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Aus: Ausgabe vom 04.07.2022, Seite 5 / Inland
Arbeitsverhältnisse

Entwertete Handwerksjobs

FU Berlin: Verdi-Betriebsgruppe fordert fachgerechte Lohneingruppierung
Von Oliver Rast
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Westberliner Hochschule: Baufällig wirkt der Campus noch nicht, Ausbesserungsarbeiten fallen dennoch regelmäßig an

Kaputtgehen kann vieles, und schnell sollen Defekte behoben werden. Wer macht das? In privaten Unternehmen oder öffentlichen Einrichtungen Betriebshandwerker, bestenfalls gelernte berufsmäßig. Und rund um die Uhr, in permanenter Rufbereitschaft. So auch an der Freien Universität Berlin (FU). Das ist auch nötig, viele Heizungs- und Kühlungsanlagen in Laboren für Forschungszwecke etwa würden sonst bei »Macken« länger ausfallen. Ein Schaden gleichfalls für das Image einer Hochschule samt Folgekosten für verschleppte Mangelbeseitigung und Nachbesserungen.

Nur, zwischen den Reparateuren im Arbeitsoverall und den Chefs der Technischen Abteilung der Lehranstalt gibt es Zoff, der sich nun zuzuspitzen scheint. Das teilte die Verdi-Betriebsgruppe der FU am vergangenen Freitag in einem Statement mit. Der Grund des Konflikts: Die Entgeltgruppen der Betriebshandwerker, das heißt deren lohnspezifische Eingruppierung. Denn immer mehr von ihnen werden den Verdianern zufolge seitens der Technischen Abteilung zu niedrig eingruppiert, statt in die Entgeltgruppe (EG) 7 in die EG 6 bzw. EG 5. Offenbar kein neues Phänomen, eine Art Drei-Klassen-Entlohnungsmodell innerhalb eines Gewerks durchzudrücken: »Seit 2017 hat sich der Anteil der Beschäftigten mit der Lohngruppe 7 in der Rufbereitschaft nahezu halbiert«, schreibt die Verdi-Betriebsgruppe. Somit seien zwangsläufig immer mehr Beschäftigte mit der EG 5 und 6 bei Rufbereitschaftseinsätzen mit höherwertigen Aufgaben konfrontiert, »werden aber nicht ihren Aufgaben entsprechend mit der Entgeltgruppe 7 vergütet«.

Der Personalrat Dahlem hatte nun die Faxen dicke, lehnte bereits die Rufbereitschaftspläne für die Monate Mai und Juni 2022 in den FU-Bereichen Dahlem-Nord und Botanischer Garten ab. Die fachgerechten Wartungsarbeiten dürften nicht weiter entwertet werden, sagte einer der betroffenen FU-Handwerker am Sonnabend im jW-Gespräch. Und müssten analog entlohnt werden, um die sich längst abzeichnende Personalnot bei Blaumännern und -frauen nicht noch zu verschärfen. Weil: Laut Zentralverband des Deutschen Handwerks fehlen hierzulande allein in dieser Branche bis zu 250.000 Kolleginnen und Kollegen, wurde eine Verbandssprecherin am Sonntag von dpa zitiert. »Tendenz steigend.«

Hinzu kommt, so die Verdi-Betriebsgruppe: Die Uni-eigenen Handwerker hätten überwiegend noch nicht einmal alle Rufbereitschaftszulagen aus dem Jahr 2021 erhalten. In summa Lohnrückstände von bis zu 1.000 Euro und mehr pro Person. Ferner fordern die engagierten Gewerkschafter, die Arbeitsklamotten »wieder mit der Beschriftung ›Betriebstechnik‹ statt ›Service‹ zu versehen«, und nicht zuletzt auf den Lohnstreifen. Das sei keine Lappalie, »denn die Bezeichnung der Tätigkeit muss aus arbeitsrechtlichen Gründen der ausgeübten Tätigkeit und dem Bereich entsprechen«. Die Pressestelle der FU war am Sonntag zwecks jW-Nachfragen nicht erreichbar.

Wie geht es weiter? Nach Informationen dieser Zeitung verhandeln Personalrat und Technische Abteilung am Mittwoch vormittag erneut über Eingruppierungsfragen der FU-Handwerker. Das Ziel bleibt: Aufwertung der Jobs der Reparateure.

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