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Aus: Ausgabe vom 19.11.2025, Seite 10 / Feuilleton

Kolldehoff, Naumann, Naumann

Von Jegor Jublimov
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Horst Naumann 1997 daheim

In dem Defa-Film »Bürgermeister Anna« nach einem Stück von Friedrich Wolf spielte 1950 ein Schauspieler seine erste Hauptrolle, der bald darauf im westeuropäischen Film eine feste Größe werden sollte – wenn auch hauptsächlich in Nebenrollen. Reinhard (im Ausland: René) Kolldehoff war als Bösewicht und gefährlicher Nazi auf den Typus des »hässlichen Deutschen« abonniert, gewann dem Klischee aber immer wieder neue Facetten ab, sei es im Schlagerfilm neben Heintje oder im Clinch mit dem Duo Bud Spencer und Terence Hill. Mit einer Parkinsonerkrankung starb Kolldehoff am 18. November 1995 in seiner Heimatstadt Berlin im Alter von 81 Jahren.

Wie hier schon einmal festgestellt, kamen am 17. November 1925, also vor 100 Jahren, in den sächsischen Metropolen Dresden und Chemnitz zwei junge Menschen zur Welt, die beide Naumann hießen, nicht verwandt waren, aber als Schauspieler ihre Laufbahn bei Defa und DFF begannen. Der eine beendete sie auch dort. Einer von beiden war schön, und das bis ins hohe Alter (weshalb er auch mit über 80 noch den Arzt im ZDF-»Traumschiff« spielen konnte), der andere war ein Charakterkopf, der in der Vorbildserie »Zur See« im DFF den Chief gab und des öfteren Arbeiter oder Antifaschisten spielte. Konnte man beide verwechseln? Kaum! Horst Naumann wurde zuerst bekannt, als er 1953 ans Theater der Freundschaft nach Berlin kam. Intendant Hans Rodenberg wechselte alsbald zur Defa und ließ Naumann dort ab 1954 große Rollen in acht Filmen neben Henny Porten oder Sonja Sutter spielen. Als Naumann Fragen der Staatssicherheit negativ beantwortete, meinte er, dass er nur mehr Fernsehangebote erhielt (immerhin in Stoffen nach Martin Andersen Nexö und Friedrich Wolf). Er spielte sie, hielt das aber für unter seiner Würde, weshalb er 1958 die S-Bahn in den Westen nahm. Auch hier waren die Angebote durchwachsen, aber lukrativer. Neben dem »Traumschiff« (1983–2010) wurde Naumann auch Fernseharzt in der »Schwarzwaldklinik« (1986–2005), erfüllte sich aber auch manchen Theaterwunsch bis kurz vor seinem Tod im 99. Lebensjahr.

Als Horst Naumann schon vor den Kameras stand, ging Günter Naumann noch auf die Schauspielschule. Aus Karl-Marx-Stadt holte ihn Helene Weigel 1957 ans Berliner Ensemble. Daneben konnte er vielfach vor der Kamera stehen, oft in vielbeachteten antifaschistischen Filmen wie »Fünf Patronenhülsen« (1960), »Der Fall Gleiwitz« und »Professor Mamlock« (beide 1961). 1970 wechselte Naumann ins DFF-Ensemble und erweiterte sein Rollenspektrum, etwa als Gisela Mays Partner in »Frau Jenny Treibel« (nach Fontane, 1976) als Gneisenau (»Scharnhorst«, 1979) oder als Mediziner Robert Koch. Im »Polizeiruf 110« war Naumann abwechselnd Opfer, Täter und Ermittler. Sein Hauptmann Beck schaffte es als Hauptkommissar sogar bis in die späten 90er Jahre. Günter Naumann starb 2009 kurz vor seinem 84. Geburtstag. Zu Beginn der 90er Jahre wurde er vor Wahlen in der Boulevardpresse zitiert, dass es das Vernünftigste wäre, die CDU zu wählen. Darf man den Schreibern glauben? Welcher der beiden Naumänner war es wirklich?

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