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Aus: Ausgabe vom 28.08.2025, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Windenergie

Trump stoppt Ørstedt

Bau von Offshorewindpark ruht nach Weisung aus US-Innenministerium
Von Wolfgang Pomrehn
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In Dänemark darf Ørsted weitermachen: Windpark bei Nysted vor der dänischen Küste

Die US-Regierung hat in letzter Minute den Bau eines großen Offshorewindparks vor der Ostküste des Landes gestoppt. Als Grund nannte das Washingtoner Innenministerium, die Behörde brauche »Zeit, um Bedenken nachzugehen, die im Zusammenhang mit einer (vom Präsidenten angeordneten) Überprüfung entstanden seien«. Es gehe insbesondere darum, »Interessen der nationalen Sicherheit« zu schützen. Inwiefern diese berührt sein könnten, wurde dabei nicht erwähnt. Hintergrund ist, dass US-Präsident Donald Trump in einem seiner ersten Dekrete unmittelbar nach der Amtseinführung im Januar verfügt hatte, dass alle existierenden Verträge für Offshorewindparks in den Küstengewässern jenseits einer von den Bundesstaaten verwalteten Dreimeilenzone überprüft und keine entsprechenden Verträge mehr abgeschlossen werden dürfen.

An dem von der jüngsten Anweisung betroffenen Revolution Wind Project in der Nähe New Yorks wird seit 2023 gearbeitet. Nach Angaben des Bauherren Ørstedt ist der Windpark bereits zu 80 Prozent fertiggestellt. Alle Fundamente seien errichtet und 45 von 65 Turbinen installiert. Das Projekt, an dem der hauptsächlich im dänischen Staatsbesitz befindliche Energiekonzern zu 50 Prozent beteiligt ist, soll laut Plan Anfang 2026 den ersten Strom ins Netz einspeisen. Man habe mit Energieversorgern in den nahe gelegenen Bundesstaaten Rhode Island und Connecticut Abnahmeverträge für 20 Jahre über zusammen 704 Megawatt abgeschlossen. Damit könnten 350.000 Haushalte versorgt werden.

Zuvor ist bereits ein noch größeres Ørstedt-Vorhaben, das Sunrise Project, ganz in der Nähe des jetzt ausgebremsten Windparks unter Druck geraten, weshalb die Aktie des Unternehmens seit dem 9. August erheblich an Wert verloren hat. Seit der jüngsten Anweisung geht es nun weiter abwärts. Insgesamt hat das Unternehmen im ausgehenden Monat 42 Prozent an Börsenwert verloren. Und es trifft nicht nur Ørstedt.

Auch der Bau des Empire-Windparks des norwegischen Staatskonzerns Equinor war durch eine Intervention des US-Präsidenten unterbrochen worden. Der Financial Times zufolge war es den guten Beziehungen des norwegischen Finanzministers und Ex-NATO-Generalsekretärs Jens Stoltenberg zu Trump zu verdanken, dass Equinor das Projekt fortsetzen konnte. Dennoch seien dem Konzern durch die Verzögerungen Kosten von 800 Millionen Euro entstanden. Für Ørstedt dürfte das schwieriger werden, pflegt Donald Trump doch zu Dänemark keine vergleichsweise guten Beziehungen.

Begründet hatte Trump seine Verfügung im Januar mit den Stromkosten, der Sicherheit des Schiffsverkehrs, dem Schutz der marinen Umwelt, dem Schutz von Meeressäugetieren und dem Schutz der Fischerei. Förderplattformen der Öl- und Gasindustrie wurden allerdings von der Verfügung ausdrücklich ausgenommen. Vielmehr hatte Trump fast zeitgleich angekündigt, dass es unter seiner Präsidentschaft »drill baby, drill« heißen werde.

Damit hat der US-Präsident nicht nur verdeutlicht, dass seine Prioritäten bei der Förderung von Öl und Gas liegen. Er zeigte auch, dass die gegen Offshorewindprojekte angeführten Bedenken lediglich vorgeschoben sind. Denn die Öl- und Gasförderung blickt auf eine lange Geschichte der Umweltzerstörung zurück. Etwa als 2010 die BP-Bohrplattform »Deepwater Horizon« im Golf von Mexiko in Brand geraten war, woraufhin 87 Tage lang insgesamt 800 Millionen Liter Erdöl ins Meer flossen. Die Schäden an der umgebenden Natur waren gigantisch und erzeugten Kosten für Unternehmen und Behörden in Milliardenhöhe.

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Heinrich H. aus Stadum (27. August 2025 um 20:15 Uhr)
    Lediglich vorgeschobene Bedenken? Schwachsinniges Geschwafel! Ein zu 80 Prozent fertiggestelltes Projekt dieser Art hat im Wesentlichen auch schon 80 Prozent seiner Gesamtschäden verursacht. Besonders die Errichtung der Fundamente eignet sich nicht besonders für den Schutz der Umgebung. Daseinsvorsorge ist in USA schon lange zu den Akten gelegt, jetzt muss der Vertrauensschutz dran glauben. Irgendwer erzählte doch was von westlichen Werten. Da war früher auch mal Investitionsschutz darunter …

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