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Aus: Ausgabe vom 22.06.2024, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Automobilindustrie

Ford baut in Europa weiter ab

US-Autobauer streicht weitere Stellen in Köln und Valencia, keine Schadenfreude in Saarlouis
Von Gudrun Giese
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Schwierigkeiten der Energiewende: Fertigungsstraße für den Elektro-Explorer in Köln

Der US-amerikanische Autohersteller Ford plant weitere Stellenstreichungen in Europa. Wie Benjamin Gruschka, Betriebsratsvorsitzender von Ford Europa, am Donnerstag gegenüber der Nachrichtenagentur dpa mitteilte, hat die Konzernführung ein weiteres »Restrukturierungsprogramm« angekündigt mit dem Ziel, »schlanker und effizienter« zu werden. Ins Allgemeinverständliche übersetzt, heißt das schlicht und einfach Jobvernichtung, wobei noch keine genauen Zahlen bekannt sind. Immerhin fielen den drei vorangegangenen »Restrukturierungsprogrammen« seit 2018 allein am Standort Köln 7.000 Stellen zum Opfer. Mittlerweile arbeiten dort noch etwa 13.000 Menschen. Neben der Fertigung befindet sich am Standort auch die Europazentrale des Autobauers. Teile der Entwicklungsabteilung wanderten allerdings zwischenzeitlich in die USA. Laut Betriebsrat will das Ford-Management Ende des Monats den genauen Umfang des neuerlichen Stellenabbaus bekanntgeben.

Fest steht bereits, dass das Ford-Werk im spanischen Valencia sehr viele Arbeitsplätze verlieren wird: Nach Informationen des Gesamtbetriebsrates werden nach einem weiteren Abbau von 1.600 Stellen dort demnächst nur noch insgesamt 4.700 Menschen arbeiten, was beinahe eine Halbierung der Belegschaft gegenüber der jüngeren Vergangenheit bedeutet, berichtete der Saarländische Rundfunk am Mittwoch. Dabei hatte sich das Werk in Valencia in einem internen Bieterwettbewerb um den Bau von Elektroautos gegen den Standort Saarlouis durchgesetzt. Doch zwischenzeitlich hat Ford einen Teilrückzieher gemacht: Statt ab Mitte 2025 soll in Valencia nun erst 2027 ein E-Modell gebaut werden. Die Herstellung des Modells »Transit« wurde in die Türkei verlagert.

Ford tut sich mit der Umstellung auf E-Mobilität ähnlich schwer wie andere Autohersteller. Die Produktion des bewährten und beliebten Verbrennermodells »Fiesta« aber stellten die US-Amerikaner schon mal ein. Generell sank der Marktanteil von Ford-Modellen in Europa in den zurückliegenden Jahren stetig. Immerhin investierte der Konzern knapp zwei Milliarden Euro in den Standort Köln, wo nun auch Elektroautos hergestellt werden. Als erstes für den großen Markt entwickeltes E-Fahrzeug rollte vor kurzem der Ford »Explorer« in der Rheinmetropole vom Band. Der Konzern setzt große Hoffnungen in die Nachfrage nach diesem Modell in Europa. Ein weiteres E-Modell soll noch in diesem Jahr auf den Markt kommen. Künftig können bis zu 250.000 Wagen dieser beiden Modelle im Jahr produziert werden.

Betriebsratschef Gruschka kritisierte das Vorgehen des Managements, das sich von einer Betriebsversammlung in Köln am Dienstag ferngehalten und es den Beschäftigtenvertretern überlassen hatte, die schlechten Nachrichten zu vermelden. »Anstatt sich auf die Markteinführung der zwei Kölner Elektroautos zu konzentrieren, verursacht das europäische Topmanagement mit seiner Ankündigung einer neuen Restrukturierungswelle viel Unsicherheit«, erklärte Gruschka gegenüber dpa. Das vorangegangene Restrukturierungsprogramm sei auch noch kaum abgeschlossen.

An seinem Standort in Saarlouis wird Ford Ende 2025 die Produktion komplett einstellen. Der dortige Betriebsratsvorsitzende Markus Thal erkennt im Agieren der Konzernspitze keinen brauchbaren Zukunftsplan. Er bedauere auch den Niedergang am Standort Valencia, sagte Thal dem Saarländischen Rundfunk. Schadenfreude sei nicht angebracht. Hätte Saarlouis vor zwei Jahren den Bieterwettbewerb gegen die Spanier gewonnen, wären nun hier in Deutschland die Stellen gestrichen worden.

Zur Einstellung der Produktion im Saarland sei immerhin ein guter Sozialplan ausgehandelt worden, der unter anderem 1.000 Jobs bis 2032 sichert. Bis zur Betriebsversammlung am 11. Juli soll endgültig festgelegt werden, wer eine dieser Stellen erhalten und wer Ford Saarlouis mit einer Abfindung verlassen wird. Auf die 1.000 Arbeitsplätze haben sich 1.050 Beschäftigte beworben.

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