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Aus: Ausgabe vom 25.05.2022, Seite 10 / Feuilleton

Lendrich, Beyer, Moers

Von Jegor Jublimov
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Immer mal Trouble mit der Politik: Frank Beyer (1989)

Als Agnes Kraus 1984 die Titelrolle in der Serie »Mensch, Oma!« spielte, gab es dazu auch einen Opa. Den spielte Walter Lendrich, einer der meistbeschäftigten Nebendarsteller bei Film und Fernsehen in der DDR. Am kommenden Freitag vor 110 Jahren wurde er in Arnstadt geboren und starb 1999. Als er 1952 bei Wolfgang Langhoff und Herbert Jhering am Deutschen Theater vorspielte, sahen sie in ihm den modernen Schauspieler, den sie suchten. Er blieb dem Haus mehr als vier Jahrzehnte lang in den Inszenierungen von Langhoff, Heinz Hilpert, Benno Besson oder Manfred Wekwerth treu. Vor der Kamera war der Apotheker Gieshübler neben Angelica Domröse als »Effi Briest« (1970) ebenso eine bemerkenswerte Rolle wie in »Hochzeit in Weltzow« (1979) die des Großbauern Dickopp, der sich bei Frau und Tochter (Carola Braunbock, Franziska Troegner) nur schwer durchsetzen kann.

Lendrich wurde immer wieder in Egon Günthers Filmen besetzt (u. a. »Lotte in Weimar«, 1974), spielte aber nur einmal bei Frank Beyer in dem Antikriegsfilm »Königskinder« (1962). Der 2006 verstorbene Regisseur wäre am 26. Mai 90 Jahre alt geworden. Er gehörte zu den jungen Leuten, die an der Prager Filmhochschule Famu studieren konnten. Hier freundete er sich mit dem Schauspieler Vlastimil Brodský an, der an Beyers größtem Erfolg beteiligt war. Brodský spielte die Titelrolle in »Jakob der Lügner« nach Jurek Beckers antifaschistischem Roman. 1977 gab es dafür eine Oscar-Nominierung. Doch Beyer hatte auch Misserfolge. So wurde sein Defa-Film »Spur der Steine« 1966 aus inhaltlichen Gründen zurückgezogen. Ihm blieb nur übrig, für einige Jahre am Theater zu inszenieren. Später gab es mit seinem Film »Der Aufenthalt« Ärger. Hermann Kant hatte eigene Erlebnisse bei Kriegsende geschildert, als er in Polen unschuldig in Verdacht geriet, an Kriegsverbrechen beteiligt gewesen zu sein. Gegen den Film, in dem auch viele polnische Schauspieler mitwirkten, wurde seitens der polnischen Regierung interveniert, so dass die DDR »Der Aufenthalt« 1983 nicht zum Wettbewerb der Berlinale schickte, wo er gute Preischancen gehabt hätte. Unabhängig von solchen Misshelligkeiten aber zeugt die Qualität von Beyers Filmen, besonders den bei der Defa entstandenen, von seiner großen künstlerischen Kraft.

Vergangenheitsbewältigung auf ganz eigene Weise betreibt der Zeichner und Autor Walter Moers, dessen »Käpt’n Blaubär« alle kennen, weil er als Comic, in Film und Fernsehen eine Kultfigur wurde. Am Dienstag wurde Moers 65. Zu seinen Geschöpfen zählt auch »Adolf, die Nazisau« aus den 90er Jahren. Hier schrumpft Hitler zu einer erbärmlichen und lächerlichen Figur. »Das Leben ist zu kostbar, um es dem Schicksal zu überlassen«, ist einer der herrlichen Sätze, mit denen Walter Moers seine wortspielreichen Romane um den Phantasiekontinent Zamonien angereichert hat. Möge er noch viele schreiben!

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