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Aus: Ausgabe vom 24.02.2024, Seite 8 (Beilage) / Wochenendbeilage

Liberty

Von Maxi Wunder

In gefühlt jedem zweiten Satz kommen bei Annalena Baerbocks Presseauftritten die Worte »Wir haben deutlich gemacht« und »Freiheit« vor. Sie scheint erstens davon auszugehen, dass die anderen – wer auch immer ihr gerade zuhören musste – nicht klar sehen konnten und von Ihrer Majestät eine Lupe benötigten. Zweitens meint sie, stets daran erinnern zu müssen, um was es grundsätzlich und immer geht: Freiheit. Bei der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung wegen Teuergas und Ukraineaufrüstung wird das für viele zukünftig heißen, sich frei zu entscheiden, ob sie im Laden klauen oder sich bei der Tafel anstellen. Und das trotz zwei, drei Jobs. Dann ist es hier endlich wie in den vielgepriesenen »Staaten«.

Nicht wenige Menschen, die in den USA inhaftiert sind, genießen die Freiheit, die bis zu sechsstelligen Kosten ihrer Haftstrafe nach der Entlassung bezahlen zu dürfen. Wenn sie es nicht können, werden sie von neuem eingeknastet – diesmal wegen Schulden beim privaten Gefängnis.

Man darf in den USA Waffen tragen und seine Meinung sagen. Die Meinung ist dort heilig, Fakten sind es weniger, erst recht, wenn die für das Land unschmeichelhaft ausfallen, wie etwa die von Julian Assange aufgedeckten Kriegsverbrechen des US-Militärs in Irak und Afghanistan. Auf seine Recherche stehen 175 Jahre Haft. Allein dieses affige Addieren von Freiheitsstrafen jenseits aller Lebenswirklichkeit lässt leider nur eine Meinung zu: peinliche Justiz.

Ich gebe zu, USA-Bashing ist langweilig, und generell scheint es kindisch, irgend jemand zu verteufeln. Deutsche Kriegshetzer gegen Russland zum Beispiel. Man muss diese Leute verstehen: Wahrscheinlich haben sie einen Rüstungskonzern in ihrem Wahlkreis und brauchen dessen Wahlkampfspenden. Oder sie sitzen in den Lobbyorganisationen der Waffenschmieden. Dann profitieren sie privat von sich ausweitenden Dauerkriegen. Käte Strick-Dingsmann etwa mag sich denken: »Wenn der Krieg tatsächlich nach Berlin kommt, lass’ ich mich mit ein paar anderen von unserer Luftwaffe nach Hawaii ausfliegen. Dort gehe ich ins TV-Studio, setze mich vor ein Deutschlandfähnchen und rufe die deutsche Bevölkerung zum Kämpfen auf. In der übrigen Zeit genieße ich meine Milliönchen in der Südseesonne, schlürfe Cocktails und schreibe meine Memoiren mit dem Titel: ›Mein Krampf für die Freiheit. Putin will unser Magnesium.‹«

Es ist doch so: Als Kommunalabgeordnete versucht man die Installation einer Dorfampel durchzusetzen, damit das eigene Kind nicht auf dem Schulweg überfahren wird. Als Spitzenpolitikerin kämpft frau für eine Erhöhung ihres Kontostands in Panama von fünf auf sechs Millionen. Dafür muss sie in Talkshows eingeladen werden, in denen sie gebetsmühlenartig die Geschichte erzählt, die der freundliche Millionenüberweiser bestellt hat. Das ist eben Politik: Sich für seine Interessen einsetzen. Also für dem seine. Und natürlich meine … oder deine? Jedenfalls braucht man dafür Freiheit!

Liberty

Einen Boston-Shaker mit Eiswürfeln füllen. 60 ml Calvados, 30 ml weißen Rum, 15 ml Limettensaft sowie einen TL Zucker­sirup dazugeben. Shaken und in ein Cocktailglas abseihen.

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