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Aus: Ausgabe vom 21.11.2023, Seite 7 / Ausland
Nahostkonflikt

Kaperkrieg im Roten Meer

Jemen: Ansarollah setzen zur Unterstützung der Palästinenser Frachter fest
Von Knut Mellenthin
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In der Gewalt der Ansarollah: Der Frachter »Galaxy Leader« (Koper/Slowenien, 16.9.2008)

Die Ansarollah-Streitkräfte des Jemen haben am Sonnabend im Roten Meer ein Frachtschiff unter ihre Kontrolle gebracht, das sich auf dem Weg von der Türkei nach Indien befand, und es in einen jemenitischen Hafen dirigiert. Die Aktion wird offiziell damit begründet, dass die gekaperte »Galaxy Leader« ein israelisches Schiff sei. Solche Frachter seien ein legitimes Ziel, solange Israel seinen Krieg gegen die palästinensische Bevölkerung des Gazastreifens fortsetzt, erklärte am Sonntag ein Sprecher. Der Leiter der Ansarollah-Bewegung, Abd Al-Malik Al-Huthi, hatte am vorigen Dienstag angekündigt, dass alle Schiffe im Roten Meer und insbesondere in der Meerenge von Bab Al-Mandab angegriffen würden, die in israelischem Besitz sind, für israelische Unternehmen unterwegs sind oder unter israelischer Flagge fahren. Die vom Iran unterstützte schiitische Organisation regiert den größten Teil Jemens einschließlich der Hauptstadt Sanaa.

Israels Premierminister Benjamin Netanjahu verurteilte die Festsetzung der »Galaxy Leader« sofort nach deren Bekanntgabe als »weiteren Akt des iranischen Terrorismus«, in dem sich »ein Sprung vorwärts der Aggression Irans gegen die Bürger der freien Welt« zeige. Die Aktion habe »internationale Auswirkungen für die Sicherheit der globalen Schiffahrtswege«. Das Büro des Regierungschefs bestritt außerdem, dass die »Galaxy Leader« irgend etwas mit Israel zu tun habe. Auch unter den Besatzungsmitgliedern seien keine Israelis, was allerdings niemand behauptet hatte. Im Gegenzug wies der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Nasser Kanani, die Vorwürfe als völlig unbegründet zurück. »Wir haben mehrfach erklärt, dass die Widerstandsgruppen in der Region ihre Länder repräsentieren und ihre Entscheidungen aufgrund der Interessen ihrer Länder treffen.«

Nach übereinstimmenden Angaben internationaler Medien ist die »Galaxy Leader« ein Transportschiff für Autos, befand sich aber gerade auf einer Leerfahrt. Ihre Crew bestand aus 25 Personen, darunter Staatsbürger der Phi­lippinen, Bulgariens, der Ukraine, Rumäniens und Mexikos. Sie werden nun im Jemen festgehalten und vernommen, wie es dort heißt. Verletzt worden sei bei der Militäraktion niemand. Die »Galaxy Leader« ist als Eigentum der internationalen Firma Ray Car Carriers eingetragen, deren Muttergesellschaft ganz oder teilweise dem israelischen Geschäftsmann Abraham »Rami« Ungar gehört.

Das unter der Flagge der Bahamas fahrende Schiff ist von einem japanischen Unternehmen namens Nippon Yusen gechartert. Dessen Sprecher teilte am Montag mit, Japan stehe in Kontakt mit Israel und Ansarollah und bemühe sich außerdem um Unterstützung Saudi-Arabiens, Omans und Irans, um eine rasche Freigabe des Schiffs und seiner Crew zu erreichen. Ein nicht namentlich genannter Militärsprecher der USA bezeichnete die Beschlagnahme der »Galaxy Leader« nach Angaben der britischen Tageszeitung Guardian als »flagrante Verletzung internationalen Rechts«. »Wir verlangen die sofortige Freigabe des Schiffs und seiner Besatzung. Wir werden mit unseren Verbündeten und mit unseren Partnern in der UNO die angemessenen nächsten Schritte beraten.«

Die Ansarollah sind ebenso wie die libanesische Hisbollah und mehrere schiitische Milizen im Irak Bestandteil der um den Iran gruppierten »Achse des Widerstands«, die die palästinensischen Kampforganisationen Hamas und Islamischer Dschihad im Gazastreifen unterstützt. Seit Kriegsbeginn wurden aus dem Jemen mehrere Dutzend Raketen und Drohnen Richtung Israel abgeschossen, von denen aber höchstens eine einen geringfügigen Sachschaden verursachte. Die meisten Geschosse verfehlten ihre Ziele oder wurden von der Luftabwehr zerstört. Auch US-Kriegsschiffe meldeten zwei Abschüsse.

Vor diesem Hintergrund sahen sich bisher weder Israel noch die USA zu »Vergeltungsschlägen« gegen den Jemen veranlasst. Die Beschlagnahme der »Galaxy Leader« könnte aber eine militärische Konfrontation zur Folge haben.

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