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Aus: Ausgabe vom 30.07.2021, Seite 16 / Sport
Olympia

Leider ziemlich egal

Und noch ein Fußballwettkampf: Das olympische Turnier und die deutsche Mannschaft
Von Maurice Lötzsch
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Steht nach dem Aus in Tokio in der Kritik: Olympiaauswahltrainer Stefan Kuntz

Und noch mehr Fußball … Nach den Europameisterschaften der Herren und U-21-Junioren, der Copa América in Südamerika und dem Gold Cup in Nord- und Mittelamerika steht bei den Herren bereits das fünfte Fußballturnier in dieser kurzweiligen Sommerpause auf dem Programm: das olympische Turnier. Mit dem wohl am wenigsten beachteten Herrenfußballwettkampf schließt sich der Kreis. Mit dabei: Pleiten in der Akquise, ein Heiratsantrag, eine handvoll Topstars, eine ungewisse und eine sichere Zukunft.

Kein Anschluss unter dieser Nummer

100. So viele Spieler stellte Stefan Kuntz in seinen theoretischen Deutschland-Kader für die Olympiateilnahme auf. Dabei musste sich der U-21- und Olympiaauswahltrainer in Personalunion natürlich an dem Spielermaterial bedienen, das Lust hatte, noch ein weiteres Turnier zu spielen. Außerdem muss bei den Herren immer ein Kader aus Junioren aufgestellt werden, der von drei Spielern über 23 verstärkt werden darf. So klingelte Kuntz bei 100 Spielern durch, mit weniger Erfolg, als dem Trainer lieb war. Am Ende stiegen 18 Spieler in das Flugzeug nach Tokio. Dies führte zu einer größeren Diskussion über den Stellenwert des Turniers. Dabei wurde auch viel Kritik an den Vereinen laut, die ungern während der Saisonvorbereitung auf ihre Kicker verzichten möchten. Dazu später mehr.

Grüße in die Heimat

Eigentlich wollte er warten, bis er ein Tor erzielt, dann überkam es ihn. Max Kruse lieferte einen beinah herzerwärmenden Höhepunkt der deutschen Olympiafußballteilnahme – was auch an der Leistung von Jogi … äh, Stefan Kuntz lag. Vor laufender Kamera hielt der Union-Stürmer in Form eines Interviews um die Hand seiner Freundin an. Mit einem bedruckten Shirt, welches man sonst nur von Lucios früheren Glaubensbekenntnissen beim Torjubel kennt, richtete Kruse »Liebe Grüße nach Deutschland« aus. Später machte die ARD noch publik, dass die Antwort »Ja« lautete. Ob die Antwort direkt Kruse oder über den Umweg der ARD-Pressestelle nach Tokio gekommen ist, konnte bisher nicht geklärt werden.

Bekannte Namen

Obwohl das Olympiaturnier wenig Begeisterung bei den weltbesten Spielern auslöst, sind einige Topstars dabei, allen voran Pedri vom FC Barcelona. Der 18jährige spanische Mittelfeldmotor, dessen Marktwert von transfermarkt.de auf 80 Millionen Euro geschätzt wird, hat es sich nicht nehmen lassen, nach dem Halbfinalaus bei der Europameisterschaft noch mal die Sporttasche zu packen. Zu Recht: Schließlich reichen dreimal 90, zweimal 120 und einmal 119 Minuten auf höchstem Niveau noch nicht aus, um einen Jungspund auszupowern. Mit im Gepäck war auch Spaniens Torwart Unai Simón, der bei der EM eine Minute mehr Spielzeit als Pedri aufweisen konnte. Glanzvoll waren die Ergebnisse der Spanier bisher noch nicht: 0:0 gegen Ägypten, 1:0 gegen Australien, 1:1 gegen Argentinien. Sonnabend wartet die Elfenbeinküste im Viertelfinale.

Sayonara, Stefan Kuntz?

Drei Spiele, nur ein Sieg – so sieht die Bilanz der deutschen Mannschaft aus. Einem 2:4 gegen eine starke Elf aus Brasilien folgte zunächst ein Revival des WM-Vorrundenspiels 2002. Ebenfalls in Yokohama traf dabei aber dieses Mal nicht die Truppe von Rudi Völler auf Saudi-Arabien. Und anders als vor 19 Jahren gelang kein 8:0-Sahneauftritt. Am Ende stand ein knapper 3:2-Sieg für Deutschland. Im alles entscheidenden letzten Gruppenspiel sollte ein Sieg gegen die Ivorer her. Dabei präsentierte sich Côte d’Ivoire als harter Brocken und besiegelte so das Aus der deutschen Mannschaft nach einem umkämpften 1:1. Nach dem Spiel gab es bereits Kommentare zu Kuntz’ Zukunft. Doch der beschwerte sich lieber vor laufender Kamera über die Rahmenbedingungen des Olympiaturniers. Dennoch sei er stolz auf die Spieler: »Mentalität, Einstellung und Mut« hätten gestimmt. Fragen zu seiner Zukunft als Trainer ließ Kuntz offen, er wolle sich erst einmal ausruhen.

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