Gegründet 1947 Donnerstag, 8. Januar 2026, Nr. 6
Die junge Welt wird von 3063 GenossInnen herausgegeben

KI korrigiert den Aktienmarkt

Zu Lust und Risiken des Kapitalverkehrs
Von Lucas Zeise
Lucas_Zeise_Logo.png

Wieder ist es der am höchsten entwickelte Sektor kapitalistischen Wirtschaftens, wieder ist es die Speerspitze des Fortschritts, die künstliche Intelligenz (KI), die uns Sorgen bereitet. Schon vor vier Wochen habe ich an dieser Stelle kühn geschrieben: »KI-Crash voraus«. Aber dieser Crash blieb (zunächst) aus. Im Gegenteil, der Nasdaq Composite, der Aktienindex, der ganz überwiegend die Aktienkurse der fortgeschrittenen Technologieunternehmen widerspiegelt, stieg weiter. Der Chipproduzent Nvidia erreichte als erstes Unternehmen einen Börsenwert von fünf Billionen US-Dollar.

Dem noch recht jungen Unternehmen (gegründet im April 1993) ist es gelungen, eine Art Monopolist für die Lieferung der speziellen Computerchips zu werden, die beim Training und bei der Anwendung von KI-Modellen erforderlich sind. Die Sprachmodelle der künstlichen Intelligenz benötigen aber – auch zur Lösung einfachster Fragen – eine ungeheure Menge an Rechenleistung. Entsprechend werden gerade massenhaft zusätzliche Rechenzentren (sogar im technisch so rückständigen Deutschland) geplant und aus dem Boden gestampft. Die Großen der Hightechbranche, also Alphabet (Google), Meta (Facebook), Microsoft und Amazon, und auch die weniger großen wie die Softwarekonzerne Open AI, Palantir oder Oracle setzen voll auf KI und wetteifern darum, wer am meisten Milliarden Dollar in neue Rechenkapazitäten für KI-Anwendungen investiert, um am Schluss Monopolanbieter für KI-Aufträge zu werden. Sie bestellen entsprechende Riesenmengen hochwertiger Chips beim Marktführer Nvidia, der sich seinerseits zur Absatzförderung an den Milliardenkosten der Rechenzentren beteiligt. Der Börse hat der KI-Boom bestens gefallen. Die Käufer der Chips und noch mehr der Produzent dieser Chips, Nvidia, wurden als künftige KI-Supermonopolisten gefeiert.

Spielverderber stellten die Frage, wer am Ende die Rechnung für die um ein Vielfaches gesteigerte Rechenleistung bezahlen wird. So entstand im Lauf dieses Sommers die bange Frage, ob der KI-Boom vielleicht überzogen sein könnte. Die vielen noch nicht profitablen Startups, die für neue KI-Projekte viel Geld auszugeben planten, waren die ersten, die eine neue Knausrigkeit der Investoren spürten. Die Börsenkurse gingen noch bis in den Oktober hinein aufwärts. Als Nvidia Mitte Oktober fünf Billionen US-Dollar in der Börsenbewertung erreichte, setzten Gewinnmitnahmen ein. Der Kurs begann nachzugeben. Der Multimilliardär Peter Thiel, berüchtigt für das viele Geld, das er extrem rechten Politikern zukommen lässt, teilte lautstark mit, dass er sich von seinen Nvidia-Aktien getrennt habe. Am vergangenen Mittwoch – nach Börsenschluss in New York – gab Nvidia bekannt, dass der Umsatz, also die Nachfrage nach seinen Superchips, im gerade vergangenen Quartal um 62 Prozent gestiegen war. Am nächsten Morgen, Donnerstag, war die Skepsis zunächst weg, die Nvidia-Aktie raste um fünf Prozent hoch, und der Nasdaq-Index stieg mit. Im Lauf des Tages drehte sich die Sache. Nvidia und der Gesamtmarkt fielen gemeinsam unter das Ausgangsniveau.

Was lehrt uns das? Die spekulative Luft in der KI-Blase beginnt zu entweichen. Weil im KI-Ballon das meiste Geld drinsteckt, kann es gut sein, dass dem Aktienmarkt eine – wie drückt man sich vorsichtig aus? – Korrektur bevorsteht.

Unser Autor ist Finanzjournalist und Publizist. Er lebt in Aachen.

Friedenspropaganda statt Kriegsspielzeug

Mit dem Winteraktionsabo bieten wir denen ein Einstiegsangebot, die genug haben von der Kriegspropaganda der Mainstreammedien und auf der Suche nach anderen Analysen und Hintergründen sind. Es eignet sich, um sich mit unserer marxistisch-orientierten Blattlinie vertraut zu machen und sich von der Qualität unserer journalistischen Arbeit zu überzeugen. Und mit einem Preis von 25 Euro ist es das ideale Präsent, um liebe Menschen im Umfeld mit 30 Tagen Friedenspropaganda zu beschenken.

links & bündig gegen rechte Bünde

Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.

Mehr aus: Kapital & Arbeit