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Aus: Ausgabe vom 03.12.2021, Seite 8 / Ansichten

Kanal noch nicht voll

NATO zum Afghanistan-Krieg
Von Arnold Schölzel
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Mimt zum Ende seiner Amtszeit den klugen Ratgeber: SPD-Außenminister Heiko Maas am Mittwoch in Riga

Die NATO habe eine erste Analyse ihres Debakels in Afghanistan abgeschlossen, berichtete dpa am Donnerstag abend. Die Außenminister des Paktes verständigten sich demnach in der lettischen Hauptstadt Riga am Mittwoch auf Empfehlungen, die Fähigkeiten zur Durchführung großer und kurzfristiger Evakuierungseinsätze zu stärken. Zudem werde – kein Witz – »angeregt«, sich künftig »erreichbare Ziele« zu setzen. Dazu sollen auch die politischen und kulturellen Standards der »Einsatzländer«, also von der NATO überfallener Staaten, Beachtung finden. »Einsatz« hat hier offenbar die gleiche Bedeutung wie im Wettbüro.

Heiko Maas wäre nicht der ideale Repräsentant der neuen deutschen Aggressivität, wenn er die »erreichbaren« Ziele nicht zu seinen eigenen machte. Die mit den »Verbündeten« nicht abgesprochene Entscheidung Joseph Bidens zum Abzug aus Afghanistan nagt offenbar am Selbstbewusstsein der deutschen Möchtegerngroßmacht. Jedenfalls erklärte Maas in Riga, man müsse sich schon vor einem »Einsatz« darüber klar werden, ob man bereit sei, sich auf Dauer zu enga­gie­ren und Insti­tu­tio­nen in einem Land aufzu­bau­en. Die Devise »Gemeinsam rein, gemeinsam raus« müsse auch umgesetzt werden und, hinterher ist selbst der deutsche Oberlehrer schlauer, man müsse sich ernsthaft darüber Gedanken machen, ob jeder Auslandseinsatz immer zum Ziel haben müsse, die »uns genehme« Staatsform zu exportieren.

Da soll offenbar die Rolle des größten Rabauken im NATO-Kriegstheater neu besetzt werden. Denn aus der FAZ war zusätzlich zu erfahren, das habe Maas »vorsich­tig formu­liert«. In Wirklichkeit werbe Berlin in der Allianz durch­aus dafür, sich die Aussicht auf einen langen Krieg wenigs­tens offen­zu­hal­ten. 20 Jahre »Landesverteidigung am Hindukusch« sind einfach nicht genug, und der Kanal ist noch lange nicht voll. Der gleichnamige Marschsong zur BRD-Aufrüstung aus dem Film »Das Mädchen Rosemarie« wurde 1958 noch wegen »Herabwürdigung der verfassungsmäßigen und rechtsstaatlichen Grundlagen des deutschen Volkes« und der Bundeswehr verboten. Heute wäre er die Hymne zur wiederauferstandenen deutschen Herrlichkeit. Die USA und Großbritannien, so die FAZ, hätten andere Schlussfolgerungen gezogen: Sie wollten zwar weiter »auf Krisen reagie­ren« – so heißen Angriffskriege jetzt im NATO-Sprech –, sich danach aber schnell zurück­zie­hen. In »Natio­nen­bil­dung« wollten sie sich nicht mehr verwi­ckeln. Das werde sich im neuen stra­te­gi­schen Konzept wider­spie­geln, an dem die NATO arbei­tet und das bis zum Juni nächs­ten Jahres fertig sein solle.

In das werden also die »Lehren« aus Afghanistan einfließen: Keine kleinen Kriege beginnen, sondern nur noch große. Also marschiert die halbe Armee der Ukraine auf NATO-Anweisung mit 125.000 Mann im Osten des Landes auf, um den zu überrennen. Krieg gegen Russland? Ist ein »erreichbares Ziel«.

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