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Aus: Ausgabe vom 13.06.2024, Seite 8 / Ausland
Frauen im Iran

»Die Menschen wollen ein demokratisches System«

Iran: Kurdischer Frauenverband setzt Kampf gegen Hinrichtungen und Repression fort. Ein Gespräch mit Denîz Derya
Interview: Justus Johannsen
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Hunderte demonstrieren auf dieser Straße in der iranischen Hauptstadt nach dem Tod der 22jährigen Jina Mahsa Amini (Teheran, 21.9.2022)

Die im Iran aktive Gesellschaft der Freien Frauen Ostkurdistans, kurz KJAR, hat vor kurzem ihren vierten Kongress abgehalten. Welche Überlegungen sind in den Diskussionen angestellt worden? Welche Perspektiven für die Zukunft konnten dabei entwickelt werden?

Der vierte KJAR-Kongress fand im Mai in den kurdischen Bergen statt. Vertreterinnen aus allen Bereichen analysierten die »Jin Jiyan Azadî«-Revolution (Proteste im Iran 2022, jW), diskutierten Perspektiven und wählten 15 Genossinnen in den Vorstand. Der Kongress bekräftigte die Bedeutung Abdullah Öcalans (Gründer der Arbeiterpartei Kurdistans, PKK, und seit mehr als 25 Jahren in türkischer Haft, jW) Philosophie für unseren Kampf gegen die Unterdrückung des Regimes und die Bedeutung von Bildung und Organisation für gesellschaftliche Veränderungen. KJAR ist zu einem Hoffnungsschimmer für Frauen geworden und strebt regionale und globale Allianzen an. Die Veranstaltung endete mit der Parole »Sieg der ›Jin Jiyan Azadî‹-Revolution, Aufbau einer demokratischen Gesellschaft und Freiheit für die Frauen«.

Die Zahl der Hinrichtungen und das Ausmaß der Repressionen gegen oppositionelle Aktivisten ist zuletzt wieder angestiegen. Wie stellt sich die Lage der Frauen im Iran aktuell dar?

Die »Jin Jiyan Azadî«-Revolution ist zu einer globalen Bewegung geworden, die viele Menschen vereint. Frauen spielen darin eine zentrale Rolle und sind brutalen Angriffen des iranischen Regimes ausgesetzt, darunter Vergiftung, Folter und Todesurteile. Allein im letzten Jahr wurden 829 Todesurteile gesprochen. Damit soll Angst verbreitet und die Kontrolle behalten werden. Der Staat nutzt Anschuldigungen wie Feindschaft gegen Gott oder Aufruhr, um die Unterdrückung zu rechtfertigen. Trotzdem wächst die Verbundenheit zwischen Gesellschaft und Gefangenen. Die Hinrichtung von Shirin Alam Holi (kurdische Aktivistin, jW) im Jahr 2010 löste große Proteste aus. Bis heute inspirieren Zeinab Jalalian und andere, brutaler Folter ausgesetzte weibliche Gefangene den Widerstand. Mit der internationalen Kampagne »Nein zur Hinrichtung, Ja zum freien Leben« kämpfen wir gegen die Exekutionen und für Freiheit.

Welche Auswirkungen erwarten Sie vor diesem Hintergrund nach dem tödlichen Hubschrauberabsturz des iranischen Präsidenten Ebrahim Raisi?

Raisi war bekannt für Hinrichtungen und die Unterdrückung von Andersdenkenden, besonders Frauen und Kurden. Sein Tod löste Freude bei Familien von Freiheitskämpfern aus und spiegelt den Widerstand gegen die Korruption des autoritären Regimes wider. Die brutale Unterdrückung, einschließlich der Massaker, der Gewalt gegen Frauen und Jugendliche, hat nachhaltige Spuren in der Gesellschaft hinterlassen. Trotz Verhaftungen und Einschränkungen: Wir kämpfen gegen eine tief verwurzelte patriarchale, sexistische, nationalistische und religiöse Mentalität des Iran.

Und welche Perspektiven gibt es für diesen gemeinsamen Kampf?

Einheit und gemeinsamer Kampf sind essentiell für unseren Widerstand. Der vierte KJAR-Kongress diskutierte Selbstorganisation, internationale Solidarität und Selbstschutz gegen die Gewalt des iranischen Regimes. Die »Jin Jiyan Azadî«-Revolution vereint Menschen verschiedener Nationen, Glaubensrichtungen und Gruppen im Kampf für Frauenbefreiung. Kollektive Anstrengungen zeigen das Potential für gesellschaftliche Veränderungen. Die Menschen wollen ein demokratisches System. Gegen das nationalstaatliche, kapitalistische System betont KJAR die Organisation, Bildung und Einheit der Frauen. Die weltweite Frauenbewegung verkörpert »Widerstand ist Leben« und die Zukunft gehört den Kämpferinnen für Freiheit und Demokratie.

Denîz Derya ist Vorstandsmitglied des Dachverbandes Gesellschaft der Freien Frauen Ostkurdistans (KJAR)

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