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Aus: Ausgabe vom 27.07.2022, Seite 8 / Ansichten

Aufreger des Tages: Naziordner beim CSD

Von Jan Greve
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»Schwarze Sonne« und offenbar stolz darauf: Einer der Ordner beim CSD am Samstag in Berlin

Es sind Events wie diese, bei denen sich das liberale Bürgertum die eigene Aufgeklärtheit attestiert: Beim Christopher Street Day zogen am Sonnabend Hunderttausende durch Berlin, um für LGBTIQ-Rechte zu demonstrieren. So wichtig die Forderung, so verquer das infantile Pathos, das von den Ideologieproduzenten drumhe­rum bemüht wird. »Mit Konfetti und Liebe gegen Hass und Krieg«, titelte tagesschau.de stellvertretend für die Bürgerblätter. Die auf dem CSD lautstark vertretene Forderung nach Waffenlieferungen an die Ukraine, also eine Verlängerung des dortigen Kriegs um den Preis steigender Opferzahlen, bringt solche Leute nicht zum Nachdenken.

Am Dienstag dann aber doch noch Aufregung: Beim CSD sollen mehrere Ordner mit einschlägigen Nazitätowierungen eingesetzt worden sein. Julius Geiler vom Tagesspiegel war angesichts der Story so erregt, dass er versehentlich eine neue Partei ins Leben rief: »Justizsenatorin Lena Kreck (Lena) habe (…) darauf gedrungen, ›dass geeignete Maßnahmen (zur Aufklärung) ergriffen werden‹«, wusste er zu berichten. Zugegeben: Die Zugehörigkeit von Leuten wie Kreck zu einer Partei namens Die Linke muss nicht auffallen, wenn sie mit linker Politik nichts am Hut haben. Und »Lena« klingt natürlich auch viel besser.

Zurück zum Geschehen: Neben der Senatorin zeigten sich auch die CSD-Organisatoren über den Vorfall »entsetzt«. Bemerkenswerter war die Reaktion einer der inkriminierten »Sicherheitsfirmen« via Facebook: Der Mitarbeiter mit Schwarze-Sonne-Tattoo habe versichert, dass er den Wert der »Wichtigkeit einer diversen Gesellschaft« teile. »Die ausgesprochenen Werturteile« empfinde man dagegen »als Schädigung unseres Unternehmens und der Persönlichkeit eines jeden einzelnen Mitarbeiters«. Auch Nazis haben also Gefühle. Wenn sie jetzt noch Konfetti schmeißen, wird das die Bürgerpresse sicher goutieren.

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