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Aus: Ausgabe vom 08.11.2022, Seite 1 / Ausland
Klimakrise

COP 27: Kritik an westlicher Energiepolitik

UN-Generalsekretär mahnt zu Kooperation. Afrika prangert Nutzung als »Tankstelle« an
Von Ina Sembdner
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»Gemeinsam für die Umsetzung«: Motto der UN-Klimakonferenz in Ägypten (Scharm El-Scheich, 7.11.2022)

Mit einer drastischen Warnung vor den Folgen der Erderwärmung hat UN-Chef António Guterres auf dem Weltklimagipfel die internationale Gemeinschaft zum Handeln aufgerufen. »Die Menschheit hat die Wahl: kooperieren oder untergehen«, sagte Guterres am Montag auf der COP-27-Konferenz in Ägypten. Trotz jahrzehntelanger Klimagespräche seien zu wenige Fortschritte gemacht worden, die Länder handelten zu langsam oder nur widerwillig. »Wir sind auf einem Highway in die Klimahölle und haben den Fuß auf dem Gaspedal«, so der UN-Generalsekretär bei seiner Rede in Scharm El-Scheich. Guterres forderte einen Pakt zwischen den reichsten und ärmsten Ländern der Erde, um den Übergang von fossilen Brennstoffen zu klimafreundlichen Energien zu beschleunigen.

Auch müsse sichergestellt werden, dass ärmere Länder ihre Emissionen reduzieren und mit den unvermeidlichen Auswirkungen fertig werden können. Wie der ärmste und von den Folgen überdurchschnittlich stark betroffene afrikanische Kontinent seine Emissionen von vier Prozent noch verringern soll, erklärte Guterres nicht. Mohammed Adow ging noch einen Schritt weiter. Der Direktor des Energie- und Klima-Thinktanks »Power Shift Africa« kritisierte am Montag bei einer Pressekonferenz, dass die EU den Kontinent als »Tankstelle« nutze, um Alternativen zu russischen Importen zu finden. Das binde Afrika an umweltschädliche fossile Brennstoffe. Konkret richtete Adow seine Kritik an Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD): Deutschland und die EU bemühten sich um neue Gaslieferungen aus Ländern wie Algerien und Senegal, und Energiekommissarin Kadri Simson habe das nordafrikanische Land ermutigt, mehr Gas zu fördern. »Die Botschaft, die wir an Scholz senden wollen, wenn er hierherkommt, ist, dass die Zeit des Kolonialismus vorbei ist. Wir werden keinen Energiekolonialismus akzeptieren.«

Auf dessen Programm stand zunächst eine Rede vor dem Konferenzplenum, gefolgt von multilateralen Treffen. An diesem Dienstag richtet Scholz im Rahmen der deutschen G7-Präsidentschaft konzipierte Veranstaltungen zum Thema klimabedingte Schäden und Verluste aus.

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Josie M. aus 38448 Wolfsburg ( 8. November 2022 um 11:43 Uhr)
    Dank an Ina Sembdner für diese prägnante Zusammenfassung der Aussagen zum Auftakt der »COP 27« und der »Kritik an westlicher Energiepolitik«, siehe: Mohammed Adow: »Der Direktor des Energie- und Klima-Thinktanks ›Power Shift Africa‹ kritisierte am Montag bei einer Pressekonferenz, dass die EU den Kontinent als ›Tankstelle‹ nutze, um Alternativen zu russischen Importen zu finden. Das binde Afrika an umweltschädliche fossile Brennstoffe. Konkret richtete Adow seine Kritik an Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD): Deutschland und die EU bemühten sich um neue Gaslieferungen aus Ländern wie Algerien und Senegal, und Energiekommissarin Kadri Simson habe das nordafrikanische Land ermutigt, mehr Gas zu fördern. ›Die Botschaft, die wir an Scholz senden wollen, wenn er hierherkommt, ist, dass die Zeit des Kolonialismus vorbei ist. Wir werden keinen Energiekolonialismus akzeptieren.‹« – Ja, das scheint mir der entscheidende Hinweis nicht nur für Olaf Scholz und die Energiekommissarin Kadri Simson zu sein. Wir können uns mit keinem »Doppel-Wumms« mehr aus der Affäre ziehen. Von wegen: »Macht euch die Erde untertan.« Die Natur rächt sich am mangelnden Respekt der Hybris des »Homo Sapiens« und seiner Ignoranz ihr gegenüber und für die Durchsetzungsversuche gegenüber grundsätzlich »anderen Interessen«. – Wie hieß doch noch der indigene Häuptling, der fragte: »Wann lernt ihr lernen, dass man Geld nicht essen kann?«

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