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Solidarität mit Ex-Black-Panther

»Lebenslängliche« in US-Knästen: Kampf um Begnadigung von Sundiata Acoli
Von Jürgen Heiser
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Soliprotest für Mumia Abu Jamal in Philadelphia (November 2020)

Als jW-Kolumnist Mumia Abu-Jamal vor zwei Wochen an dieser Stelle versicherte, es gehe ihm »heute viel besser als in den zurückliegenden Monaten«, und er sei »wieder bei Kräften«, war Redaktion und Leserschaft bewusst, dass er trotzdem weiterhin nicht in der Lage sein wird, regelmäßig wöchentlich seine seit über 20 Jahren vielgelesene Kolumne zu schreiben. Abgesehen von der durch jahrzehntelange Haft bewirkten dauerhaften Schädigung seiner Gesundheit, gehört Abu-Jamal zur wachsenden Gruppe älterer Gefangener. Das Problem beschrieb der politische Gefangene Sundiata Acoli in dieser Zeitung bereits am 6. Juli 2015. Heute säßen in den USA »mehr Gefangene lebenslange Haftstrafen ab als je zuvor«. Die Zahl der »Lebenslänglichen« habe sich »seit 1984 auf über 140.000 vervierfacht«. Deshalb, so Acoli, müssten »alte, kranke und gebrechliche Lebenslängliche entlassen« werden.

Am vergangenen Donnerstag erinnerte nun das US-Projekt Prison Radio auch an die nach fast fünf Jahrzehnten Haft äußerst prekäre Lage des heute 84jährigen Acoli. »Wie Mumia Abu-Jamal oder Leonard Peltier«, so Prison Radio, »gehört er zu den vielen Freiheitskämpfern, die immer noch allein deshalb im Gefängnis sitzen, weil sie das Verbrechen begingen, ihr Recht auf Selbstbestimmung gegen eine Unterdrückerordnung zu verteidigen.«

Die Radiomacherinnen beschrieben den am 14. Januar 1937 in Texas Geborenen als »brillanten Mathematiker«, der nach seinem Studium über zehn Jahre als Computerspezialist gearbeitet hatte. Es sei die Zeit nach den Morden an Malcolm X und Martin Luther King Jr. gewesen und das Jahrzehnt der Bürgerrechtsbewegung und ihres Kampfes gegen den gewaltsamen Rassismus in den USA. Eine Zeit, in der FBI-Direktor John Edgar Hoover »in den Ghettos 9.000 Spitzel« dafür bezahlt habe, »an Informationen zur Vernichtung des Freiheitskampfs der Schwarzen zu kommen«.

Acoli beteiligte sich seit 1964 in Mississippi an der Wählerregistrierung der schwarzen Bevölkerung. 1968 schloss er sich der Black Panther Party (BPP) in Black Harlem, einer der Hochburgen des schwarzen Freiheitskampfes, an und engagierte sich in der sozialen Arbeit der BPP in den Ghettos. Wegen des Kampfes gegen rassistische Polizeigewalt wurde Acoli 1969 im Fall der »Panther 21« zum ersten Mal für zwei Jahre inhaftiert. Obwohl die Jury sie nach einer großen Solidaritätskampagne am Ende freisprach, ging der Terror von Polizei und FBI weiter, Acoli bekam keine Arbeit mehr, und wie andere Betroffene tauchte er unter, um sich zu schützen.

36 Jahre war Acoli alt, als er 1973 zusammen mit Assata Shakur und Zayd Malik Shakur im US-Bundesstaat New Jersey in eine sogenannte Verkehrskontrolle geriet, in der die zur Fahndung ausgeschriebenen Panther von bewaffneten Polizeikräften sofort unter Feuer genommen wurden. Zayd Malik Shakur starb, und Assata Shakur wurde schwerverletzt verhaftet. Acoli konnte zunächst entkommen, wurde aber wenige Tage später auch verhaftet. Weil bei der Schießerei auch ein Polizist zu Tode gekommen war, wurde Acoli zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Assata Shakur, die Jahre später aus der Haft fliehen konnte und politisches Asyl in Kuba erhielt, verkündete dort, ihr Kampfgefährte werde »von Revolutionären in der ganzen Welt geschätzt und respektiert«, und deshalb »müssen wir für sein Leben und seine Freiheit kämpfen«.

Bereits seit 1993 hat Acoli einen rechtlichen Anspruch auf seine Entlassung auf Bewährung, sie wurde ihm jedoch bislang sechsmal verwehrt, zuletzt im Februar. Laut Prison Radio könnte Acoli durch einen im August beim Obersten Gerichtshof von New Jersey gestellten Antrag »endlich Bewährung erhalten«. Unterstützt wird dieser Schritt sogar von »einer Koalition aktiver und pensionierter schwarzer Polizeibeamter«, wie die britische Tageszeitung The Guardian kürzlich meldete. Wesentlich ist indes die Arbeit des Solidaritätskomitees, das den Gouverneur von New Jersey mit einer Petition auffordert, wegen Acolis schwindender Gesundheit Gerechtigkeit walten zu lassen und ihn zu begnadigen: »Bringen Sie Sundiata Acoli jetzt nach Hause!«

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Josie M. aus 38448 Wolfsburg (20. September 2021 um 12:22 Uhr)
    Vielen Dank, lieber Jürgen Heiser!
    Josie Michel-Brüning, Wolfsburg

Dieser Artikel gehört zu folgenden Dossiers:

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