Gegründet 1947 Donnerstag, 8. Januar 2026, Nr. 6
Die junge Welt wird von 3063 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 22.11.2025, Seite 10 / Feuilleton
Comic

Rein oder raus?

Verschiebewitze: Tom Gaulds Cartoons »Physik für die Katz«
Von Marc Hieronimus
10_spalte_Edition Moderne.jpg
Entdeckung der Schwerkraft

Irgendwann in der Pubertät teilt man die Beobachtung von Pierre Desproges, dass man über alles lachen kann, aber nicht mit jedem. In den 1990ern schieden sich die Geister an Gary Larson. Larsons Humor entstand meist durch Umkehrung und Verschiebung. Wenn Tiere sich menschlich verhalten, auch wenn Menschen »normal« sind, aber in extremen Situationen, zeigt sich die Lächerlichkeit der menschlichen Existenz. Larson hatte es mit Kühen. Leute stehen auf der Weide, ein Auto fährt vorbei und die Kühe darin strecken die Köpfe aus den Fenstern und rufen »blabla!«. Eine Kuh mit Frisur, Rotweinglas und Perlenkette im Salon: »Frank, ich bin unglücklich.«

Wie gesagt, nicht mit jedem. Auch bei Tom Gauld bleibt gewiss manches Zwerchfell unerschüttert. Sein Werk »Physik für die Katz« wurde mit »endlich ein neuer Gauld« oder so ähnlich beworben, woraus sich, die Wahrhaftigkeit der Feilbietung vorausgesetzt, sprachlogisch schließen lässt, dass er schon länger humoristisch tätig ist und dafür von manchen auch überaus geschätzt wird.

Der Verschiebewitz ist hier schon auf dem Cover. Eine Raumstation, davor schwebt eine Katze im Raumanzug. Ein Mann aus dem Inneren: »Was jetzt, rein oder raus?« Der Titel weist aber auch auf Gaulds Interesse für komplizierte und damit per se schon ein bisschen absurde Wissenschaft und Technik hin. Die Leserin lernt Schrödingers Hund kennen und eine Hausaufgabe, die den Hund gefressen hat, also einen anderen natürlich. Es gibt gegen ihren Willen beschleunigte Teilchen und Teilchenbeschleuniger im Taschenformat, die man mit in den Urlaub nehmen kann, verrückte Maschinen, halbwüchsige KI, Versuchsaufbauten unter Sparzwang, Zeitreisen, Clickbait für Sterne, natürlich Außerirdische und so manche Pforte zu anderen Dimensionen. Eine Forscherin will beweisen, dass wir nur in einer Simulation leben, und stellt fest, dass alles noch viel schlimmer ist: Sie lebt in einem Cartoon. Und der hat nicht einmal eine gute Pointe. Einige aber schon.

Tom Gauld: Physik für die Katz. Edition Moderne, Zürich 2025, 160 Seiten, 22 Euro

Friedenspropaganda statt Kriegsspielzeug

Mit dem Winteraktionsabo bieten wir denen ein Einstiegsangebot, die genug haben von der Kriegspropaganda der Mainstreammedien und auf der Suche nach anderen Analysen und Hintergründen sind. Es eignet sich, um sich mit unserer marxistisch-orientierten Blattlinie vertraut zu machen und sich von der Qualität unserer journalistischen Arbeit zu überzeugen. Und mit einem Preis von 25 Euro ist es das ideale Präsent, um liebe Menschen im Umfeld mit 30 Tagen Friedenspropaganda zu beschenken.

links & bündig gegen rechte Bünde

Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.