Rein oder raus?
Von Marc Hieronimus
Irgendwann in der Pubertät teilt man die Beobachtung von Pierre Desproges, dass man über alles lachen kann, aber nicht mit jedem. In den 1990ern schieden sich die Geister an Gary Larson. Larsons Humor entstand meist durch Umkehrung und Verschiebung. Wenn Tiere sich menschlich verhalten, auch wenn Menschen »normal« sind, aber in extremen Situationen, zeigt sich die Lächerlichkeit der menschlichen Existenz. Larson hatte es mit Kühen. Leute stehen auf der Weide, ein Auto fährt vorbei und die Kühe darin strecken die Köpfe aus den Fenstern und rufen »blabla!«. Eine Kuh mit Frisur, Rotweinglas und Perlenkette im Salon: »Frank, ich bin unglücklich.«
Wie gesagt, nicht mit jedem. Auch bei Tom Gauld bleibt gewiss manches Zwerchfell unerschüttert. Sein Werk »Physik für die Katz« wurde mit »endlich ein neuer Gauld« oder so ähnlich beworben, woraus sich, die Wahrhaftigkeit der Feilbietung vorausgesetzt, sprachlogisch schließen lässt, dass er schon länger humoristisch tätig ist und dafür von manchen auch überaus geschätzt wird.
Der Verschiebewitz ist hier schon auf dem Cover. Eine Raumstation, davor schwebt eine Katze im Raumanzug. Ein Mann aus dem Inneren: »Was jetzt, rein oder raus?« Der Titel weist aber auch auf Gaulds Interesse für komplizierte und damit per se schon ein bisschen absurde Wissenschaft und Technik hin. Die Leserin lernt Schrödingers Hund kennen und eine Hausaufgabe, die den Hund gefressen hat, also einen anderen natürlich. Es gibt gegen ihren Willen beschleunigte Teilchen und Teilchenbeschleuniger im Taschenformat, die man mit in den Urlaub nehmen kann, verrückte Maschinen, halbwüchsige KI, Versuchsaufbauten unter Sparzwang, Zeitreisen, Clickbait für Sterne, natürlich Außerirdische und so manche Pforte zu anderen Dimensionen. Eine Forscherin will beweisen, dass wir nur in einer Simulation leben, und stellt fest, dass alles noch viel schlimmer ist: Sie lebt in einem Cartoon. Und der hat nicht einmal eine gute Pointe. Einige aber schon.
Tom Gauld: Physik für die Katz. Edition Moderne, Zürich 2025, 160 Seiten, 22 Euro
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