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Aus: Ausgabe vom 18.10.2021, Seite 1 / Titel
Faschisten Italien

Siamo tutti antifascisti!

Wir sind alle Antifaschisten: Massendemo von Gewerkschaften und Linken in Italien eine Woche nach ultrarechten Attacken
Von Gerhard Feldbauer
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»Angriff auf die Würde der Arbeitenden«: Proteste in Rom am Sonnabend

Nein zu Faschismus und Gewalt: Unter dieser Losung sind in Rom eine Woche nach dem Angriff auf die Zentrale der Gewerkschaft CGIL am Sonnabend Zehntausende auf die Straße gegangen. Zu der Demonstration aufgerufen hatte die CGIL, die mit 5,6 Millionen Mitgliedern stärkste der drei großen Gewerkschaften Italiens. Laut Angaben der Veranstalter waren 200.000 Menschen gekommen, die Stadtverwaltung sprach von 50.000, wie die staatliche Nachrichtenagentur ANSA berichtete. Zahlreiche Polizeieinheiten und Hubschrauber waren im Einsatz.

Dem Aufruf gefolgt waren laut der linken Tageszeitung Il Manifesto verschiedene Verbände, Bewegungen und Parteien: vom sozialdemokratischen Partito Democratico (PD) über die Fünf-Sterne-Bewegung (M5S) und die Linkspartei Freie und Gleiche (LeU) bis zum Nationalen Partisanenverband ANPI, der Aktion Italienische Linke und Kommunisten. Am Mittwoch beginnt im Senat die Debatte über die Anträge von PD, LeU, M5S und Italia Viva, Organisationen wie die Forza Nuova per Gesetz aufzulösen – die Demonstration sollte der Forderung Nachdruck verleihen.

Mit Fahnen und Bannern waren die Gewerkschafter und linken Gruppen um den Veranstaltungsort der Massenkundgebung auf der Piazza San Giovanni gezogen. Als erstes sprach Luca Visentini, Generalsekretär des Europäischen Gewerkschaftsbunds. Die Chefs der drei großen italienischen Gewerkschaften, Maurizio Landini (CGIL), Luigi Sbarra (CISL) und Pierpaolo Bombardieri (UIL), forderten in ihren Reden, der faschistischen Gewalt entschieden entgegenzutreten.

Die Kundgebung fand am Vorabend der für Sonntag und Montag angesetzten Stichwahl der Bürgermeister in Rom, Turin, Triest und weiteren 65 Städten statt. Die Redner, darunter, Landini, wiesen den Vorwurf zurück, sie wollten sich in die Wahlen »einmischen«. Dies hatte Matteo Salvini (Lega) mit Blick auf die Kundgebungen nahegelegt. »Während in Europa der islamische Terrorismus, die einzige wirkliche Gefahr dieser Tage, Blutvergießen verursacht, macht die Linke in Rom Wahlkampf, indem sie Faschisten jagt, die es zum Glück nicht mehr gibt.«

Landini hingegen erklärte: »Der Angriff auf die CGIL, der Angriff auf die Gewerkschaft, ist ein Angriff auf die Würde der Arbeitenden des ganzen Landes«, und weiter, »wir sind nicht hier, um irgend jemanden zu verteidigen, sondern um die Demokratie zu verteidigen und sie auszubauen.« Dazu müsse die Verfassung »wieder zum Leitstern« werden.

An der Kundgebung hatten auch PD-Chef Enrico Letta, M5S-Sekretär Giuseppe Conte und Außenminister Luigi Di Maio (ebenfalls M5S) teilgenommen. Beide Parteien sitzen gleichzeitig mit den Faschisten von Salvinis Lega und der Forza Italia (FI) Silvio Berlusconis in der Regierung von Premier Mario Draghi. Letta sagte, es sei »eine sofortige Reaktion« auf die Angriffe erforderlich, damit faschistische Gewalt verhindert und die Prinzipien und Werte der Verfassung verteidigt werden können. Conte betonte, man vereine sich nicht »unter Parteisymbolen«, sondern stehe gemeinsam »unter der Trikolore auf dem Platz«.

Unterdessen hat es, wie ANSA berichtete, eine Attacke auf die Website der CGIL gegeben. Laut der Gewerkschaft habe »in Verbindung« mit der Demo ein struktureller Computerangriff stattgefunden, der das gesamte Kommunikationssystem der CGIL beeinträchtigt habe. Man habe daraufhin alle Zugänge geschlossen, um das System zu schützen.

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