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Aus: Ausgabe vom 11.07.2024, Seite 6 / Ausland
Bangladesch

»Blauhelme« unter Verdacht

Bangladesch ist einer der größten UN-Truppensteller – auch mit berüchtigter Spezialeinheit
Von Thomas Berger
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Sollen keine blauen Helme mehr bekommen: Mitglieder der Spezialeinheit Rapid Action Battalion (Dhaka, 7.1.2024)

Eine Eliteeinheit des Militärs von Bangladesch steht im Verdacht, schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen begangen zu haben. Dennoch befindet sich immer wieder belastetes Personal aus den Reihen dieses Rapid Action Bataillon (RAB) unter den von Bangladesch entsandten »Blauhelm«-Truppen bei Einsätzen der Vereinten Nationen.

Die Vorwürfe sind indessen nicht neu. »Menschenrechtsgruppen wollen, dass die UNO die RAB von Friedensmissionen ausschließt«, titelte schon am 20. Januar 2022 Al-Dschasira zum Thema. Zwölf Organisationen, berichtete auch The Daily Star, eine englischsprachige Tageszeitung aus Bangladesch, hatten sich seinerzeit für einen entsprechenden Appell zusammengetan. Der nächste Vorstoß ist ziemlich genau ein Jahr alt. Der für die Friedensmissionen verantwortliche UN-Untergeneralsekretär Jean-Pierre Lacroix müsse das Thema unbedingt bei seiner bevorstehenden Bangladesch-Visite ansprechen, forderten im Juni 2023 Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch. Amnesty International führte aus, RAB-Offiziere würden beschuldigt, für Folter, extralegale Tötungen und das Verschwindenlassen missliebiger Personen verantwortlich zu sein. Im Visier seien Oppositionelle, Menschenrechtler und andere Aktivisten. Verwiesen wurde unter anderem auf geheime Foltergefängnisse, von deren Existenz nach intensiven Recherchen Netra News berichtet hatte. Von mehr kritischer Kontrolle, wer als sogenannter Blauhelm zum Einsatz kommt, ist aber auch zwölf Monate später nichts zu spüren. Weder gegenüber Bangladesch noch anderen wichtigen Entsendeländern.

Enthüllungen einer gemeinsamen Recherche der Deutschen Welle mit der schwedisch-bangladeschischen Investigativplattform Netra News und der Süddeutschen Zeitung zufolge haben schon mindestens 100 RAB-Mitglieder in »Blauhelm«-Missionen gedient, heißt es in einem DW-Bericht vom 21. Mai, »davon 40 allein in den letzten fünf Jahren«. Zudem handle es sich keineswegs nur um einfache Soldaten. Mindestens zwei ranghohe Offiziere hat das Team identifiziert. Die UNO kontrolliere viel zuwenig, wer da in ihrem höchsten Auftrag an den sensiblen Einsätzen zur »Friedenswahrung« tätig ist. Einheimische Medien wie Dhaka Tribune und Somoy TV sprechen hingegen von »unbewiesenen Vorwürfen« und einer US-geführten »Konspiration«, um Bangladeschs »Blauhelme« zu diskreditieren, nachdem das US-Außenministerium bereits im Dezember 2021 Teile der RAB wegen Menschenrechtsverstößen sanktioniert hatte.

Laut den jüngsten Zahlen vom Januar stellt Bangladesch über 5.800 »Blauhelme«. Bei der UN-Stabilisierungsmission in der Demokratischen Republik Kongo (Monusco) dienten fast 2.000 Angehörige der Streitkräfte des südasiatischen Landes. Bei der Mission im Südsudan UNMISS sind es auch über 1.600, bei der Minusma in Mali stellte Bangladesch über tausend Soldaten, ebenso bei MINUSCA in der Zentralafrikanischen Republik. Auch vor der Küste des Libanon und in der Westsahara sind deutlich kleinere Einheiten von »Blauhelmen« aus Bangladesch im Einsatz.

Bangladesch liegt regelmäßig auf den Spitzenplätzen unter den Truppenstellern für die Vereinten Nationen in den Krisen- und Konfliktgebieten des Erdballs. Bangladesch belegt damit Platz vier der Weltrangliste. Nepal, Indien und Ruanda halten die Plätze eins bis drei mit jeweils etwa 6.000 Peacekeepern. »Mindestens 132 bangladeschische Peacekeeper haben im Dienste des Friedens das höchste Opfer gebracht«, so die UNO. Seit 1988 hat Bangladesch insgesamt fast 200.000 Angehörige der Streitkräfte in UN-Missionen geschickt – verteilt über mehr als 40 Länder, so die Dhaka Tribune Ende Mai.

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