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Aus: Ausgabe vom 20.09.2021, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Waffengeschäfte

Jahrhundertdeal geplatzt

Frankreichs Rüstungsindustrie verliert wegen neuen Indopazifik-Bündnisses Milliardenauftrag. Australien drohen hohe Strafzahlungen
Von Raphaël Schmeller
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Australiens Verteidigungsministerin Linda Reynolds während eines Besuchs beim französischen Reedereikonzern Naval Group im Februar 2020 (Adelaide, Australien)

Mit ihrem neuen Bündnis im Indopazifik haben die USA, Großbritannien und Australien Frankreich heftig verärgert. Denn durch den geschlossenen Anti-China-Pakt geht dem französischen Reedereikonzern Naval Group ein 2016 von Canberra erteilter Auftrag zum Bau einer neuen U-Boot-Flotte im Volumen von 56 Milliarden Euro durch die Lappen. Zwar sagte Australiens Premier Scott Morrison am Freitag, er habe Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bereits im Juni darüber unterrichtet, dass sein Land womöglich den U-Boot-Auftrag nicht an die Naval Group vergeben werde. Außenminister Jean-Yves Le Drian sprach am Donnerstag gegenüber dem Radiosender Franceinfo dennoch von einem »Schlag in den Rücken«. Er warf außerdem US-Präsident Joseph Biden vor, sich wie dessen Vorgänger Donald Trump verhalten zu haben. »Diese brutale, einseitige und unberechenbare Entscheidung erinnert mich in vielem an das, was Herr Trump getan hat«, so Le Drian.

Nach der wütenden Reaktion aus Paris bemühte sich der US-amerikanische Außenminister Antony Blinken darum, die Wogen zu glätten. »Wir arbeiten unglaublich eng mit Frankreich bei vielen gemeinsamen Prioritäten im Indopazifik, aber auch darüber hinaus weltweit zusammen. Wir werden das auch weiterhin tun. Wir legen fundamentalen Wert auf diese Beziehung, auf diese Partnerschaft«, sagte Blinken am Donnerstag in Washington. Der Beschwichtigungsversuch kommt in Paris nicht gut an. Verteidigungsministerin Florence Parly sagte mit Blick auf mögliche Entschädigungen, Frankreich prüfe alle Hypothesen und Szenarien, »wir werden unsere Interessen schützen und verteidigen«.

Bei der Naval Group sitzt der Schock tief. Man sei »tief enttäuscht«, so eine Mitteilung des Konzerns. Laut Gewerkschaft CGT stehen insgesamt 1.000 Jobs auf der Kippe, denn »es besteht das Risiko, dass – wie bei der Naval Group üblich – die Beschäftigten die Zeche zahlen werden«. Das sich zu 62,49 Prozent in staatlicher Hand befindliche französische Unternehmen hatte sich 2016 gegen Thyssen-Krupp Marine Systems aus Deutschland und dem Japaner Mitsubishi Heavy Industries durchgesetzt, es hieß man habe einen »Jahrhundertdeal« erzielt.

Die plötzliche Entscheidung gegen die französischen »Attack«-U-Boote ist vor allem darauf zurückzuführen, dass diese konventionelle, also nicht atomar angetriebene Schiffe sind. Die zunächst acht U-Boote, die Australien jetzt statt dessen in Kooperation mit den USA und Großbritannien bauen wird, sollen dagegen atomar betrieben werden. Das stößt nicht nur in Paris, sondern auch in Wellington auf Kritik. Neuseelands Ministerpräsidentin, Jacinda Ardern, teilte am Donnerstag unmittelbar nach der Ankündigung des neuen Militärbündnisses mit, ihr Land werde australischen Atom-U-Booten keinen Zutritt zu seinen Gewässern gewähren.

Dass Australien den Deal mit Frankreich nun platzen lies, wird auch für Canberra große finanzielle Folgen haben. Laut Financial Review, der größten Wirtschaftszeitung des Landes, wird der australische Staat rund 400 Millionen Euro an Entschädigungen zahlen müssen.

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