3 Monate jW-digital für 18 Euro
Gegründet 1947 Sa. / So., 28. / 29. January 2023, Nr. 24
Die junge Welt wird von 2701 GenossInnen herausgegeben
3 Monate jW-digital für 18 Euro 3 Monate jW-digital für 18 Euro
3 Monate jW-digital für 18 Euro
Aus: Ausgabe vom 06.12.2022, Seite 10 / Feuilleton
Literatur

Innenwelt der Außenwelt der Innenwelt

Peter Handke zum 80. Geburtstag
Literaturnobelpreist_75592312.jpg
Will meist lieber nicht gestört werden: Peter Handke, Literaturnobelpreisträger, Geburtstagskind

»Ich habe hier noch nicht alles gesehen«, schrieb der Literaurnobelpreisträger Peter Handke 1978 in eines seiner dicht beschriebenen Notizbücher, das noch im November als Faksimile veröffentlicht wurde. Seit 1975 hat er etwa 360 solcher Bücher mit Eindrücken, Gedanken, Satzideen und Zeichnungen gefüllt.

Geboren wurde Handke 1942 in Griffen, einer kleinen Gemeinde in Kärnten, nicht weit von der Grenze zum heutigen Slowenien. Mütterlicherseits gehörte die Familie zur slowenischsprachigen Bevölkerung.

Nach Kindheitsjahren zwischen Berlin und Kärnten begann Peter Handke schon im Gymnasium mit dem Schreiben. Sein Jurastudium brach er 1965 ab, nachdem der Suhrkamp Verlag seinen ersten Roman »Die Hornissen« zur Veröffentlichung angenommen hatte. Im selben Jahr sorgte sein Theaterstück »Publikumsbeschimpfung« in Frankfurt für Aufregung, da die Zuschauer genau dem ausgesetzt wurden, was der Titel versprach.

Zu Handkes Prosaklassikern zählen »Wunschloses Unglück«, das er nach dem Suizid seiner Mutter verfasste, sowie »Die Angst des Tormanns beim Elfmeter«. Dieses Buch wurde von Wim Wenders verfilmt.

Bei dem Begräbnis des ehemaligen serbischen Staatspräsidenten Slobodan Milosevic hielt Handke 2006 eine Rede. Anfechtungen gegen Handke und Personenschutz für ihn waren die Folge. Als die antiserbische Debatte im Jahr 2019 anlässlich der Verleihung des Literaturnobelpreises an Handke wieder aufgekocht wurde, reagierte er wie gewohnt souverän: »Ich bevorzuge Toilettenpapier, anonyme Briefe mit Toilettenpapier im Inneren, gegenüber Ihren leeren Fragen«, sagte er zu einem Journalisten in Stockholm. Bei seiner Nobelpreisvorlesung erzählte er, wie ihm bei einer anderen Preisverleihung in Norwegen einer seiner Bodyguards seine selbst verfassten Gedichte vorgelesen hatte: »Das waren sämtlich Liebesgedichte, sehr zarte«, sagte Handke, der am 6. Dezember 80 Jahre alt wird. (dpa/jW)

Siehe auch Gerd Schumann über Peter Handkes Notizbücher in der Wochenendbeilage der jW vom 3.12.

Aufklärung statt Propaganda

Die Tageszeitung junge Welt liefert Aufklärung statt Propaganda! Ihre tägliche Berichterstattung zeigt in Analysen und Hintergrundrecherchen auf, wer wie und in welchem Interesse handelt. Jetzt das Aktionsabo zum Preis von 75 Euro für 75 Ausgaben bestellen!

Mehr aus: Feuilleton

Startseite Probeabo