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Aus: Ausgabe vom 30.03.2024, Seite 8 (Beilage) / Feuilleton

Bratfisch

Von Maxi Wunder

Die ehemalige US-Vize-Außen-Tante Victoria Nuland (»Fuck the EU«) hatte im Januar in Kiew »nasty surprises« für Wladimir Putin in Aussicht gestellt. War das Attentat auf die »Crocus City Hall« in Moskau so eine böse Überraschung?

»Die Nuland ist jetzt weg vom Fenster«, konstatiert Roswitha. »Verabschiedet sich von der politischen Bühne mit der Ankündigung von Terroranschlägen und nennt die auch noch euphemistisch ›asymetric warfare‹. Nach der hat Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko die Tschaikowski-Straße umbenannt. Unfassbar!«

Wie so manches dieser Tage. »Was sagt denn dein lieber Gott zu all den Sauereien?« fragt mich Rossi. Sie hackt gelegentlich auf mir rum, weil ich fromm bin und sie das verachtet, was mir aber egal ist. Ich liebe ja meine Feindinnen, vor allem zu Ostern. »Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun«, antworte ich spröde. »Ach nee! Glaub’ ich keinen Moment, dass die nicht wissen, was sie tun. Damals wie heute wissen die das sehr genau, die Feiglinge. Dein Jesus war einfach viel zu nett. Ich sage: kein Vergeben, kein Vergessen!«

Toll. Ich bewundere Rossis Haltung, nur fürchte ich, dass sie mich bei meinem Naturell in den Knast oder in die Klapsmühle bringen würde. Was hat sie gegen die diplomatische und nervenschonende Alternative der Verzeihung? »Betrachtet das Ganze doch mal wissenschaftlich«, lenkt Udo ein. »Die Gewalttäter und ihre Propagandisten sind damals wie heute autoritäre Charaktere. Sie glauben, ihre Obrigkeit oder Anführer seien per se gut, und wenn man nur auf deren Seite steht, ist man automatisch auch gut, egal, was man macht. Das galt für die Römer, das galt für die Nazis, und das gilt heute für Nuland und Co. Blöd ist nur: Dadurch irren sich die Leute so leicht über gut und böse. Wer gut und böse verwechselt, weiß der noch, was er tut?«

»Ach so, Klassenkämpfe als Folge einer bedauerlichen Werteverwechslung in den Köpfen der Herrschenden«, meint Rossi ironisch. »Ich kriege langsam Hunger von so viel Verständnis. Was gibt es denn heute in der Themenküche, Maxi?« – »Eine Siegermahlzeit des Auferstandenen«, antworte ich trotzig. »Laut Lukas-Evangelium: Gebratener Fisch und Honig.«

Fischfilet in Honigkruste

Vier Buntbarschfilets abspülen und trocken tupfen. Mit Salz und Pfeffer würzen. In einer Pfanne drei EL Olivenöl erhitzen und zwei gehackte Knoblauchzehen darin anschwitzen. Gemahlenen Kreuzkümmel, gemahlenen Koriander und Paprikapulver – jeweils einen TL – hinzufügen und kurz anrösten. Die Fischfilets vorsichtig in die Pfanne geben und bei mittlerer Hitze von beiden Seiten goldbraun braten, bis der Fisch durchgegart ist. Während des Bratens zwei EL Honig über die Fischfilets träufeln, und sie damit bestreichen, damit der Fisch eine glänzende, süße Kruste erhält. Den Saft einer Zitrone gleichmäßig über den Fisch verteilen und kurz einkochen lassen, um die Aromen zu vereinen. Den gebratenen Fisch auf einer Servierplatte anrichten, mit frischer Petersilie garnieren und heiß servieren. Dazu Brot und Wein reichen.

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