Gegründet 1947 Mittwoch, 25. Mai 2022, Nr. 120
Die junge Welt wird von 2636 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 16.03.2022, Seite 16 / Sport
Nordische Kombination

Rekorde für die Ewigkeit

Jarl Magnus Riiber gewinnt den Weltcup in der nordischen Kombination
Von Gabriel Kuhn
imago1010578436h.jpg
Der Dominator: Jarl Magnus Riiber (l.) in Schonach

Am Ende reichte es dann doch. Trotz gesundheitlicher Probleme und starker Konkurrenz durch den österreichischen Jungstar Johannes Lamparter sicherte sich Jarl Magnus Riiber aus Norwegen auf den letzten Drücker den Weltcupsieg in der nordischen Kombination der Herren. Spannender hätte das Finale nicht verlaufen können. Vor dem letzten Wettkampfwochenende in Schonach im Schwarzwald hatte Lamparter in der Weltcupwertung noch in Führung gelegen. Beim Wettbewerb am Samstag übernahm Riiber jedoch mit einem Sieg das gelbe Trikot: Nun lag er genau einen Punkt vor Lamparter. Die Ausgangslage für den Abschlusswettbewerb am Sonntag war damit klar: Wer von den beiden als erster über die Ziellinie geht, ist Weltcupsieger der Saison 2021/22.

Er dominiert den Sport

Wie so oft zeigte Riiber von der Schanze einen Klassesprung. Lamparter lag auf Platz drei jedoch nur 28 Sekunden hinter ihm. Es schien für den in der Loipe etwas stärker einzuschätzenden Österreicher nicht unmöglich, dies aufzuholen. Und tatsächlich: Am Anfang der vierten und letzten Runde des Zehn-Kilometer-Langlaufs hatte Lamparter zu Riiber aufgeschlossen. Kurzzeitig übernahm er sogar die Führung. Dann jedoch spielte Riiber seine ganze Klasse aus. Er ließ sich von Lamparter nicht abschütteln und bestätigte auf der Zielgeraden seine Sprintqualitäten. Nach 21 Wettbewerben entschieden vier Sekunden über den Gesamtweltcup.

Der Triumph von Riiber war verdient. Vier Weltcupwettbewerbe hatte er aufgrund von Rückenproblemen auslassen müssen. 14 der 17 Wettbewerbe, in denen er antrat, gewann er. Nur zweimal lag Lamparter vor ihm. Doch der Österreicher gewann drei der vier Wettbewerbe, bei denen Riiber fehlte, und landete im Laufe der Saison so beständig auf dem Podest, dass er den Gesamtweltcup spannend machte. Mit 20 Jahren hat Lamparter eine lange Zukunft vor sich. Es wird sich zeigen, ob er Riiber näherrücken kann. Dieser stellt mittlerweile reihenweise Rekorde auf. Sein diesjähriger Gesamtweltcupsieg war der vierte in Folge. 49 Weltcupsiege in Einzelwettbewerben hat er mittlerweile zu Buche stehen, mehr als alle anderen nordischen Kombinierer, die finnische Legende Hannu Manninen (48) und den immer noch aktiven Eric Frenzel vom ­SSV ­Geyer (44) eingeschlossen. Auch Riiber ist noch jung, gerade erst 24. Dominiert er den Sport weiterhin in dieser Art, sind Rekorde für die Ewigkeit unvermeidlich.

Dritter im diesjährigen Gesamtweltcup wurde der Oberstdorfer Vinzenz Geiger. Zwei dritte Plätze in Schonach reichten, um den Norweger Jørgen Graabak auf Distanz zu halten. Geiger gewann zwei Wettbewerbe und stand neunmal auf dem Podest. Der größte Erfolg für ihn war die Olympiagoldmedaille in Beijing im Wettbewerb von der Normalschanze. Riiber hatte diesen aufgrund einer Coronainfektion verpasst. Beim Wettbewerb von der Großschanze stand Riiber wieder am Start, führte nach dem Springen überlegen, brach danach jedoch in der Loipe ein. Für die Staffel wurde er nicht mehr nominiert. Auch Lamparter blieb in Beijing ohne Medaille. In den Einzelwettbewerben nur Vierter und Sechster, schrammte er auch in der Staffel an einer Medaille vorbei. Die Österreicher mussten sich im Kampf um Bronze überraschend Japan geschlagen geben. Lamparters ernüchterndes Fazit: »Olympia ist nicht der Weltcup.«

Den Herren vorbehalten

Auch wenn die ersten beiden Plätze im Gesamtweltcup der Herren an andere gingen, zeigte das DSV-Team über die Saison eine starke Mannschaftsleistung. Neben Geiger schafften es auch Eric Frenzel als Siebenter, Terence Weber vom SSV Geyer als Achter und Julian Schmid vom SC Oberstdorf als Zehnter in die Top ten.

Ebenfalls zu Ende gebracht wurde in Schonach die erste richtige Weltcupsaison der nordischen Kombiniererinnen. Offiziell gab es den ersten Weltcup in der nordischen Kombination für Damen bereits in der vergangenen Saison, doch Corona reduzierte diesen auf ein einziges Rennen in der österreichischen Ramsau. In dieser Saison konnten die Damen immerhin acht Wettbewerbe bestreiten. Auch hier dominierte ein Athlet klar, und auch dieser kommt aus Norwegen. Gyda Westvold Hansen gewann sieben der acht ausgetragenen Wettbewerbe. Beim einzigen, den sie nicht gewann, gab sie aufgrund einer gerade überstandenen Coronainfektion kurz vor dem Ziel in Führung liegend auf. Im Gesamtweltcup lag sie am Ende fast 300 Punkte vor ihrer Landsfrau Ida Marie Hagen. Beste DSV-Athletin wurde Jenny Nowak vom SC Sohland auf Rang neun. Ein Podestplatz bei den Weltcuprennen blieb den DSV-Damen verwehrt. Bei Olympia waren die Kombiniererinnen nicht dabei. Die nordische Kombination ist die einzige Sportart, die bei den Winterspielen immer noch den Herren vorbehalten bleibt.

Die junge Welt online lesen

Die Berichterstattung der Tageszeitung junge Welt ist in der Friedensfrage oder zu Sozialabbau anders. Sie liefert Fakten, Hintergrundinformationen und Analysen. Das Onlineabo ist ideal, zum recherchieren und informiert bleiben. Daher: Jetzt Onlineabo abschließen!

Mehr aus: Sport