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Aus: Ausgabe vom 23.02.2024, Seite 2 / Ausland
Krieg gegen Gaza

Ansarollah machen Meere dicht

Offizielles Schreiben an Reedereien. Rafah unter israelischen Bomben
Von Ina Sembdner
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Solange Israel seine Angriffe gegen den Gazastreifen nicht stoppt, kontrollieren die Ansarollah die Meere rund um Jemen (As-Salif, 28.11.2023)

Die Ansarollah im Jemen untersagen offiziell die Durchfahrt von Schiffen in den von ihnen kontrollierten Gewässern. Die Gruppe hat eigenen Angaben zufolge am Donnerstag ein Schreiben an Reedereien und Versicherungen mit Bezug zu Israel, den USA und Großbritannien geschickt. Darin verbieten sie die Durchfahrt durch das Rote Meer, den Golf von Aden und das Arabische Meer, falls die Transporte mit Israel in Zusammenhang stehen. Es ist das erste formale Schreiben der Ansarollah an die Schiffahrtsbranche, seit sie im Oktober mit Angriffen auf israelbezogene Frachtschiffe begonnen haben. Sie fordern ein Ende der Angriffe Israels auf den Gazastreifen.

Der zionistische Staat bombt unterdessen weiter auch den südlichsten Teil der palästinensischen Enklave in Schutt und Asche. Mehr als die Hälfte der insgesamt 2,3 Millionen Einwohner harrt dort unter kata­strophalen Bedingungen aus – meist in Zelten und vollkommen schutzlos. So machten israelische Bomben auf Rafah nach Angaben von ­Reuters eine Moschee dem Erdboden gleich und zerstörten Häuser in einer Nacht, die die Bewohner als eine ihrer schlimmsten Nächte bezeichneten. Laut der Gesundheitsbehörde in Gaza wurden innerhalb von 24 Stunden 97 Menschen getötet und 130 verwundet. Die meisten Opfer befänden sich noch unter Trümmern oder in Gebieten, die die Rettungskräfte nicht erreichen konnten. Die Zahl der insgesamt in viereinhalb Monaten getöteten Palästinenser liegt mittlerweile bei offiziell knapp 30.000.

Vertriebene, die in Rafah nahe der ägyptischen Grenze Zuflucht gesucht haben, sagen, dass sie nirgendwo mehr hingehen können. In der Zwischenzeit ist die ohnehin spärliche Hilfe fast vollständig versiegt. Die Leiter der wichtigsten UN-Hilfsorganisationen forderten in einem Schreiben einen sofortigen humanitären Waffenstillstand und warnten davor, dass eine weitere Eskalation in Rafah zu einem Massensterben führen würde. »Krankheiten sind weit verbreitet. Es droht eine Hungersnot. Das Wasser ist ein Rinnsal. Die Basisinfrastruktur wurde dezimiert. Die Nahrungsmittelproduktion ist zum Stillstand gekommen. Die Krankenhäuser haben sich in Schlachtfelder verwandelt«, schreiben sie.

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