien entwickelten Flieger dieser Art hervorbringen. Doch bei Schlüsseltechnologien wie Triebwerken, Avionik und Beschichtung bleibt das Land auf ausländische Unterstützung angewiesen. Hier könnte die Su-57 ansetzen. Sie wäre nicht nur ein Übergangsmuster, sondern ein Technologieanker für das AMCA-Projekt. Indische Firmen wie HAL, die bereits Su-30 in Lizenz bauen, könnten russische Komponenten in ihre Konsortien einbringen. Indien wäre damit der erste Staat, der mehr als eine Exportversion von Russland erhält: Zugang zu Elementen eines vollwertigen Jets der fünften Generation, nutzbar auch für ein eigenes Flugzeugprogramm. Für Neu-Delhi wäre es ein Sprung in Richtung technologische Souveränität, für Moskau ein Signal, dass man bereit ist, High-End-Technologie aus geopolitischen Gründen zu teilen.
Deutschland steht dagegen bei der Einführung der Tarnkappen-Mehrzweckkampfflugzeuge F-35 aus US-amerikanischer Produktion vor einem grundsätzlichen Problem: Der Jet bleibt technologisch in US-Hand. Zentrale Software, Diagnosesysteme und Kommunikationswege liegen auf Servern in den Vereinigten Staaten, während die Luftwaffe nur mit definierten Schnittstellen arbeitet. Eigenständige Änderungen oder tiefere Einblicke in den Code sind nicht vorgesehen – ohne die Einwilligung der USA kann Deutschland den Jet also nicht einsetzen.
Auch eine geplante Lieferung von F-35 an Saudi-Arabien zeigt, wie strikt die USA ihre Exportpolitik handhaben. Riad soll zwar rund vier Dutzend Jets erhalten, jedoch in einer Variante mit eingeschränkten Fähigkeiten. Bestimmte Systeme – darunter der moderne Luftkampf-Lenkflugkörper »AIM-260« – werden nicht freigegeben. Israel soll der einzige Staat in der Region sein, der seine F-35 umfassend nutzen darf. Im Vergleich dazu wirkt das russische Angebot an Indien ungewöhnlich offen. Während die USA selbst engen Partnern nur abgestufte Versionen bereitstellen, stellt Moskau Neu-Delhi eine Plattform in Aussicht, die ohne solche Beschränkungen auskommt und lokal weiterentwickelt werden kann.
Algerien hat als erstes Land der Welt bereits Serienflugzeuge der Su- 57E übernommen – das »E« weist darauf hin, dass der staatliche russische Flugzeugbauer UAC zwei Maschinen der Exportversion geliefert hat. In russischen Werken sind offenbar weitere Flugzeuge in algerischer Farbgebung gesichtet worden, was darauf hindeutet, dass weitere Lieferungen vorbereitet werden. Es ist unklar, wie die technischen Beschränkungen der Exportversion gegenüber dem russischen Serienmodell im Detail aussehen. Die Lieferung zeigt, dass die militärische Lage in der Ukraine aus russischer Perspektive nicht so angespannt ist, dass die zwei Exemplare des Kampfflugzeugs in dem Konflikt gebraucht werden. Nach dem Beginn des Ukraine-Kriegs im Jahr 2022 hatten die Rüstungsexporte Russlands signifikant abgenommen, was auf einen erhöhten Eigenbedarf hinwies.
In Iran hingegen wird das russische Vorgehen aufmerksam verfolgt, denn die eigene Lage unterscheidet sich deutlich von der Indiens oder Algeriens. Teheran hatte über Jahre auf eine Modernisierung seiner Luftwaffe mit russischer Technik gehofft, darunter Su-35-Jets und einzelne Systeme der Su-57. Die erwarteten Lieferungen blieben jedoch aus oder kamen nur in sehr begrenztem Umfang zustande. Nach iranischen Angaben trafen lediglich zwei Su-35 in dem Land ein.
Friedenspropaganda statt Kriegsspielzeug
Mit dem Winteraktionsabo bieten wir denen ein Einstiegsangebot, die genug haben von der Kriegspropaganda der Mainstreammedien und auf der Suche nach anderen Analysen und Hintergründen sind. Es eignet sich, um sich mit unserer marxistisch-orientierten Blattlinie vertraut zu machen und sich von der Qualität unserer journalistischen Arbeit zu überzeugen. Und mit einem Preis von 25 Euro ist es das ideale Präsent, um liebe Menschen im Umfeld mit 30 Tagen Friedenspropaganda zu beschenken.
links & bündig gegen rechte Bünde
Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.
Ähnliche:
Florence Lo/REUTERS23.06.2025Klare Worte, nicht mehr
IMAGO/ZUMA Press Wire01.03.2025Sanktionen statt Dialog
Evelyn Hockstein/Pool Reuters/AP/dpa17.04.2024Auf der Antiseidenstraße
Regio:
Mehr aus: Ausland
-
Ohne Kommentar
vom 24.11.2025 -
Geschichtsklitterung in Margraten?
vom 24.11.2025 -
108 Meilen für Mumias Freiheit
vom 24.11.2025 -
Bolsonaros Lötkolbenaktion
vom 24.11.2025