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Aus: Ausgabe vom 15.06.2022, Seite 2 / Kapital & Arbeit
Steigende Lebenshaltungskosten

Teuerungsrate auf Rekordniveau

Inflation bei 7,9 Prozent. Energie- und Lebensmittelpreise steigen drastisch
Von Raphaël Schmeller
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Mittlerweile ein Luxusgut: Auch die Brotpreise sind in den vergangenen Monaten stark gestiegen

Teures Tanken und immer höhere Preise für Grundnahrungsmittel wie Brot und Öl: Das Leben in der BRD verteuert sich seit einigen Monaten konstant. Im Mai lagen die Verbraucherpreise nun um 7,9 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Eine so hohe Inflation gab es im »wiedervereinigten« Deutschland noch nie. In der BRD muss man bis in den Winter 1973/1974 zurückblicken, um ähnlich hohe Werte zu finden. Damals waren die Energiepreise aufgrund der ersten Ölkrise gestiegen.

Die aktuellen Preiserhöhungen sind vor allem auf die auch infolge des ­Ukraine-Kriegs gestiegenen Energiepreise zurückzuführen. Im Mai mussten die Menschen in der BRD für Energie 38,3 Prozent mehr zahlen als noch vor Jahresfrist. Heizöl war fast doppelt so teuer wie im Mai 2021. Erdgas verteuerte sich um mehr als die Hälfte. Auch die Preise für Kraftstoffe (41 Prozent) und Strom (21,5 Prozent) zogen deutlich an.

Lieferengpässe, aber auch Spekulation sorgen zudem dafür, dass Preise auch für viele andere Waren anziehen. Lebensmittel verteuerten sich um 11,1 Prozent. Damit verstärkte sich der Preisauftrieb nach 8,6 Prozent im April noch einmal kräftig. Es gebe »Preiserhöhungen in fast allen Bereichen«, stellten die Statistiker in ihrem Bericht fest.

Armutsforscher Christoph Butterwegge erklärte am Dienstag gegenüber jW, dass einkommensschwache Haushalte von der gegenwärtigen Teuerungswelle am stärksten betroffen seien. »Aus der Energie- und Ernährungsarmut von immer mehr Personen kann leicht absolute Armut werden.« Wenn der Staat nicht konsequent gegensteuere, würde die Armut mit der anhaltenden Inflation zunehmend in die Mitte der Gesellschaft vordringen und sich verfestigen, so Butterwegge, der vor bereits stattfindenden »Verelendungstendenzen« warnte. Nach dem Gießkannenprinzip vergebene Finanzhilfen – wie der Steuerzahler mit und ohne Auto drei Milliarden Euro kostende Tankrabatt – seien nicht zielführend, kritisierte Butterwegge.

Entspannung ist derweil nicht in Sicht. Die Verkaufspreise im Großhandel, die auf die Verbraucherpreise wirken, waren nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts im Mai um 22,9 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Von April auf Mai dieses Jahres stiegen die Großhandelspreise um ein Prozent.

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