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Aus: Ausgabe vom 30.10.2021, Seite 6 / Ausland
Abkommen Energieversorgung

Strom für die Levante

Einigung zwischen Damaskus, Beirut und Amman: »Arabische Pipeline« soll Erdgas an Libanon liefern
Von Karin Leukefeld
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Hauptsache, der Strom kommt an: Balkon in Bordsch Hamud, Libanon, 27.1.2021

Syrien, Libanon und Jordanien haben sich am Donnerstag auf den Beginn von Stromlieferungen in den Libanon geeinigt. Nach einem Treffen im jordanischen Amman teilten die Energieminister der drei Länder, Walid Fajad (Libanon), Ghassan Al-Samil (Syrien) und Saleh Kharabscha (Jordanien) vor Journalisten mit, dass die Stromlieferungen Ende dieses Jahres beginnen werden. Die tägliche Energieleistung soll demnach 400 Megawatt betragen. Die Weltbank habe an dem Treffen teilgenommen und werde die Stromlieferung finanzieren, erklärte der libanesische Energieminister Fajad. Möglich geworden sei das, weil »die US-Amerikaner grünes Licht für das Projekt gegeben haben, um Libanon mit Strom zu versorgen«, fügte er hinzu.

Der Strom wird mit Erdgas erzeugt, das Ägypten von der Sinaihalbinsel nach Jordanien liefert. In welchem Umfang Jordanien und Syrien von dem Projekt profitieren, ist unklar. Den Ländern stehen Transitgebühren für die Nutzung des jeweiligen Pipelineabschnitts zu. Da aber sowohl die jordanische als auch die syrische Energieversorgung durch den zehnjährigen Krieg in Syrien, die illegale US-Besetzung von Öl- und Gasfeldern im Nordosten des Landes und die von der EU und den USA verhängten Wirtschaftssanktionen wie dem US-Gesetz »Caesar« extrem belastet sind, dürften beide Länder dafür verhandelt haben, Gas für die eigene Energieproduktion zu nutzen.

Das gemeinsame Energieversorgungsprojekt war Anfang September 2021 auf den Weg gebracht worden, als die US-Botschafterin im Libanon, Dorothy C. Shea, in einem Gespräch mit dem libanesischen Präsidenten Michel Aoun erklärt hatte, die US-Regierung werde der Stromversorgung für den Libanon zustimmen. Kurz zuvor hatte der Vorsitzende der libanesischen Hisbollah, Hassan Nasrallah, Ende August direkte Öllieferungen aus dem Iran angekündigt, um die öffentliche Energieversorgung vor dem Zusammenbruch bewahren zu können. Mitte September erreichte die erste Lieferung von iranischem Öl über den syrischen Hafen Banias den Libanon. Inzwischen ist die dritte Lieferung eingetroffen.

Bei einem ersten Treffen auf Ministerebene Anfang Oktober hatten die Energieminister der beteiligten Länder einen Arbeitsplan beschlossen, um zunächst die Pipelineverbindung zwischen Jordanien und Syrien technisch wiederherzustellen. Die sogenannte Arabische Gaspipeline hatte bis 2012 ägyptisches Gas an Jordanien und durch Syrien in den Libanon geliefert. 2012 wurde die Verbindung zunehmend Ziel von Anschlägen, für die Dschihadistengruppen wie der »Islamische Staat« verantwortlich gemacht wurden.

Grundlage für die Lieferungen war die Entscheidung Ägyptens im Jahr 1995, nationalen und internationalen Ölgesellschaften die Genehmigung für Erdgasbohrungen zu erteilen. 2008 war das ägyptisch-jordanisch-syrisch-libanesische Teilstück der Pipeline mit einer Länge von 1.200 Kilometern fertiggestellt. Neben ägyptischen und syrischen Betreibern gehören auch Unternehmen aus den USA, Großbritannien, Deutschland, Kanada und Russland zu den Anteilseignern.

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