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29.09.20232 Leserbriefe
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Kanadas Premier: Naziehrung »Fehler«
Ottawa. Nach der Ehrung eines ukrainisch-kanadischen SS-Veteranen am Freitag im kanadischen Parlament in Ottawa hat Premierminister Justin Trudeau am Mittwoch (Ortszeit) um Entschuldigung gebeten. Die Würdigung Jaroslaw Hunkas als »Held« während eines Besuchs des ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenskij sei ein »schrecklicher Fehler« gewesen. Nach Protesten insbesondere jüdischer Organisationen war am Dienstag bereits Parlamentspräsident Anthony Rota zurückgetreten. Wie das Außenministerium in Berlin bestätigte, hatte auch die deutsche Botschafterin an der Ehrung teilgenommen. Trudeau erklärte, es sei »beunruhigend, dass dieser Fehler von Russland instrumentalisiert wird, um falsche Propaganda darüber zu verbreiten, wofür die Ukraine kämpft.« Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten zahlreiche Nazikollaborateure Zuflucht in Kanada gefunden. (jW)
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Onlineabonnent*in Manfred G. aus H. 5. Okt. 2023 um 19:57 UhrWenn man öffentlich sagt, der Kriegsveteran hat damals auf Seiten der Ukraine gegen Russland gekämpft, dann bedeutet das, dass er auf der Seite der Nazis gekämpft hat und nix anderes. Eine Entschuldigung ist nur ein primitives politisches Manöver, weil sie die Grundhaltung nicht verändert: Unterstützung der ukrainischen Faschisten.
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Andrej Reder 5. Okt. 2023 um 13:08 UhrDer kanadische Premier entschuldigte sich für die Würdigung des ukrainisch-kanadischen SS-Veteranen Jaroslaw Hunkas im kanadischen Parlament als »Held«. Dies sei ein schrecklicher »Fehler« gewesen. Beunruhigend sei für Trudeau allerdings, dass Russland diesen Fehler für falsche Propaganda instrumentalisiert.
Mehr als beunruhigend ist vielmehr, dass dieser SS-Held Zuflucht in Kanada fand, für seine Verbrechen nie zur Verantwortung gezogen wurde und in Anwesenheit von Präsident Selenskij nach Jahrzehnten als »Held« glorifiziert wurde. Beunruhigend ist auch, dass das Unentschuldbare nun als ein »schrecklicher Fehler« herabgestuft wurde. Schrecklich waren die Verbrechen der SS von damals, aber nicht weniger beunruhigend ist, dass die herangewachsene Generation von Neonazis in den baltischen Staaten und in der Ukraine in die Fußstapfen der faschistischen Schutzstaffel tritt.
Hat sich eigentlich das ukrainische Staatsoberhaupt von seiner frenetischen Begeisterung über die Ehrung von Hunkas distanziert?
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