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Aus: Ausgabe vom 11.01.2022, Seite 10 / Feuilleton
Literatur

Hunde

Von Frank Schäfer

Bergmanns Hofparty zum 18ten wäre fast aus dem Ruder gelaufen, weil einer auf den Abtreter vor der Haustür geschissen hatte.

»Das war ein Hund«, beruhigten wir ihn, aber er schüttelte nur den Kopf.

»Ich kenne den Penner, es gibt nur einen, der so was bringt!«

Und wir wussten es auch.

Nach zwölf wurde es kühl, um eins ging es aufs Zimmer, und die letzten verbliebenen Gäste, betrunken, bekifft, süchtig nach Leben, fielen jetzt übereinander her. Ein Pärchen machte den Anfang, der Rest fand sich dann schon.

Birgit und ich spielten aneinander herum, einfach so, wir saßen uns gegenüber auf der Matratze, das reichte als Entscheidungsgrundlage. Sie schmeckte leicht säuerlich nach dem Asti Spumante und roch nach Mädchen, und ich konnte mein Glück nicht fassen.

Sie spielte Volleyball in der Bezirksauswahl, sie war trainiert, mehr als ich, ihre Stimme war derb, aber ihre schmalen Schultern rührten mich. Und vor allem gab sie einem kleinen Scheißer wie mir das wunderbare Gefühl, vielleicht doch nicht alles vollends zu versemmeln.

Sie wartete jeden Morgen im Oberstufenraum auf mich, und wir knutschten eine Weile, und irgendwann nicht mehr.

Wir sprachen nie drüber, liefen einfach auseinander wie zwei Hunde auf der Straße.

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