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Israels Armee greift erneut Gaza-Stadt an

Foto: Rizek Abdeljawad/XinHua/dpa
Von Gaza-Stadt ist nach monatelangem israelischem Bombardement nicht mehr viel übrig (2.4.2024)

Gaza. Angesichts verstärkter Angriffe auf mehrere Viertel von Gaza-Stadt hat die israelische Armee ihre Aufrufe zur Evakuierung erweitert. Ein Militärsprecher rief die Bewohner der Viertel Sabra, Rimal, Tal Al-Hawa und Al-Daradsch am Montag dazu auf, diese zu verlassen. Angaben der palästinensischen Zivilschutzbehörde zufolge wurden in der Stadt Dutzende Menschen getötet und verletzt.

Angriffe gab es unter anderem in der Nähe des Sitzes des UN-Flüchtlingshilfswerks UNRWA in Gaza-Stadt. Die Armee erklärte, sie handele »aufgrund von Geheimdiensterkenntnissen, die auf die Anwesenheit von terroristischer Infrastruktur der Hamas und des Islamischen Dschihad schließen« ließen.

Israel hatte dem Palästinenserhilfswerk zu Beginn des Jahres vorgeworfen, dass zwölf UNRWA-Mitarbeiter an dem Angriff der radikalislamischen Hamas auf Israel am 7. Oktober beteiligt gewesen sein sollen. Eine Untersuchungskommission hatte jedoch festgestellt, dass Israel dafür keine Beweise vorgelegt habe.

Bewohner, die aus den betroffenen Vierteln in Gaza-Stadt flohen, berichteten von heftigen Kämpfen. Ein Augenzeuge sagte der Nachrichtenagentur AFP, er habe eine »unbeschreibliche Nacht« mit Flugzeug- und Artilleriefeuer sowie Drohnenangriffen »aus allen Richtungen« erlebt. »Wir wussten nicht, wo wir hinrennen sollen, nach links oder nach rechts«, fügte er hinzu.

Viele der Betroffenen waren bereits aus anderen Orten im Gazastreifen geflohen. »Wo sollen wir hin«, fragte ein weiterer Augenzeuge, der seine letzte Bleibe um drei Uhr morgens hatte verlassen müssen, wie er berichtete. »Wir sind weggerannt und haben auf der Straße geschlafen. Menschen haben uns Decken gegeben. Jetzt leben wir wieder in Trümmern.«

Die israelische Armee hatte zuvor bereits die Bewohner des Viertels Schudschaija in Gaza-Stadt zur Evakuierung aufgerufen. Dort seien in den vergangenen Wochen mehrere Dutzend »Terroristen eliminiert worden«, so die Sprachregelung.

Auch in den im südlichen Gazastreifen gelegenen Städten Khan Junis und Rafah wurden Teile der Bevölkerung dazu aufgerufen, die Gebiete zu verlassen. 80 Prozent der 2,4 Millionen Bewohner des Gazastreifens befinden sich laut Angaben der UNO auf der Flucht, große Teile des Küstenstreifens wurden von der israelischen Armee nach dem Angriff der Hamas und ihrer Verbündeten am 7. Oktober dem Erdboden gleichgemacht. (AFP/jW)

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Erschienen am 09.07.2024, Ausland

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