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Aus: Ausgabe vom 11.07.2024, Seite 11 / Feuilleton
Kino

Die ewige Windel

Den Kulissen entrissen: Die Minions sind zurück mit »Ich – Einfach unverbesserlich 4«
Von Barbara Eder
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Familienfreundliche Helfer: Gru im Kleinformat in Obhut der Minions

Sie sind klein und gelb, umhüllt von einem Oval: Minions sehen aus wie zu groß geratene Überraschungseier auf zwei Beinen und laden in diesem Sommer wieder zum Rundumregressionsprogramm im Kinosessel. 2010 erstmals in Serie gegangen, saniert das animierte Trio mit dem Sequel »Ich – Einfach unverbesserlich« weite Teile der maroden Kinoindustrie. Das vom Universal-Picture-Ableger Illumination Entertainment produzierte Animationsfranchise gehört zu den erfolgreichsten seiner Art – und sorgt auch abseits der Leinwand für Umweg­rentabilitäten: An Tankstellen und in Spielwarenshops warten täglich neue Gimmicks, sie verquicken Libido- und Kapitalströme auf wundersame Weise miteinander. Die Special Editions der gelben Dinger aus dem nordamerikanischen Entertainmentuniversum heizen nicht nur das Geschäft mit der Plastikindustrie an – von Plüsch bis zu Papier sind sie in nahezu allen Aggregatzuständen zu haben.

»Ich – Einfach unverbesserlich« ist nicht nur dem Titel nach eine ­Parodie auf die US-amerikanische Ich-Psychologie. Von der schnell geschnittenen Non-stop-Action gewähren die Minions sich im aktuellen Teil vier erstmals eine kurze Auszeit. Während eines All-Inclusive-Urlaubs auf einer unbekannten Südseeinsel üben sie sich in Selbstversorgung und schneiden mit Laserkanonen, die aus dem Aug­inneren kommen, Löcher in Schweizer Käse. Ihre Führerlosigkeit ist dennoch nicht von Dauer: Bereits im Spin-off »Minions – Auf der Suche nach dem Mini-Boss« hatten sich die drei kleinen Waisen auf den Weg zu ihrem Chef gemacht. Nach der verlorenen Zeit wird seither nicht länger gescharrt: Margo, Edith und Agnes stehen Gru, dem Anführer einer internationalen Antiverbrecherliga, bei der Jagd nach neuen Superschurken wieder willfährig zur Seite – sie streben nicht nach Autonomie, ihr Ziel ist die ewige Windel.

In Teil vier assistieren die Minions als Gehülfen am Abenteuerparcours – und haben dabei viel zu tun: Ein rothaariges Mädchen mit Catwoman-Maske will Vorstadtvater Gru den gewohnten Kulissen entreißen – und die Minions antworten darauf mit den ihnen eignenden Onomatopoesien. Ihre Sprache ähnelt den Echolalien im frühen Spiegelstadium, im Film gerinnt sie zu einem fiktiven Slang aus vermeintlich fremdsprachigen Wörtern. Dennoch begnügen sich die Regisseure Patrick Delage und Chris Renaud nicht mit dem Verweilen beim Negativen – als bewusstem Entzug durch anhaltende Unverständlichkeit. Der vernakulare Jargon der Minions muss den internationalen Synchronsprechermarkt bedienen, demnach gibt es »Ich – Einfach unverbesserlich 4« unter anderem auch in ukrainischer Fassung. Übersetzt wurde dabei alles, was Papas Pumpgun ölt. In Grus Werkzeugkoffer befanden sich anstelle von Waffen diesmal Babyfläschchen mit verdicktem Milchpulver.

Gegen Ende aller sirenenhaften Verlockungen findet sich Gru im vertrauten Familienschoß wieder. Dort gelten die Gesetze der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung – und der vierfache Vater hält seinen Kleinsten nur noch einen Moment lang fest im Arm. Mit ihm verlassen die Zuseher die unendlichen Räume der Kindheit und tauchen ein in eine bunte Warenwelt – mit Minions aus Plastik und Plüsch verfügt diese über einige Konsumoptionen mehr.

»Ich – Einfach unverbesserlich 4«, Regie: Patrick Delage/Chris Renaud, 94 Min., Kinostart: heute

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