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Aus: Ausgabe vom 25.06.2024, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Mehr als 20 tote Arbeiter

Batteriewerk: Tote nach Brand

Südkorea: Mehr als 20 Arbeiter kommen bei Unglück ums Leben. Großteil der Beschäftigten waren Gastarbeiter aus China
Von Martin Weiser, Seoul
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Unter Schock: Hilfskräfte nach dem Fabrikinferno, das zahlreiche Todesopfer forderte, am Montag im südkoreanischen Hwaseong

Bei einem Großbrand in einer Fabrik des südkoreanischen Batteriehersteller Aricell sind am Montag zahlreiche Arbeiter getötet worden. Ein Fabrikgebäude in Hwaseong, etwa 40 Kilometer von der Hauptstadt Seoul entfernt, brannte in kurzer Zeit vollkommen aus, nachdem eine einzelne Lithium-Ionen-Batterie explodiert war und eine Kettenreaktion ausgelöst hatte. Bisher bestätigt sind 22 Tote und acht Verletzte und dass 20 der Verunglückten ausländische Arbeiter waren. Genaue Zahlen sind noch nicht bekannt, aber es soll etwa ein Drittel der Belegschaft im Gebäude den Brand nicht überlebt haben. Damit gehört das Unglück zu den verheerendsten Bränden in der jüngeren südkoreanischen Geschichte. Eine Person galt bis Montag nachmittag noch als vermisst.

Nach Schätzungen befanden sich etwa 35.000 Batterien im Gebäude. Wie viele in Brand gerieten und warum kein Brandschutz die Kettenreaktion verhinderte, war bis jW-Redaktionsschluss noch unklar. Bei Luftaufnahmen, die etwa die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap verbreitete, waren immer wieder Explosionen und Funkenflug zu erkennen, während sich eine große Rauchsäule über dem brennenden Gebäude bildete.

Wegen der Explosionen und enormer Hitzeentwicklung der in Brand geratenen Batteriezellen hätten Einsatzkräfte das Gebäude zunächst nicht betreten können, berichtete Yonhap. Die örtliche Feuerwehr sei mit einem Großaufgebot vor Ort gewesen, konnte aber am Ende nur abwarten und verhindern, dass das Feuer auf andere Gebäude übergriff.

Der Standort diente Aricell zum Verpacken und Prüfen der Lithium-Ionen-Batterien. Diese Akkus sind ein zentraler Pfeiler der Energiewende von E-Autos bis zu Hausspeichern. Der große Nachteil dieser Batterien sind jedoch die spontanen Brände, die nach Beschädigung oder Produktionsfehlern entstehen können. Die entstehenden Rauchgase sind hochgiftig, während sich die teilweise über 1.000 Grad Celsius heißen Flammen nicht mit Wasser löschen lassen. Hinzu kommt, dass diese Batterien nach einem ersten Brand auch bei hohen Temperaturen weiterschwelen und sich ohne Vorwarnung erneut entzünden können. Arbeiter hatten den Einsatzkräften am Montag berichtet, im zweiten Stock des Gebäudes habe es vor Ausbruch des Brandes mehrere Explosionen gegeben.

Die südkoreanische Regierung versprach nur wenige Stunden nach dem Brand »vollumfängliche Aufklärung und Unterstützung der Opfer«, selbst die Staatsanwaltschaft nahm bereits Ermittlungen auf. Die Demokratische Partei hatte 2020 ein Gesetz erlassen, das vorsieht, dass für vermeidbare Arbeitsunfälle sogar gegen Konzernchefs empfindliche Gefängnisstrafen verhängt werden können. Inwieweit das Gesetz dieses Mal Anwendung findet, wird sich jedoch erst zeigen. Laut Reuters wurde Aricell erst 2020 gegründet. Es stehe die Frage im Raum, ob das Unternehmen nur schnelles Geld mit dem Batterieboom verdienen und keinen Wert auf Arbeitsschutz und Sicherheitsvorkehrungen legen wollte.

Der Umstand, dass so viele Arbeiter aus dem Ausland ums Leben gekommen sind, lenkt erneut das Augenmerk auf die Situation sogenannter Gastarbeiter in Südkorea, die ohne ausreichende Schutzvorkehrungen bei der Arbeit und in prekären Verhältnissen lebend Südkoreas Wirtschaft am Laufen halten. Noch im März dieses Jahres berichtete die New York Times über den fehlenden Schutz der Gastarbeiter vor Ausbeutung und Arbeitsunfällen. Dieses Jahr sind zum ersten Mal mehr als eine Million ausländische Arbeiter im Land, die in der Landwirtschaft und zu einem großen Teil in der Industrie ihr Geld verdienen.

Bei achtzehn der Verunglückten soll es sich nach Angaben der Feuerwehr von Montag abend (Ortszeit) um chinesische Staatsbürger handeln. Eins der Opfer kam aus Laos, nur zwei der von der Feuerwehr geborgenen Toten waren Südkoreaner. Angehörige der koreanischen Ethnie im Nordosten Chinas erhalten vom südkoreanischen Staat Visaerleichterungen, die auch eine Arbeitserlaubnis einschließen. Sie wurden damit zu einer der größten Gastarbeitergruppen im Land. Bei einem weiteren Toten ist die Staatsbürgerschaft noch unbekannt.

Die Verstorbenen seien ausnahmslos im zweiten Stock von Abteilung Nummer drei der Fabrik gefunden worden, berichtete Yonhap am Montag abend (Ortszeit). Da die Leichen durch die enorme Hitzeentwicklung des Feuers stark verkohlt seien, müssten noch weitere Einzelheiten über sie ermittelt werden. Die Behörden würden dabei auch DNA-Tests durchführen, hieß es. Südkoreas Präsident Yoon Suk Yeol forderte die Einsatzkräfte am Montag auf, alles an Personal und Ausrüstung zu mobilisieren und sich auf die Suche und Rettung der Vermissten zu konzentrieren. Die Stadt Hwaseong riet der Bevölkerung wegen des Rauches, in geschlossenen Räumen zu bleiben.

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