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Altona, südlich von Schweden

Von Andreas Gläser
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Malte Wilhelm (10) vom Hamburg-Eimsbütteler BC in Aktion

Neulich sind wir fix mit dem Flix nach Hamburg gefahren, wo der Besuch eines fünftklassigen Oberligaspiels lockte. Altona 93 (AFC) gegen den Hamburg-Eimsbütteler BC. Erster gegen Vierter. Schwarz-Weiß-Rot gegen Lila-Weiß. Es herrschten frühlingshafte Temperaturen, für nordische Verhältnisse fast schon sommerliche. Das Spiel war kein rauschendes Fest, dafür ist der AFC auch nicht bekannt; doch die knapp 2.000 Zuschauer hatten gute Laune, ich möchte behaupten, alle durchweg. Auch als wir unsere Berlin-Fahne am Zaun anbrachten, denn die trägt immerhin die AFC-Farben. Mit der Vereinsvorliebe in unserer Hauptstadt wollten wir die Gastfreundschaft nicht unnötig strapazieren. Zwei, drei subtilere BFC-Dynamo-Utensilien mussten genügen. In der Adolf-Jäger-Kampfbahn tragen viele Menschen gerne ihre AFC-fernen Klamotten zur Schau, allen voran die Leute vom FC St. Pauli, was den uns bekannten AFC-Fans schnuppe ist, sie tendierten früher zum HSV. Gut so. Wir tranken Bier und wurden mehrfach von jugendlichen AFC-Spielerinnen gebeten, die Becher zu spenden, denn sie sammelten für eine Reise nach Schweden.

Prima ist auch das schöne Programmheft, das gab es umsonst, mit einer Titelgeschichte über Jonathan Tah, dem Meister aus Altona, der jetzt in Leverkusen für Furore sorgt. In anderen Stadien kosten die Hefte zwei Euro und sind die reinste Werbewüste, mit wenigen redaktionellen Beiträgen – falls dieses Kulturgut überhaupt noch existent ist. Beim AFC hält man es mit der Tradition und möchte eigentlich auch in der Kampfbahn bleiben. Doch auf dem Gelände sollen in absehbarer Zeit Wohnhäuser hochgezogen werden. Der Verein bekommt ein neues Stadion, halbwegs im vertrauten Stadtteil, etwa 3,5 Kilometer entfernt, für 5.000 Zuschauer. Eng, steil und laut soll es sein. Ein Stadion, von dem man bei Hertha BSC träumt, mit einer Null hintendran. Zum 31. Dezember 2026 soll das Stadion fertig sein. Die Pläne seien ausgearbeitet, doch laut beobachtenden Fans täte sich auf der Baustelle nichts. Diese Aussagen klingen fast wie vor fünf Jahren, doch der Altonaer bleibt gelassen.

Wir tranken Bier, immer schneller, denn die Deerns sammelten fleißig. Auf dem Rasen ging es solide zur Sache. Ein mühsames 1:0 wurde bejubelt. Frei nach dem Motto: Kraft statt Kunst. Der AFC möchte aus dieser S-Bahn-Liga heraus in die Regionalliga Nord aufsteigen. Zwischen dem 24. Mai und 2. Juni steigen die Relegationsspiele gegen Werder Bremen II und SV Todesfelde. Spannend, spannend. Erst mal Bier kaufen und trinken, oder gleich wegkippen, denn da waren schon wieder die Sammler­innen. Einige Freaks forderten sich gegenseitig auf: Gib mal den Becher, ich will nach Schweden!

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