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Aus: Ausgabe vom 12.11.2022, Seite 8 (Beilage) / Wochenendbeilage

Rote-Bete-Kokos-Suppe

Von Maxi Wunder

»Ach, nicht doch! Schon wieder Suppe?« Doris ist enttäuscht. »Hab’ mich auf Arbeit den ganzen Tag auf Rindfleisch zum Abendbrot gefreut, Udo.« – »Nein, Doris, wir müssen mit der Zeit gehen. Eiweiß bezieht man in Zukunft aus Quallen, Algen und Grillen. Brot backe ich uns aus Insektenmehl. Das ist umweltfreundlich. Mehlwürmer zum Beispiel brauchen viel weniger Wasser als Weizen und sind reich an Proteinen und ungesättigten Fettsäuren …« – »Mehlwürmer???!« Doris starrt ihren Freund an mit diesem Wie-konnte-ich-dich-jemals-lieben-Gesicht.

Szenen einer Ehe. Roswitha ist das immer peinlich, und auch ich muss sagen, empfehlenswert ist es nicht, als Singlefrauen mit einem Paar zusammenzuleben. Um so weniger, wenn einer der beiden ein Ökomagazin abonniert hat. Aber zum Glück sind wir nicht angekettet. »Lass uns zum Imbiss gehen«, schlage ich Rossi leise vor. »Ich geh’ zum Imbiss!«, brüllt Doris aus dem Flur. Rumms! Mist. Was jetzt? Doris hinterhergehen und Udo verprellen?

»Na, Mädels, kommt doch rein, es ist angerichtet! Meine Liebste speist heute ›outdoor‹. Da gibt’s für jeden eine Kelle mehr aus dem ›vertical-farming‹-Sortiment!« Sehr komisch. Wir versuchen, aus sicherer Entfernung einen Bick in den Topf zu werfen, der auf dem Tisch dampft wie der Hexenkessel in ›Macbeth‹. Die Oberfläche der darin schwimmenden rosa Flüssigkeit ist mit etwas Weißlich-Transparentem bedeckt. »Meinst du, das lebt noch?«, fragt mich Rossi ängstlich. »Das sind Quallen, glaub’ ich«, flüstere ich ihr zu. »Udo? Sind das Offshore-Medusen oder Indoor-Medusen aus wassersparenden Solequellbecken?« frage ich gespielt locker. Meine marginalen Kenntnisse über wokes Superfood beziehe ich aus der Wurm und Made, die neuerdings im Wartezimmer meines Hals-Nasen-Ohrenarztes ausliegt. »Bitte?« Udo schaut ratlos in den Topf. »Zu meiner Zeit nannte sich das rote Rüben und Radieschen, aber wenn ihr meint …« Och, wir meinen gar nichts!

Eine Zwiebel, zwei Knoblauchzehen, 20 g Ingwer und 500 g rote Bete schälen und fein würfeln. Zwei kleine Chilischoten entkernen und hacken. Zwiebel, Knofi, Ingwer und Chili in einem Topf in etwas Öl andünsten. Rote-Bete-Würfel und drei Limettenblätter sowie je ein TL Kreuzkümmel, Koriander- und Fenchelsamen dazugeben und kurz mitdünsten. 400 ml Gemüsebrühe und 400 ml Kokosmilch zugießen und aufkochen. 30 bis 40 Minuten bei geringer Hitze im geschlossenen Topf köcheln lassen, bis die rote Bete weich ist. Währenddessen für das Topping die Schale einer Bio-Limette abreiben und den Saft auspressen. Vier Radieschen in feine Scheiben schneiden. Die Blättchen von zwei Stengeln Minze und evtl. zwei Stengeln Koriander fein hacken. Radieschenräder, gehackte Kräuter und Limettenabrieb mit einem TL Zucker und zwei EL Limettensaft mischen und beiseite stellen. Die Suppe pürieren und mit ein paar Spritzern Limettensaft und zwei EL heller Sojasauce abschmecken. Am Schluss die Radieschen-Kräutermischung darübergeben.

Doris taumelt in die Küche. Sie ist grün im Gesicht. »In meiner Currywurst war, da war eine tote …« Udo liebenswürdig: »Made?«

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