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Aus: Ausgabe vom 20.08.2022, Seite 6 / Inland

Künstlermagnet des Tages: GlobaLE

Von Michael Merz
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Engagierter Filmemacher: Oliver Stone

Ein warmer Sommerabend auf einer Wiese am Leipziger Elsterbecken am Donnerstag. Es ist Freiluftkino. Prima, da stören auch raschelnde Chipstüten und hüstelnde Zuschauer weniger. Der Film läuft. Dann gesellen sich sechs junge Leute am Rande hinzu, die möglichst derb auf Trommeln dreschen, sie nennen sich deutsch-ukrainische Künstlergruppe »Óstov Collective«. An der Kunst ihres Schlagzeugspiels müssen sie noch feilen. Schade, dass sie das Takthalten ausgerechnet zur Aufführung von Oliver Stones Doku »Ukraine on Fire« üben müssen. Vielleicht proben sie auch die Anzettelung eines Euromaidan in Leipzig, jedenfalls wird es schnell handgreiflich. Der lauschige Abend ist atmosphärisch unterbrochen, bis Polizei und Ordnungsamt anrücken. Dann kann der Film weiterlaufen.

Die Bambule war abzusehen. Der Film von Hollywoodlegende Stone (Foto) ist zwar von 2016, aber er enthält Sequenzen, die am Heldenimage der Ukraine kratzen und den Trommelkünstlern aufs Gemüt schlagen: Neonazis, die in Kiew den vom Westen geförderten Putsch von 2014 vorantreiben, oder das Massaker im Gewerkschaftshaus von Odessa im selben Jahr. Und dann ein Interview mit Putin! Was erlauben, Herr Stone! Das geht ja wohl gar nicht – historische Fakten und vielfach verliehene Oscars hin oder her, dachte sich auch die Stadt Leipzig und distanzierte sich schon vor der Filmschau via Twitter: »Wir unterstützen die Ukrai­ne und unsere Partnerstadt Kiew nach Kräften gegen die brutale russische Aggression«, heißt es da.

Das globalisierungskritische Festival »GlobaLE« läuft noch bis zum 1. November und hat weiterhin einige Leckerbissen auf dem Programm, die nicht jedem schmecken werden. Etwa am 22. September den Film »Silence Breakers« über das israelische Besatzungsregime. Jutta Ditfurth, Sie werden an der Trommel verlangt!

https://www.globale-leipzig.de

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Erich Rainer K. aus Potsdam (20. August 2022 um 21:16 Uhr)
    Die Ultranationalisten in Kiew, die auch mit Faschisten im eigenen Lager kein Problem haben, beobachten offenbar das Geschehen in Europa genau. In Leipzig wurden bezahlte Claqueure gegen das Filmfestival aktiviert, die verhindern sollten, was nicht zu verhindern war: die Wahrheit über die Vorgänge, die im Westen als »Euromaidan« heroisiert werden und die doch nur ein blutiger und reaktionärer Putsch gegen die rechtmäßige Administration in der Ukraine war. Das US-Regime und seine europäischen Vasallen haben es sich etwas kosten lassen, das Land, das an Russland grenzt, zu destabilisieren. Die heutige Situation geht somit auf deren Konto.