75 Ausgaben junge Welt für 75 €
Gegründet 1947 Freitag, 3. Dezember 2021, Nr. 282
Die junge Welt wird von 2593 GenossInnen herausgegeben
75 Ausgaben junge Welt für 75 € 75 Ausgaben junge Welt für 75 €
75 Ausgaben junge Welt für 75 €
Aus: Ausgabe vom 25.11.2021, Seite 16 / Sport
Boxen

Die Fleischtöpfe warten

Nach endlosen Verschiebungen verteidigt Überraschungsboxchamp Teófimo López seinen Titel im Leichtgewicht
Von Rouven Ahl
2019-0MADP_3_BOXING-LIGHTWEIGHT-LOPEZ-TATLI.JPG
Plötzlich Champion: Teófimo López nach seinem Sieg über Wassil Lomatschenko (20.4.2019)

Im Herbst 2020 schockte Teófimo López die Boxwelt. Der 24jährige ging als klarer Außenseiter in den Kampf mit dem Ukrainer Wassil Lomatschenko, einem der besten Boxer der Welt und Platzhirsch im Leichtgewicht. López gewann nach Punkten – und gehört nun selbst zur Elite.

Doch seit seinem Coup gegen Lomatschenko stand López nicht mehr im Ring. Ursprünglich sollte der Rechtsausleger (16 Siege, keine Niederlage) bereits im vergangenen Frühjahr seine drei Titel gegen den Australier George Kambosos (19 Siege, keine Niederlage) verteidigen. Dann kam die Pandemie und mit ihr immer neue Verschiebungen, die Terminierung wurde zur unendlichen Geschichte – die nun endlich am Samstag im New Yorker Hulu Theater at Madison Square Garden ihr Ende finden soll.

Die Wege dahin waren verschlungen: Der Streamingdienst Triller hatte im Februar für rund sechs Millionen US-Dollar (etwa 5,4 Millionen Euro) die Übertragungsrechte an dem Kampf erworben, nachdem sich López finanziell nicht mit seiner Promotionagentur »Top Rank« und deren Besitzer Bob Arum hatte einigen können. Der hatte nicht mehr als zwei Millionen Dollar zahlen wollen, das Duell sei »kein Kampf erster Güte«.

Zunächst war das Aufeinandertreffen für Mai angesetzt, wurde dann auf den 19. Juni verschoben, bis eine Covid-19-Erkrankung von López auch diesen Termin platzen ließ. Danach sollte der Kampf in Kambosos’ Heimat Australien stattfinden, was López jedoch wegen der dortigen Quarantänebestimmungen ablehnte. Am neuerlichen Ausweichtermin am 4. Oktober stieg man nicht in den Ring, weil Triller und das López-Camp die Konkurrenz eines American-Football-Spiels fürchteten. Kambosos war mit einer neurlichen Verschiebung nicht einverstanden und klagte. Jetzt wurde es dem Verband IBF zu bunt. Er entzog Triller die Rechte, statt dessen bekam der Veranstalter Matchroom den Zuschlag. Die Agentur des britischen Promoters Eddie Hearn hatte ursprünglich den zweithöchsten Betrag für den Kampf geboten.

Das Hin und Her im Vorfeld war unfreiwillig komisch, zeigt aber auch, wie kompliziert das Boxgeschäft sein kann. Offenbar hat Arum recht behalten: Der Name Teófimo López gehört noch nicht zu den klangvollsten im Business. Was nicht am Talent liegt, das ist reichlich vorhanden. López hat ein großartiges Timing, er boxt überlegt. Das musste auch Lomatschenko feststellen. Vor dem Überraschungssieg waren die meisten Experten der Meinung, der Kampf mit einem Boxer dieser Güteklasse käme für López zu früh. Der gebürtige New Yorker hat ihnen das Gegenteil bewiesen.

Gegen Kambosos gilt López deshalb als klarer Favorit. Der 28jährige Rivale aus Sydney ist zwar ebenfalls ungeschlagen, gilt aber noch nicht als kommender Weltklasseboxer. Gerade deswegen wäre es leicht, ihn seinerseits zu unterschätzen. Die üblichen Sprüche hat er schon einmal drauf: »Ich freue mich auf den 27. November, um da die Welt zu schocken«, sagte Kambosos im Vorfeld des Kampfes: »Ich habe beim Training wortwörtlich Blut, Schweiß und Tränen gegeben, um sicherzugehen, dass ich den Kampf gewinne, und ich werde gewinnen!« López gab gewohnt selbstbewusst Kontra und tönte, er sei sich sicher, dass Kambosos »nach dem Kampf wohl seine Karriere beenden wird«.

Eine Niederlage kann sich der US-Profi selbst nicht leisten, schließlich warten mögliche Kämpfe gegen die hochkarätige Leichtgewichtkonkurrenz wie Ryan García, Devin Haney oder Gervonta Davis – und damit die großen Gagen. López sollte aus eigenen Erfahrung wissen: Unterschätze niemals den Underdog.

Zeitung für das Recht auf Wohnen

Die junge Welt ist die einzige parteiunabhängige Tageszeitung, die Zeit Ihres Bestehens gegen Krieg und Faschismus angeschrieben hat. Wenn wir nun unseren 75. Geburtstag feiern, dann möchten wir das zusammen mit unseren Leserinnen und Lesern begehen.

Um dieses Jubiläum gebührend zu feiern, hat die junge Welt die 75er-Aktion. Schenken Sie sich, Ihren Lieben und der jW 75 Ausgaben für 75 Euro. Danach endet das Abo automatisch und muss nicht abbestellt werden.

Mehr aus: Sport