Oligarchie im Kühlregal
Von Luca von Ludwig
Entlang der gesamten Lebensmittellieferkette gibt es immer stärker ausgeprägte monopolistische Strukturen. Zu diesem Ergebnis kommt ein am Freitag von der Monopolkommission vorgestelltes Gutachten. Dabei spielt der Kommission zufolge unter anderem auch die zunehmende vertikale Integration der Einzelhandelsketten, also der vermehrte Einstieg von Rewe, Edeka und Co. in die Lebensmittelproduktion ihrer Eigenmarken, eine bedeutende Rolle.
»Die Landwirtschaft steht unter großem Druck«, konstatierte Tomaso Duso, Vorsitzender der Monopolkommission, direkt zu Beginn der Konferenz zur Vorstellung des Berichts im Bundeswirtschaftsministerium. Insgesamt wüchsen die Preisscheren, also die Differenz zwischen dem Betrag, den die Bauern erhalten, und dem, was im Supermarkt dafür verlangt wird. Bei Milch zum Beispiel bekamen die Bauern vor etwa zehn Jahren noch rund 60 Prozent des Endverkaufspreises – mittlerweile sind es nur noch etwas mehr als 40 Prozent. Auf Konsumentenseite stiegen zugleich die Preise deutlich stärker als im europäischen Durchschnitt. Dabei wirkten sich phasenweise sinkende Erzeugerpreise kaum oder gar nicht auf die Verbraucherpreise aus – typisch für oligopolistische Marktstrukturen, so die Kommission.
Insbesondere konzentriert sich die Marktmacht bei den großen Einzelhandelskonzernen. Edeka, Rewe, Schwarz (Lidl) und Aldi kontrollieren laut dem Bericht gut 85 Prozent des Lebensmittelverkaufs. Immer öfter übernehmen sie dabei die Position von Herstellern und kaufen den Bauern ihre Rohstoffe direkt ab. Zudem hätten kleinere Hersteller hier keine so ausreichende Verhandlungsmacht, als dass sie der Monopolisierungstendenz wirksam entgegentreten könnten. »Alles deutet auf eine geschwächte Wettbewerbssituation entlang der Lebensmittellieferkette hin«, so die Wirtschaftsforscher. Die Lobbyverbände des Handels wiesen die Kritik zurück und verwiesen auf steigende Energie- und Personalkosten, die ihre Gewinnmargen schmälern würden.
Eine Zerschlagung der großen Konzerne hält die Kommission zwar noch nicht für notwendig, jedoch solle der vorhandene Wettbewerb besser geschützt werden. Dabei geht es auch um die Verteilung von Subventionen, ohne die die Landwirtschaft in der BRD »nicht existieren« könnte. So solle bei der Bemessung nicht mehr die Gesamtproduktivität im Vordergrund stehen, sondern die relative Effizienz. Dadurch würde kleineren Betrieben eine widerstandsfähigere Situation auf dem Markt gesichert. Zudem sollten bestehende Kartellregeln besser durchgesetzt werden. Während die Ökonomen die schlechte Datengrundlage für die Lebensmittelpreise monierten, hielten sie eine zentrale Preistransparenzstelle aufgrund der hohen Produktvielfalt für technisch kaum umsetzbar.
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Leserbrief von Onlineabonnent/in Joachim Seider aus Berlin (22. November 2025 um 11:57 Uhr)Na, wer hätte das gedacht, dass es im modernen Kapitalismus Monopolisierung geben könne? Ist doch die freie und soziale Marktwirtschaft, die sich so ideal vor unseren Augen entfaltet, nichts anderes als die Ansammlung vieler Meister mit ihren treulichen Gesellen. Die sind allesamt wacker um das Wohl des Volkes bemüht und streiten in wohlgefälliger Konkurrenz um möglichst geringe und gerechte Preise. Man schlage ein beliebiges Ökonomielehrbuch auf, um das bestätigt zu finden. Den Blick in die Praxis können sich alle, also auch die Monopolkommission, tunlichst sparen.
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